Montag, 17. Februar 2020

Die Gold-Gewinner des German Design Award Mein Tag im Design-Paradies

Die folgende Geschichte stammt aus der Ausgabe 11/2017 des manager magazins, die Ende Oktober erschien. Wir veröffentlichen sie hier als Kostprobe unseres Journalismus' "Wirtschaft aus erster Hand". Damit Sie künftig früher bestmöglich informiert sind, empfehlen wir ein Heft-Abo.

Lebt man besser, wenn man sich mit gut aussehenden Dingen umgibt, technisch auf dem neuesten Stand und mit versteckten Tricks? Ein 24-Stunden-Selbstversuch.

Passt dieser Dübel in mein Leben? Wie bossy darf in dieser Saison mein Schreibtisch aussehen? Und was verrät meine Nachttischlampe über meinen Charakter? Nie waren die Beziehungen des Menschen zu seinen Produkten so kompliziert wie heute. Trends und Gegentrends rangeln miteinander, neue technische Möglichkeiten müssen sich zusammenraufen mit anspruchsvollen gestalterischen Ideen.

Als geschmackliche Leitplanke zeichnet der Rat für Formgebung bei seinen German Design Awards - dem wichtigsten Preis der Branche - jedes Jahr Produkte aus, die besonders innovationsfreudig, nachhaltig oder, auch das ist ja ein Wert, schlicht schön sind. So breit gespannt ist dabei das Produktfeld, dass man die 43 Gold-Auszeichnungen wie einen Katalog für ein moderneres, multi-funktionaleres Leben lesen kann, eine Ausstattungsliste für einen ästhetisch ambitionierteren Alltag.

Der beginnt mit dem ersten, leicht schlafverhangenen Blick auf das Handy. Kurz Nachrichten und Mails checken - und dann zum richtig Wachwerden eine kleine Runde daddeln. Statt des auf rätselhafte Weise befriedigenden, aber eben auch brüllend hässlichen Suchtspielchens Candy Crush gibt es jetzt colorwiz, eine smarte Farbmisch-Challenge, bei der man einen vorgegebenen Ton aus einer begrenzten Farbpalette exakt reproduzieren muss. Zum Beispiel das schlierige Gelb des perfekten Avocadofruchtfleischs. Designt wurde colorwiz von pushh, der Hamburger "Agentur für digitale Konsumwelten", die Geld verdient, sobald der ungeübte Farbpanscher die Geduld verliert: Die App gibt dann kleine, kostenpflichtige Tipps zur Farbdosierung.

Das Geld ist gut angelegt: Man tippt nicht stumpf auf kreischgrüne Diamantenreihen, sondern schult subtil sein Farbgefühl. Bis man beim besten Willen nicht mehr liegen bleiben kann und zum Bäcker radelt, um das Frühstück einzukaufen, dazu noch ein Kilo Saftorangen und ein Glas Bioquittengelee.

Das alles will natürlich stylisch verwahrt sein, nicht im Jutebeutel. Mit dem kann man sich über 25, ohne Hipsterleggins nirgends mehr sehen lassen. Lappige Papiertüten sind auch von gestern. Wer schicker shoppen will, kauft an der Kasse einen Paper John: So heißt die Tasche aus recyceltem, stabilen Kraftpapier, die das Hamburger Designunternehmen Ogata konzipiert hat. Sie ist auch als Rucksack über der Schulter tragbar. Praktisch auf dem Rad, nachhaltig, billig produzierbar und leicht zu branden, gleichzeitig rustikal und minimalistisch-großstädtisch.

© manager magazin 11/2017
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