Montag, 20. Mai 2019

Hansgrohe-Chef erklärt Badezimmer-Trends "Im Luxusbereich können Sie schon gut 50.000 Euro ausgeben"

Hansgrohe: Die Duscharmaturen des Branchenprimus
AXOR/Hansgrohe

Das Geschäft mit edlen Bad-Armaturen brummt: Mit 1,08 Milliarden Euro Umsatz meldete der deutsche Hersteller Hansgrohe im vergangenen Jahr abermals einen neuen Umsatzrekord. Das Unternehmen hat in 37 Ländern rund 5000 Mitarbeiter; 32 Prozent der Firma sind noch im Besitz der Familie Grohe, 68 Prozent gehören dem US-Konzern Masco. Hans Jürgen Kalmbach ist seit vergangenem August an der Spitze des Unternehmens und will es entschieden weiter in Richtung Digitalisierung führen.

manager-magazin.de: Herr Kalmbach, warum muss jetzt auch noch die Dusche digital werden? Reicht es nicht, wenn da angenehm warmes Wasser herauskommt?

Hans Jürgen Kalmbach: Wir haben eine Umfrage gemacht: Zwar nutzen erst 6 Prozent der Deutschen digitale Features im Bad, aber jeder dritte Deutsche will das in Zukunft tun. Bei den unter 40-Jährigen sind es sogar mehr als 40 Prozent. Natürlich ist das Bad ein intimer Rückzugsort, und es mag paradox klingen, einen solchen Ort auch noch digitalisieren zu wollen. Wir sehen dabei aber nicht die Technik im Vordergrund, sondern das Duscherlebnis. Das wird analog gesteuert, aber im Hintergrund laufen digitale Prozesse.

Und das sieht wie aus?

Hans Jürgen Kalmbach
  • Copyright: Hansgrohe
    Hansgrohe
    Hans Jürgen Kalmbach, 44, ist CEO des Armaturenherstellers Hansgrohe. Kalmbach hatte im August 2018 den bisherigen CEO Thorsten Klapproth abgelöst; zuvor war er als Vorstand Sales International tätig. Im Unternehmen ist er bereits seit 1998.

Unser neues Produkt heißt RainTunes. Da gibt es sieben verschiedene Szenarien, die man einfach per Knopfdruck ansteuern kann. Es gibt ein Szenario, das für den Abend gedacht ist, und eines für die Zeit nach dem Sport. Licht, Duft, Sound, Temperatur, die Art des Wasserstrahls sind da vordefiniert - und mittelfristig kann der Kunde sich auch eigene Szenarien erschaffen. Die Szenarien haben wir mit Experten aus verschiedenen Bereichen erarbeitet, unter anderem mit Dermatologen, Sportmedizinern, Physiotherapeuten und Aromatherapie-Spezialisten.

Warum sollte ich nach dem Sport anders duschen wollen als morgens?

Die Duschszenarien holen den Nutzer in seiner individuellen Tagesstimmung ab und bieten ihm ein dazu passendes Duscherlebnis. Nach dem Sport etwa benötigt der Körper Entspannung und Regeneration. Das Szenario mit Licht, Musik und den verschiedenen Strahlarten ist genau darauf abgestimmt: Kühles Wasser und ein pulsierender Massagestrahl entspannen und lockern. Im Anschluss gibt es eine vitalisierende Wechseldusche; der Kaltwasserguss gibt wohltuende Impulse und kann die Regeneration fördern. Denken Sie an die berühmte Eiswassertonne beim Fußball. Im Gegensatz dazu aktiviert das Guten-Morgen-Szenario Körper und Geist mit langsam kühler werdendem Wasser und man wird fit und vital für den Tag.

Wie entwickelt sich das Bad weiter?

