Kunst im Bau Inside EZB - mit diesen Graffities schmückt sich die Zentralbank

Von Arne Gottschalck

Vor gut einem halben Jahr öffnete die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Pforten für Besucher - Glas, Chrom und Beton, so wie jeder anderen Großbank auch. Doch inzwischen gibt es etwas, was nur die EZB hat. Es sind keine großen Ölgemälde an der Wand, wie es in den Traditionsbanken oftmals der Fall ist. Es ist kein modernistisches Londoner Taxi in Originalgröße, wie es bei M&G im Foyer steht. Und es ist auch keine pulsierende Lichtinstallation, wie sie den Eingang des Fondshauses Schroders in London ziert.

Nein, es sind oftmals kleine Zeichnungen an der Wand, nicht unähnlich den schnellen Kritzeleien in Universitätstoiletten. Doch im Fall der EZB, soviel darf verraten werden, stammen die Malereien mit schwarzem Strich nicht vom unbekannten Urinierer, sondern vom bulgarischen Künstler Nedko Solakow, wie "Bloomberg" berichtet. 

Der Künstler ...

Foto: REUTERS

Seine Handschrift ist dabei ganz deutlich - im wahrsten Sinne des Wortes. Denn Solakow kommentiert seine Zeichnungen mit lakonischen Worten.

Nicht erst für die EZB, sondern bereits für die 52. Biennale von Venedig. Und die liegt mit dem Jahr 2007 schon einige Jahre zurück. Mit seiner Arbeit "Top Secret" zum Beispiel schildert auf Karteikarten sein Leben und seine Mitarbeit beim bulgarischen Geheimdienst. Die Mischung aus Können und Komik hat seine Werke schon auf einige Ausstellungen geführt.

... und seine Werke

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"A small financial shark", "ein kleiner Finanzhai" steht zum Beispiel unter den Umrissen einer Rückenflosse, die schwarze Wellen ins Wasser schneidet. Offenbar mit einem Textmarker geschrieben.

Oder, wie in diesem Bild, ein kleiner handgemalter Pfeil, der auf eine Tür weist. "Nicht so viele Finanzgeheimnisse hinter dieser Tür", steht daneben.

... sind ständig gefährdet

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Die Arbeiten von Solakow sind dabei ständig gefährdet, von übereifrigem Reinigungspersonal entfernt zu werden. Derzeit sind - noch - 80 Zeichnungen zu finden, vom Erdgeschoss bis zum 38. Stock, wo Mario Draghi und seine Präsidiumsmitglieder residieren.

EZB zur Sinnsuche anhalten?

Foto: ECB / Robert Metsch

Die EZB will damit ihre Mitarbeiter daran erinnern, wo sie sind. Oder auch zum Nachdenken anregen. Auf rohem Mauerwerk zum Beispiel steht geschrieben, an dieser Stelle solle eines Tages ein Meisterwerk hängen - wenn die EZB alle ihre Ziele für die Europäische Union erfüllt habe.

Wann mag das sein? Solakow selbst sagt es so: "Ich habe das alles nur gemalt, als ich kam und durch das Gebäude lief."

Und was macht der Hausherr?

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Ob EZB-Chef Mario Draghi daran Gefallen findet? "Bloomberg" weiß davon zumindest nichts zu berichten. Immerhin hat er auf der Willkommenstour für Gäste im vergangenen Oktober erklärt, die Kunst "erinnere daran, dass Werte nicht nur monetär" seien.

Wie wahr. Allerdings hat Geld die Werke bezahlt. In der Summe waren es 1,25 Millionen Euro. Dafür bekam die EZB immerhin 320 Objekte. 80 davon stammen von Solakow.

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