Samstag, 24. August 2019

Mode pflegen statt immer mehr konsumieren Behandeln Sie Textilien wie Freunde!

Gute Pflege ist unerlässlich - und zu häufiges Waschen oder Reinigen so unnötig wie schädlich
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Gute Pflege ist unerlässlich - und zu häufiges Waschen oder Reinigen so unnötig wie schädlich

Heute ist der Earth Overshoot Day: Der "Erdüberlastungstag" ist das Datum, an dem laut Berechnung des Global Footprint Network die Nachfrage nach Rohstoffen die Kapazität unseres Planeten zu deren Reproduktion übersteigt. Grund genug, auch einmal in Sachen Mode genauer hinzuschauen.

Das Gespräch über Nachhaltigkeit ist fast genauso beliebt geworden wie die Gesundheits-Sandale zum Sommerkleid: Beides boomt. Nur mit der Umsetzung ist das so eine Sache. Der Ruf, nachhaltig zu produzieren, zu handeln und zu konsumieren wird immer wieder an Beispielen der Textilwirtschaft festgemacht - und gehört doch in viel mehr Bereiche unseres Alltags. Zu viele Produkte werden bis heute gezielt mit Sollbruchstellen ausgestattet … und immer öfter mit grün gelabelten Materialien gerechtfertigt. Mit solchen Waren kaufen wir uns dann ein reines Gewissen, waschen unsere Hände in Unschuld - und konsumieren fleißig weiter.

Katharina Starlay
  • Copyright: Wala Heilmittel / Stephanie Schweigert
    Wala Heilmittel / Stephanie Schweigert
    Katharina Starlay ist Modedesignerin, Imageberaterin und Mitglied im Deutschen Knigge-Rat. In Vorträgen, Seminaren und individuellen Beratungen coacht sie rund um Kleiderstil und Businessknigge. Seit 2002 berät sie auch Unternehmen für deren Außenauftritt und entwickelt Stil-Leitfäden sowie Firmenkleidung. Sie schreibt Bücher (zuletzt als Hörbuch erschienen: Der Stilcoach für Männer) und publiziert über Stilthemen: Starlay.de.

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Nur das Thema an sich, "des Pudels Kern" ist damit noch nicht angesprochen: Das Maß des Konsums. Siegel und Zertifizierungen sind zwar wichtig, um dem Verbraucher Orientierung zu geben - sie wälzen die Verantwortung aber letztlich auf die Produktionen ab und motivieren nur bedingt dazu, den eigenen Konsum nicht nur qualitativ, sondern auch quantitativ infrage zu stellen. Und sie geben den Herstellern perfekte Argumente an die Hand, um immer wieder neu zu verkaufen. Nachhaltigkeit darf aber nicht zum Selbstzweck werden.

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hat zum Beispiel "Ein T-Shirt auf Reisen" herausgegeben, eine Broschüre, welche Kindern die Entstehung von Textilien von der Rohware bis zum fertigen Produkt erklärt. Auch ein paar Upcycling-Ideen finden sich dort, die illustrieren, wie man Schrankhütern ein zweites Leben geben kann. Aber auch hier wird das zugrunde liegende Thema nicht angesprochen: Das Maß des Konsums.

Öko-Tex, Bluesign und der Grüne Knopf sind Meilensteine - wir dürfen aber ruhig noch mehr dahin kommen, unseren Konsum im eigenen täglichen Umgang zu reflektieren. Gerade in der Mode. Und manchmal geht es einfach nur darum, wie man Wäsche wäscht … Höchste Zeit also, mal wieder ein paar großmütterliche Weisheiten aus der Staubecke zu holen.

Und wenn die Waren nicht frühzeitig an ihrer Sollbruchstelle kaputt gegangen sind, haben wir Konsumenten ja auch wieder mehr Budget zur Verfügung, um es in Qualität zu investieren.

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