Montag, 20. Mai 2019

Teurer Hochhaus-Trend Die Reichen ziehen in Türme

Hochhäuser: Über den Dingen wohnen
Zabel Property

2. Teil: Mit den Türmen lässt sich immens viel Geld verdienen

Doch Wohntürme sind nicht überall erwünscht. "In Frankfurt mit seiner Skyline passen sie ins Stadtbild", sagt Vornholz. In Köln dominiert hingegen der Dom die Stadtansicht. Und in München darf seit einem Bürgerentscheid kein Gebäude höher sein als die Frauenkirche. Überhaupt ist die deutsche Definition von Hochhaus - Gebäude ab 22 Meter - gemessen an den Riesen in Dubai oder Shanghai fast ein Witz.

Echte Hochhäuser mit einer Höhe ab 100 Metern sind hierzulande die absolute Ausnahme: Dazu zählen der "Gewa-Tower" in Stuttgart (107 Meter), der "Upper Nord Tower" (120 Meter) in Düsseldorf, der in der Planungsphase steckt, und der "Alexander" am Berliner Alexanderplatz. Mit 150 Metern soll er laut dem Investor Monarch das höchste Wohngebäude der Hauptstadt werden. Noch fehlt laut Projektgesellschaft aber die Baugenehmigung.

Auch das zentrale Argument für Hochhäuser - viel Wohnraum auf wenig Fläche - hat einen Haken: Selbst für Gutverdiener sind die Apartments kaum erschwinglich. "Wohntürme leisten keinen Beitrag zur Linderung der Wohnungsnot", sagt Vornholz. Einen relevanten Anteil am gesamten Wohnungsmarkt haben die Türme zudem selten. Spürbar ist er nur in Frankfurt: Dort werden bis 2020 rund 4000 Wohnungen in Wohnhochhäusern fertig - knapp ein Viertel aller Neubauten. Neben dem Grand Tower gibt es eine ganze Reihe von Luxus-Projekten wie den neuen Henninger Turm, den Taunusturm oder das Westend-Ensemble.

Ansätze, um mit Wohntürmen viel bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, gibt es nur wenige. "Die Idee, Hochhäuser in billiger Lage am Stadtrand hochzuziehen, ist politisch kaum durchsetzbar und zu bezahlbaren Mieten schwer zu realisieren", sagt Bulwiengesa-Experte Carstensen. Zwar gibt es Projekte, die eine Durchmischung mit günstigeren Wohnungen fördern. Doch dann müssen die restlichen Einheiten noch teurer sein.

Zumal die Kosten für Wohntürme ohnehin hoch sind. Mit der Höhe steigen die Ausgaben für Statik, Energieversorgung und Sicherheit. Ab 60 Metern sind in den meisten Landesbauverordnungen ein zweites Sicherheitstreppenhaus und separate Feuerwehraufzüge vorgesehen. Und tragende Bauteile müssen mindestens zwei Stunden Bränden widerstehen.

Die Baukosten für Wohntürme liegen laut JLL daher zwischen 10 bis 15 Prozent über denen für traditionelle Mehrfamilienhäuser. Mit dem Brand im Londoner Grenfell Tower im Juni hat die Debatte um die Sicherheit von Wolkenkratzern noch neue Nahrung bekommen. Dennoch dürfte sich der Trend zu Luxuswohntürmen fortsetzen. "Solange der Immobilienboom weiter geht, wird das Interesse der Investoren ungebrochen sein", sagt Vornholz. "Mit den Türmen lässt sich immens Geld verdienen."

 Alexander Sturm, dpa

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