Deutsche Badezimmer sind meist zwischen sechs und acht Quadratmeter groß. Daran wird sich auch nicht viel ändern, wohl aber tut sich einiges in der Ausstattung. Die Badewannen weichen, dafür werden die Duschen größer - mittlerweile ist eher ein mal ein Meter das Mindestmaß als die früher üblichen 80 mal 80 Zentimeter. Männer nutzen gerne Kopfbrausen, Frauen bevorzugen, auch der Haarwäsche wegen, Handbrausen. Das berücksichtigen wir mit Produkten wie einer neuen Dusche, die eine Kopfbrause mit besonders weichem Strahl hat und einer Form, die es ermöglicht, auch ohne Kopfwäsche zu duschen. Man kann mittlerweile per Knopfdruck drei verschiedene Strahlarten anwählen; das ist viel intuitiver als ein Hebel, den Sie immer wieder neu einstellen müssen. Die Bäder werden individueller, und Farben kommen wieder, außerdem neue Materialien beim Auslauf - Holz, Metall und Glas.

Einerseits wollen viele Leute nachhaltiger agieren und Wasser sparen, andererseits soll das Bad zum luxuriösen Wellness-Tempel werden. Das passt doch nicht richtig zusammen.

Ja, das sind ein Stück weit gegenläufige Ziele - eine Herausforderung für uns. Produkte, die ein tolles Duscherlebnis bieten, brauchen natürlich einen gewissen Wasserdruck. Aber wir müssen auch mit Wasserknappheit umgehen. In Kalifornien etwa dürfen wir nur Duschen verkaufen, die weniger als sieben Liter pro Minute verbrauchen - normale Duschen benötigen neun bis zwölf. Wir haben also völlig neue Strahltechnologien entwickelt: Powderrain etwa, ein sehr sanfter Strahl. Diese Duschen haben mikrofeine Austrittsöffnungen, es spritzt kaum, man muss die Duschwände weniger abziehen und verbraucht viel weniger Wasser.

Wie kommt es, dass die Leute nicht mehr so gerne baden?

Die Zeit im Bad nimmt ab. Das ganze Leben wird ja hektischer. Duschen geht einfach schneller, und es belebt mehr als ein Bad.

Wie lange steht man denn im Schnitt unter der Dusche?

Wir unterscheiden verschiedenste Typen vom Genussduscher bis zum effizienten Duscher. In der Regel duschen die meisten Leute zwischen fünf und sieben Minuten, der effiziente Duscher schafft es aber in knapp vier.

Hansgrohe wächst und wächst. Was treibt dieses Wachstum?

Wir haben zwei Marken: Hansgrohe und Axor. Deutschland ist derzeit noch unser wichtigster Gesamtmarkt, aber bei unserer Luxusmarke Axor ist China schon die Nummer eins. Wir sind dort seit 20 Jahren vor Ort und forschen mit einem eigenen Produkt- und Innovationsteam, was unsere Kundschaft dort will.

Und was will sie?

Die Chinesen mögen Showerpipes, also platzsparende Komplettlösungen. Filtrationssysteme sind wegen der schlechten Wasserqualität ein wichtiges Thema. Zudem haben wir dort angefangen, Küchenarmaturen herzustellen, die wir mittlerweile auch in Europa vertreiben. Weltweit wird unser Umsatz zu einem Drittel durch neue Produkte generiert. In Deutschland haben wir zuletzt 4 Prozent Wachstum gehabt. Neben Asien ist auch der Heimatmarkt ein wachsender Markt für uns.

Wieviel Geld muss man in die Hand nehmen, um ein wirklich großartiges Badezimmer auszustatten?

Im Luxusbereich können Sie schon gut 50.000 Euro ausgeben, mit freistehender Badewanne und vielen Extras, aber nach oben hin ist alles offen. Eine Waschtischarmatur unserer Luxusmarke Axor etwa fängt bei 300 Euro an, kann aber bis über 1000 Euro gehen. Unser Flaggschiff unter den Duschen ist der 1,20 Meter breite Showerheaven 1200, den es auch mit Lichtszenarien gibt - allein dafür sind Sie schon mit 8000 bis 10.000 Euro dabei.

Ihr bester Tipp für die Badplanung?

Schauen Sie nach einem guten Planer und helfen Sie ihm mit klaren Vorgaben. Sie müssen wissen, was für Sie wichtig ist: ein Familienbad, ein privater Rückzugsraum - oder doch eher etwas Funktionelles.

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