Freitag, 22. November 2019

Teurer Hochhaus-Trend Die Reichen ziehen in Türme

Hochhäuser: Über den Dingen wohnen
Zabel Property

Der Trend geht zum guten Ausblick: In Deutschland erleben Wohnhochhäuser einen Boom. Doch mit der Höhe steigen auch die Kosten - und ein Mittel gegen Wohraummangel ist es nicht.

Noch zeugen nur rote Eisengerippe davon, dass hier eine Riese in den Himmel wächst. Im Frankfurter Europaviertel ragen zwischen Hauptbahnhof und Messe die Kräne über der Baustelle des "Grand Towers" in die Höhe, ein stetes Hämmern und Klopfen übertönt den Autoverkehr. Wo erst wenige Stockwerke im Rohbau fertig sind, entsteht laut dem Immobilienspezialisten JLL der höchste Wohnturm Deutschlands. 172 Meter hoch soll das fertige Bauwerk werden.

Das Projekt ist nur ein Beispiel für einen neuen Wohntrend in deutschen Großstädten. Bis 2022 sollen dem Immobilienspezialisten Bulwiengesa zufolge 97 Türme mit 18.400 Wohnungen gebaut werden. Davon entfallen alleine 27 auf Berlin und 24 auf Frankfurt. Es folgen mit Abstand München, wo 17 Hochhäuser geplant sind, sowie Düsseldorf mit 12 Projekten. In einigen Türmen werden Teile der Fläche auch für Geschäfte und Hotels vermietet. Bei manchen Projekten fehlt noch die Bewilligung.

Früher hatten Wohnhochhäuser einen schlechten Ruf. Sie standen für Plattenbauten und soziale Brennpunkte am Stadtrand. "Noch vor ein paar Jahren wäre niemand auf die Idee gekommen, Wohntürme zu bauen", sagt Günter Vornholz, Professor für Immobilienökonomie an der EBZ Business School in Bochum. Anders als in amerikanischen Metropolen, wo Wolkenkratzer schon zum Ende des 19. Jahrhunderts nichts Ungewöhnliches mehr waren, sind sie in Deutschland noch eine seltene Erscheinung.

Doch in den begehrten Großstädten mit zunehmend knappem Raum und immer höheren Immobilienpreisen finden Wohntürme auch hierzulande eine Klientel, die für mondänes Wohnen viel Geld bezahlt. "Das Image hat sich gewandelt", sagt Sven Carstensen, Chef der Frankfurter Bulwiengesa-Niederlassung. In Großstädten gebe es kaufkräftige Kunden und eine starke Nachfrage aus dem Ausland. "Reiche Chinesen sehen in deutschen Immobilien eine sichere Anlage."

Das treibt die Preise: Wohnungen in Frankfurter Wolkenkratzern kosten laut Bulwiengesa im Schnitt 7000 Euro je Quadratmeter, für Luxusobjekte können bis zu 19.000 Euro fällig werden. Die Mieten liegen um die 20 Euro je Quadratmeter. Dafür gibt es allerlei Annehmlichkeiten. Der Grand Tower etwa lockt nicht nur mit einem atemberaubenden Blick über die Stadt, sondern auch mit Concierge, 1000 Quadratmeter großem Dachgarten und Sonnendeck im 43. Stock.

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