Partner, Freundin oder Fashion-Ikone? Wem vertraue ich beim Anzugkauf?

Von Katharina Starlay
Wer kann mir am besten sagen, ob das gut aussieht? Beim Einkaufen braucht man Hilfe - nur: Welche?

Wer kann mir am besten sagen, ob das gut aussieht? Beim Einkaufen braucht man Hilfe - nur: Welche?

Foto: Eduard Dressler
Katharina Starlay
Foto: Antje Kern

Katharina Starlay ist Modedesignerin, Imageberaterin und Mitglied im Deutschen Knigge-Rat. In Vorträgen, Seminaren und individuellen Beratungen coacht sie rund um Kleiderstil und Businessknigge. Seit 2002 berät sie auch Unternehmen für deren Außenauftritt und entwickelt Stil-Leitfäden sowie Firmenkleidung. Sie schreibt Bücher (zuletzt erschienen: Erfolgreich über 50: Stilvoll älter werden  ) und publiziert über Stilthemen: Starlay.de .

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Shopping in Begleitung wird nicht selten zum Beziehungstest. Denn es stellt nicht nur eine glückliche Partnerschaft, sondern auch jede Busenfreundschaft oder professionelle Beratung auf den Prüfstand.

Dabei geht es zunächst noch nicht um das Ergebnis in Form eines unwiderstehlichen Looks, sondern viel mehr um die Intention, die den Ratschlägen voraus geht. Und die sollten wir ruhig hinterfragen: Hat die oder der Liebste tatsächlich meine charismatische Anziehungskraft zum Ziel? Sie könnte für sie oder ihn selbst ja auch gefährlich werden.

Hat die Fashion-verliebte Freundin wirklich genug Abstand zu sich selbst, um mich nicht zu ihrer Kopie machen zu wollen? Das verlangt schon ein bisschen Reflektion. Ist der Verkäufer echt unabhängig vom Provisions- oder Umsatzgedanken und berät mich ehrlich, fachlich und zu meinem besten? Da ist Charakter gefragt.

Und mit diesen von Argwohn schwangeren Fragen ist es ja noch nicht genug: Hat meine erwählte Begleitung auch die Kompetenz, mich so zu beraten, dass ich hinterher nicht nur klasse aussehe, sondern noch Ich-selbst bin? Gut angezogen statt verkleidet?

Natürlich gibt es Menschen mit einem sagenumwobenen Gespür für alles, was Mode ist. Ein Grundwissen aber um Linien, Formen und Farben, Proportionen, Muster und Stoffe sollte ebenfalls Voraussetzung sein. Womit wir bei einer simplen, aber funktionierenden Testfrage wären: Warum? "Warum findest Du, mein Berater, gerade diese Farbe/ Schnittführung oder dieses Material an mir toll?" Wer darauf keine Antwort hat, ist eher im Sagenumwobenen unterwegs.

Die beste Versicherung ist daher, sich selbst mit dem persönlichen Stil zu befassen und zu wissen, was einem steht - und warum. Ob Frau, Freundin oder rechte Hand, ob der Friseur als bester Freund oder die Jugendliebe: Wem ich darüber hinaus beim Kleiderkauf trauen darf, entscheidet nicht zuletzt das offene Gespräch - damit Sie einander auch nach dem Shopping noch vertrauen können.

Aber wer ist der beste Ratgeber für Sie?

Die Lebenspartnerin oder der Lebenspartner?

Glamour-Paar: George und Amal Clooney sind immer gut angezogen

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Foto: Kiyoshi Ota/ dpa

Jeder emotional gebundene Lebenspartner darf sich selbst hinterfragen, wie viel Interesse er oder sie tatsächlich hat, den geliebten Menschen für andere attraktiv zu machen. Es verlangt Mut und Vertrauen in die Beziehung, sie oder ihn hemmungslos gut aussehen zu lassen und damit zum beruflichen, persönlichen und sozialen Erfolg des anderen beizutragen - ohne Verlustängste.

