Mittwoch, 1. April 2020

Business-Outfit-Psychologie Kompetenzfaktor Kapuzenpulli

Krawattenlose Kompetenz: HTC-Chef Peter Chou, Facebook-Chef Mark Zuckerberg und AT&T-Mobility-Chef Ralph De La Vega (v.l.n.r.)

Dass im Silicon Valley Kapuzenpulli statt Anzug angesagt ist, ist nichts Neues. Dass Leuten, die aus gewohnten Kleidungsmustern ausbrechen, auch in "Old Europe" oft mehr zugetraut wird, allerdings schon.

Hamburg/New York - Mit Jogginghose und Basecap in einen Luxusladen gehen - so mancher würde fürchten, in so einem Outfit von den Verkäufern ignoriert zu werden. Schlicht, weil ihm nicht die nötigen Mittel zugetraut werden, um als potenzieller Käufer in Frage zu kommen.

Weit gefehlt, wie ein aktuelle Harvard-Studie nun zeigt, über die jetzt das "Wall Street Journal" berichtete. Zwar hielten die Passanten Kunden mit legerer Kleidung für deutlich finanzschwächer. Die Verkäufer hingegen trauten einem Kunden in Jogginghose eher einen Kauf zu als jemandem im Pelzmantel.

Und auch was die Kompetenz angeht, kann sich non-konformes Verhalten durchaus lohnen, erläutert Harvard-Doktorandin Silvia Bellezza, die die Studie zusammen mit zwei Harvard Professoren konzipierte, für die an verschiedenen Untersuchungsorten - auch in Europa - mehrere hundert Teilnehmer befragt wurden.

So schrieben Studenten einem Professor, der mit Bart und in T-Shirt auftrat, mehr Kompetenz zu als einem sauber rasierten Krawattenträger. Auch Teilnehmern, die bei der Businessplan-Demonstration einen eigenen Hintergrund für ihre Powerpoint-Präsentation kreierten, wurde mehr zugetraut als denjenigen, die nicht vom Standard abwichen.

Allerdings muss dass abweichende Verhalten offenbar beabsichtigt erscheinen, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Trug jemand bei einem formellen Event eine rote Fliege statt wie alle anderen schwarze Krawatten, waren die Reaktionen darauf nicht so positiv - oder nur dann, wenn die Abweichung beabsichtigt schien.

Selbstbewusstes Auftreten ist entscheidend

Und es muss Anhaltspunkte für Talent oder Reichtum geben, um positive Resonanz zu erzeugen - beispielsweise durch selbstbewusstes Auftreten. Zudem scheinen Menschen, die selbst einen Drang zur Nonkonformität verspüren, entsprechendem Verhalten aufgeschlossener gegenüber zu stehen und dieses besser zu bewerten, berichteten die Wissenschaftler.

Konformität bringe Einfachheit und Sicherheit mit sich, kommentierte die Studienverantwortliche Silvia Bellezza die Ergebnisse. "Weicht man ab, bringt das Chancen mit sich." Allerdings gingen damit auch die Vorteile verloren, die Konformität so mit sich bringe, wie automatisches Gruppenvertrauen oder eine gemeinsame Gruppenidentität

Auf längere Sicht kommt es nach Ansicht des Kommunikationsprofessors Marshall Scott Poole von der Universität von Illinois bei der Statusbewertung ohnehin weniger auf Äußerlichkeiten denn auf Auftreten an. Sein Tipp für bestmögliche Außenwirkung: Nicht viel reden. "Dann nehmen die Leute an, dass man kompetent ist und wenn man spricht, hören sie zu."

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