Mittwoch, 13. November 2019

Innenarchitekt Gisbert Pöppler Bunte Wände, große Kunst

Innenarchitekt Gisbert Pöppler: Kraftvolle Kombinationen
Wolfgang Stahr

2. Teil: Möbel aus einem alten Versicherungsgebäude

Nun gibt es, wenn es darum geht, derart hochkarätige Kunst zu präsentieren, eigentlich nur eine Vorgabe: Weiß müssen die Wände sein, rein weiß, damit sie nicht von den Gemälden ablenken. Pöppler aber wollte bunte Wände. "Räume, die mit wenig Tageslicht auskommen müssen, wirken oft diffus und neblig. Mit farbigen Wänden erzielen man in solch einem Fall eine weitaus bessere Wirkung", sagt er.

Schließlich konnte sich der Designer durchsetzen. Jetzt hängt große Kunst an Wänden in zartem Blau und Grün und kann sich dort, umgeben von bunten Sesseln und einer auffällig gemusterten Kommode, wunderbar behaupten. Die seltenen Vintagestücke, die Blickfang in vielen der von Pöppler gestalteten Wohnungen sind, sucht der Galerist Erik Hofstetter für ihn.

Zu den Fundstücken der jüngsten Zeit gehört eine Serie Kronleuchter aus den 50er Jahren mit dicken rechteckigen Murano-Glas-Scheiben. Die ausladenden Leuchten hingen einst in einem alten Versicherungsgebäude. Pöppler und Hofstetter bemühten sich monatelang, das Inventar aus den Vorstandsetagen im Ganzen zu übernehmen. Erst nach einem Einbruch, bei dem Jugendliche das Gros der Möbel und den Porzellanbestand zerstörten, entschied sich die Firma, die alte Einrichtung loszuwerden.

"Leider passiert so etwas häufiger, weil in solchen Fällen kein Mitarbeiter traut die Verantwortung für den Verkauf zu übernehmen", erklärt Pöppler. Erst wenn Vandalismus oder Wasserschäden den Bestand bedrohen, würde man sich von den Möbeln trennen.

Verspielte Arrangements

Wenn auf der Suche nach einem passenden Detail weder das Angebot der Hersteller noch Vintage-Ware den Einrichtungsspezialisten weiterbringen, dann entwirft Pöppler Kücheneinrichtungen, Kommoden und andere Möbel selbst. Auf seinem Laptop zeigt er das Foto eines Standspiegels mit abgerundeten Ecken, der auf einem Metallfuß steht. Den Spiegel hat ein Metallbauer nach seinen Vorstellungen gefertigt, jetzt macht er sich perfekt hinter einem freistehenden Waschtischchen.

Warum wurde nicht einfach ein Spiegel über das Waschbecken gehängt? Pöppler schüttelt den Kopf. Über dem Waschbecken seien bereits zwei hängende Lampen eingeplant, ein weiteres hängendes Element hätte zu starr gewirkt. Mit dem Spiegel, der sich auch kippen lässt, bekommt das Arrangement etwas Verspieltes.

Bei aller Liebe zum Detail haftet seinen Entwürfen immer auch etwas Lässiges und Überraschendes an. Immer wieder bricht Pöppler mit dem typischen Architektendenken und mit Traditionen. Eine seiner bekanntesten Arbeiten ist die Gestaltung eines Appartements im Berliner Hansa-Viertel. Für einen Berliner Fernsehproduzenten baute er eine Wohnung in einem denkmalgeschützten Haus, das von Walter Gropius erbaut wurde, um.

Einzelne Wände wurden entfernt, ein ochsenblutroter Linoleumboden verlegt. Wände und Decken sind in knalligem Gelb-, Türkis- und Blautönen gehalten, das Küchenmobiliar leuchtet in Orange. Eine Möblierung im Stil der 1960er Jahre hätte bei der Wohnung nahe gelegen, doch Pöppler mixte lieber Designstücke unterschiedlicher Dekaden und schuf trotz der starken Farben und auffälligen Stücke ein harmonisches Ambiente.

"Das Farbkonzept wirkt auf viele Besucher so, als sei es an diese Zeit angelehnt, aber das stimmt nicht. Die Farben haben wir hauptsächlich nach den persönlichen Vorlieben des Bauherren ausgewählt. Zusätzlich haben wir auch Farben verwendet, die an den umliegenden Bauten zu sehen sind", erklärt Pöppler. "Wenn ich rein theoretisch und konzeptionell an meine Arbeit herangehen würde, würde sie nicht funktionieren."

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