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Gründerduo: Phillip Böndel (l.) ist CEO, Tobias Kargoll Chief Cultural Officer der Agentur The Ambition
Gründerduo: Phillip Böndel (l.) ist CEO, Tobias Kargoll Chief Cultural Officer der Agentur The Ambition
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Patrick Styrnol

Buchtipp "Erfolgsformel Hip-Hop" Follow the Money – das Geschäft mit dem Hip-Hop

Hip-Hop ist weit mehr als Musik, zwischen Kapitalismus und Kredibilität eröffnet sich eine eigene Ökonomie. Die Szenekenner und Agenturgründer Phillip Böndel und Tobias Kargoll erklären das große Geschäft in und mit ihrer Subkultur.
Von Christian Schütte aus manager magazin 12/2021

Kulturelle Macht heißt: Definitionsgewalt über das Angesagtsein. Die derzeit wohl mächtigste Subkultur ist die Hip-Hop-Welt um Rap, Breakdance, Graffiti, Street-Fashion. Phillip Böndel und Tobias Kargoll wollen daraus ein noch größeres Geschäft machen: Die Gründer der Agentur The Ambition meinen die Formel gefunden zu haben, etablierte Unternehmen und Street-Kultur zu verbinden.

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Böndel, Phillip, Kargoll, Tobias

Erfolgsformel Hip-Hop: Ambition und Underdog-Mindset als Businessfaktor, plus E-Book inside (ePub, mobi oder pdf)

Verlag: Campus Verlag
Seitenzahl: 330
Für 29,95 € kaufen
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Was die Sache erleichtert: Kapitalismus und Hip-Hop teilen ein paar wichtige Kennzeichen: Unbändiger Ehrgeiz, Wettbewerb und demonstrativer (Luxus-)Konsum prägten Hip-Hop von Anfang an. Mit einfachsten Mitteln "hacken" Underdogs die Aufmerksamkeitsökonomie: Wer sich Statussymbole nicht kaufen kann, kreiert seine eigenen – und hebelt sich eben damit ins Set der Gefeierten. Selbstermächtigung durch Machen ist das Prinzip. Herkunft spielt keine Rolle. Respekt muss sich jeder erst verdienen.

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Nach Umfragen hören fast 20 Millionen Menschen in Deutschland gelegentlich Rap-Musik. Für die Jüngeren ist die Kultur zentral: Zwei Drittel der 20- bis 30-Jährigen hören regelmäßig Rap. Unter den Post-Millennials, also den etwa 15- bis 25-jährigen, ist Hip-Hop oder "Street" laut Marktforschern der dominierende "Style". Die oft auch als "Generation Greta" etikettierte Altersgruppe entspricht insofern keineswegs dem tradierten Ökoklischee.

Politisch verbinden sich in der Hip-Hop-Kultur radikal linke und liberale Werte. Die Vision von einer grenzen-, rassen- und klassenlosen Gesellschaft, die offen für alle ist und sich innerhalb des eigenen Kollektivs unbedingt solidarisch verhält, verschmilzt mit Leitbildern wie kreativem Individualismus, Eigensinnigkeit, Aufstiegswillen und Spaß am Konsum. Dazu passt ein Ergebnis der Bundestagswahl, das viele Politikbeobachter verblüfft hat: Bei den Erst- und Jungwählern lag die FDP – gemeinsam mit den Grünen – ganz vorn.

Auch in die Chefbüros zieht die einstige Straßenkultur allmählich ein: Junge Spitzenpolitiker wie der künftige SPD-Parteichef Lars Klingbeil (43) oder Baden-Württembergs neuer Finanzminister Danyal Bayaz (38, Grüne) sind bekennende Hip-Hop-Fans.

Der Transfer in die Wirtschaft ist trotzdem heikel. Manager fürchten den Gangsterkult, Kreative den Verkauf der Seele. Mit Kultur zu arbeiten heiße, "die Codes voll zu verstehen", betonen die Autoren. Das Buch inszeniert auch ihre "Kredibilität": Manches wird zum Feuerwerk des Namedroppings, der Unkundige verliert den Überblick. Ein Register, das dringend nötig wäre, fehlt.

Bislang lieferten die Beziehungsspiele zwischen Subkultur und Brands ganz unterschiedliche Ergebnisse. Einige wurden Legende, wie die Story von Run-DMC und Adidas. Andere endeten im Eklat oder mit wilden Aktiendeals der Rapper. Das Potenzial scheint noch lange nicht ausgereizt.

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