Dienstag, 12. November 2019

Innenarchitekt Gisbert Pöppler Bunte Wände, große Kunst

Innenarchitekt Gisbert Pöppler: Kraftvolle Kombinationen
Wolfgang Stahr

Gisbert Pöppler gehört zu den erfolgreichsten Innenarchitekten Deutschlands. Bei seinen Entwürfen kombiniert er starke Farben und auffällige Design-Stücke miteinander.

Berlin - Es ist eine wundersame Welt, in der Gisbert Pöppler an diesem Morgen seinen Laptop aufklappt. Die Räume einer alten Eisenwarenhandlung in Berlin-Mitte wurden von dem Innenarchitekten gemeinsam mit dem Galeristen Erik Hofstetter zu einem temporären Showroom umfunktioniert.

Jetzt beherbergen die hohen unverputzten Erdgeschoss-Räume liebevoll zusammengetragene Einzelstücke und Design-Avantgarde: Ein wuchtiger, ovaler Tisch aus Marmor ist dabei, luzide Glasobjekte und bunte Sessel, die mit changierendem Samt bezogen wurden. Vier unterschiedlich gemusterte Webteppiche schmiegen sich in einer Ecke aneinander, dahinter verbreitet eine weiße Metall-Stehlampe diffuses Licht.

Einige Meter weiter liegt ein chinesischer Art-Deco-Teppich in den Farben Magenta und Ocker mit einem asymmetrischen Blumenmuster in zartem Türkis verziert. Kombiniert mit einer der Sofalandschaften, die im Moment in jedem Möbelhaus zu sehen sind, könnte der Seidenteppich kitschig oder banal aussehen. Doch hier schwebt über dem Boden ein großer Vogelkäfig, den Hintergrund dominiert ein geheimnisvolles Bronze-Relief des Künstlers Blasius Spreng aus den 60er Jahren.

Gisbert Pöppler lehnt sich wohlgefällig zurück. "Viele wollen wissen, wie es möglich ist, dass das Gesamtbild harmonisch wirkt, obwohl die Dinge, die Farben und Materialien, die ich miteinander kombiniere, so unterschiedlich sind", sagt er. "Beim Einrichten kann man Grenzen überschreiten und am Ende, wenn alles ruhig und selbstverständlich aussieht, merkt man, dass man sie doch nicht überschritten hat." Ein schöner Satz, zweifellos, doch das Geheimnis seiner als magisch gepriesenen Kombinationsgabe erklärt nur unzureichend.

Vom Accessoire bis zum ganzen Haus

"Im Grunde läuft meine Arbeit sehr intuitiv an. Allerdings ist das eine Art von Intuition, in der viel Wissen und Erfahrung steckt", ergänzt er. Der Berliner ist Architekt und zugleich Interieur-Designer, gemeinsam mit fünf Mitarbeitern entwirft er Gestaltungskonzepte von der Entkernung ganzer Häuser bis hin Auswahl von Wohnaccessoires.

Für einige seiner Auftraggeber sucht er zudem nach passenden Häusern, Appartements oder Lofts. Mit einem derart ganzheitlichen Ansatz arbeiten hierzulande nur wenige Innenarchitekten. Zu Pöpplers Kunden gehören Firmen, Hotels und Restaurants, zum größten Teil arbeitet er aber für Privatleute. "Die Arbeit mit Privatkunden ist viel emotionaler. Das liegt schon daran, dass es ja um das eigene Geld geht und persönliche Vorlieben berücksichtigt werden müssen", sagt Pöppler.

Vor jedem Auftrag besucht er seine Kunden zu Hause. "Das ist enorm wichtig. Selbst wenn die Kunden betonen, dass sie von nun an ganz anders wohnen möchten, muss ich sehen, wie sie leben. Stellen sie immer ordentlich ihre Schuhe weg? Bekommen sie viel Besuch? Oder leben sie eher zurückgezogen? Solche Details sind entscheidend, um ein passendes Wohnkonzept zu entwickeln."

Bei der Gestaltung eines Interieurs geht er immer von dem Raum selbst aus. Seine Entwürfe entstehen in langen Prozessen und im Dialog mit seinen Kunden. So dauerte die Zusammenarbeit mit einem Galeristen, der ein Haus in Berlin-Charlottenburg erworben hatte, insgesamt zweieinhalb Jahre lang. Der Mann wünschte sich ein Domizil, das behaglich sein sollte, aber auch seiner Kunstsammlung, zu der Werke von Neo Rauch oder Bruce McLean gehören, eine entsprechende Bühne bieten sollten.

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