Mittwoch, 20. November 2019

Möbelklassiker Art déco für immer

Art Déco: Weltberühmte Klassiker
TMN

Design verändert sich. Aber viele Möbel aus früheren Zeiten und Epochen sind heute nach wie vor gefragt. Häufig hat man unwissentlich sogar einen Klassiker oder eine Nachbildung zu Hause. Der Schlager des Art déco ist die achteckige Espressokanne für den Herd.

Hamburg/Leipzig - Nach dem Ersten Weltkrieg haben sich die Menschen nach ein wenig Luxus gesehnt. Die Prunk gewohnten Reichen wollten die Veränderungen der Zeit nicht erkennen. "Art déco war der Stil einer internationalen Elite, die die großen sozialen Umbrüche jener Zeit negierte", sagt Sabine Schulze, Direktorin des Hamburger Museums für Kunst und Gewerbe. "Eine reiche Schicht, die auf Luxusdampfern und mit Flugzeugen reiste, umgab sich mit geradlinigen Gegenständen, die nichts Florales, nichts Fließendes hatten, sondern sich am Klassizismus und an der Antike orientierten."

Eine Abkürzung hat sich als Bezeichnung für die Epoche der Designgeschichte durchgesetzt, deren Hochzeit in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts lag: Art déco leitet sich ab von arts décoratifs, was so viel bedeutet wie "verzierende Künste".

Es waren eher strenge Formen, die die Möbel dieses Stils auszeichneten. Aber tatsächlich gibt es nicht das eine Merkmal für das Design, was eine Definition oder Zuordnung oft erschwert. Olaf Thormann, stellvertretender Direktor des Grassi Museum für Angewandte Kunst in Leipzig, nennt elegante, abstrahierte Formen, die Freude am fantasievollen Dekor und an leuchtenden Farben als Charakteristika.

Das zeigen auch die verwendeten kostbaren Materialien mit mondäner Wirkung. Art déco bediente etwa mit Elfenbein, Rochenhaut, Bronze und Kristall den Geschmack einer zahlungskräftigen Oberschicht. Die ersten industriell produzierten Kunststoffe wie Bakelit machten es möglich, Produkten der Elektrifizierung wie Telefonen und Radios eine ansprechende Hülle zu geben.

Klassiker von Ruhlmann und Gray

Die Formgebung des Art déco erstreckte sich von Möbeln über Fahrzeuge, Mode, Architektur, Bildhauerei, Malerei und Grafik bis zu Artikeln des täglichen Gebrauchs. Und das macht Art déco bis heute so beliebt. Ein Objekt, das in fast jedem italienischen Haushalt vertreten ist, ist die achteckige Espressokanne von Bialetti.

Das Zentrum des Stils war Paris. Dort fand 1925 die Ausstellung "Exposition internationale des arts décoratifs et industriels modernes" statt. Sie gab dem Design seinen Titel. Einer der großen Namen ist Jacques-Émile Ruhlmann (1879-1933), dessen Möbel von erlesener Qualität waren. Es waren Modelle, für die nur die seltensten Materialien zum Einsatz kamen: Palisander, Amboyna, Amaranth, Makassar-Ebenholz und kubanischer Mahagoni. Die Einlegearbeiten wurden in Elfenbein, Schildpatt oder Horn ausgeführt.

Ruhlmanns hochwertige Möbel waren nur für die oberen Zehntausend erschwinglich. Er rechtfertigte das damit, dass sich ein zeitgenössischer Einrichtungsstil nur entwickeln könne, wenn die Reichen dies unterstützten - ähnlich wie früher am Hof des Königs.

Seine aufwendigen Schränke, Kommoden und Stühle werden heute nicht mehr hergestellt. Anders ist dies mit den Entwürfen von Eileen Gray (1878-1976). Sie waren ihrer Zeit zum Teil so weit voraus, dass sie noch immer ausgesprochen aktuell wirken. Bekannt ist heute vor allem ihr Ledersessel "Bibendum", dessen wulstiges Volumen auf die Form des Michelin-Reifenmännchens anspielt.

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