Doch niemand will wirklich dem eigenen Partner so viel Sexiness beibringen, dass dieser - symbolisch betrachtet - am Ende des Tages "nicht mehr heimkehrt". Und doch will man stolz auf den Partner sein …

Es ist ein bisschen wie bei der Wahl eines Lokals: Niemand will sich in ein leeres Restaurant setzen - den Tisch im gefüllten Laden will man aber nur mit dem oder der Liebsten alleine teilen.

Die Beratung unter Liebespartnern setzt daher wie nichts anderes eine wertschätzende und ehrliche Kommunikation voraus … und zwar bevor die Eifersucht zu nagen beginnt.

Der beste Freund oder die beste Freundin?

Ex-US-Präsident Barack Obama mit US-Vizepräsident Joe Biden - den beiden Politikern wird in etlichen Internet-Memes eine innige "Bromance" nachgesagt

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Foto: Susan Walsh/ dpa

Wohlwollen vorausgesetzt, halten einem Kumpel und Kollegen den Spiegel vor, manchmal auch etwas unverblümt. Spannend wird es, wenn der Berater ein anderes Lebensalter hat als man selbst - dann prallen nämlich außer stilistischen Fragen auch noch verschiedene Sichtweisen von Generationen aufeinander.

Nur wer älter ist, hat die gelebte Erfahrung, einen glaubwürdig auf die Vergänglichkeit der eigenen Jugend aufmerksam zu machen, etwa mit Bemerkungen wie "Du wirst Dich eines Tages noch zurücksehnen nach heutigen Tagen, in denen Dein Körper so aussieht wie jetzt. Also zeig Deinen Body …" ist dabei noch eine der nettesten Bemerkungen.

Gerade bei Frauen untereinander wird die Motivation stilistischer Tipps aber manchmal infrage gestellt. Hilfreich ist die Erkenntnis, dass Kontrast betont. Die eigene Persönlichkeit kommt doch viel besser zur Geltung, wenn die Begleitung ein ganz anderer Typ ist, mit einem eigenen Style.

Der Personal Shopper oder Verkäufer?

Chefarztbehandlung: Bei Schauspielerin Jane Russell legte Christian Dior 1954 persönlich Hand an

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Foto: A0009 dpa INP/ dpa

Im Idealfall ist beim ersten eine persönliche Beratung voraus gegangen, die wirklich fundiert ist. Bei freien Beratern in nicht-geschützten Berufen lohnt es sich, den Lebenslauf zu erfragen. Aber natürlich spielen auch Sympathie und softe Faktoren wie gutes Zuhören, Erklären und eine unendliche Geduld bei der Einkaufsbegleitung eine Rolle. Fragen Sie ruhig, ob mit dem Einkauf in bestimmten Shops eine Provision verbunden ist, die über das Honorar, das Sie selbst zahlen, hinausgeht.

In einem Modehaus etwa, das eigene Personal Shopper beschäftigt, ist die Sachlage von Anfang an geklärt und beugt Missverständnissen vor. Genauso verhält es sich mit einem Verkäufer oder einer Verkäuferin in einem Laden. Und auch hier kann die gelegentliche Testfrage nicht schaden.

Die telefonische oder Online-Stilberatung?

Kleiderpaket: Der Online-Stilberater sucht die Sachen aus, der Addressat packt sie aus

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Foto: manager magazin online

Mehrheitlich sind es Männer mit einer geringen Neigung, der persönlichen Stilfrage Zeit zu widmen, die sich der bestechenden Idee der Outfit-Portale zuwenden. Die Verantwortung für den eigenen Stil lässt sich aber nicht im Callcenter abliefern und bleibt Chefsache - auch bei Zeitmangel.

Die Voraussetzung für die Qualität der Beratung ist online nicht gegeben, denn es sind neben sichtbaren Gegebenheiten auch Faktoren wie die persönliche Ausstrahlung oder die richtige Karriere-Strategie in Kleiderfragen, welche die Auswahl beeinflussen. Fragebögen und Interviews, welche nur die stilistische Vergangenheit abfragen, tun noch lange nichts für das Aussehen und die Karriereziele, die in der (näheren) Zukunft angestrebt werden.

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