Business-Knigge So vernetzen Sie sich richtig

Von Katharina Starlay
Networking: Leute miteinander zu verbinden ist eine Kunst

Networking: Leute miteinander zu verbinden ist eine Kunst

Foto: Corbis

Unter der Flagge des Networkings entstehen manchmal Situationen, die einen leicht aus der Fassung bringen können. Nach dem Erscheinen dieser Kolumne , in der es unter anderem um den feinfühligen Umgang mit gewohnheitsmäßigen Telefonaten aus dem Auto ging, bekam ich einen denkwürdigen Anruf: Ein Kontakt aus dem erweiterten Netzwerk, rief abends aus dem fahrenden Auto an und begehrte - ohne zu fragen, ob der Anruf gerade gelegen käme - unumwunden und mit Hinweis auf die hohe Leserquote, dass ich ihm einen Kontakt zur Redaktion des manager magazins herstellen solle.

Katharina Starlay
Foto: Antje Kern

Katharina Starlay ist Modedesignerin, Imageberaterin und Mitglied im Deutschen Knigge-Rat. In Vorträgen, Seminaren und individuellen Beratungen coacht sie rund um Kleiderstil und Businessknigge. Seit 2002 berät sie auch Unternehmen für deren Außenauftritt und entwickelt Stil-Leitfäden sowie Firmenkleidung. Sie schreibt Bücher (zuletzt erschienen: Erfolgreich über 50: Stilvoll älter werden  ) und publiziert über Stilthemen: Starlay.de .

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Solche Freunde wünscht sich vermutlich niemand. Der Kollege hatte den Text, auf den er sich bezog, nicht einmal gelesen. Aus dieser Begebenheit lässt sich aber so einiges über sinnvolle Verknüpfungen herleiten.

Wer Menschen verbinden möchte, gibt mit seiner Vorgehensweise ja auch manches über sich selbst preis. Das wird im Eifer der Vernetzung manchmal vergessen. Personen zusammen zu bringen, die einander auch etwas zu sagen haben, ist ein schöner Beweis von Menschenkenntnis. Nicht umsonst gehört dieses Gespür zur Königsdisziplin eines exzellenten Gastgebers, und als solcher darf man sich in der Vermittler-Rolle auch ruhig verstehen.

Angenehmes Verknüpfen funktioniert überdies nur mit einer gewissen Verbindlichkeit und Beharrlichkeit, die unweigerlich mit Zeiteinsatz verbunden ist. Den locker daher gemailten Satz: "Ich glaube, Ihr habt Euch viel zu sagen. Hiermit vernetze ich Euch zwei miteinander - was Ihr daraus macht, ist Eure Sache" kann man sich in den meisten Fällen sparen, es wird daraus selten etwas entstehen. Auch bei dem freundlichen Hinweis "Ich habe Dich empfohlen" kann der Empfänger davon ausgehen, dass sich niemand melden wird, weil die Moderation fehlt.

Wie lässt sich "Qualität vor Quantität" beim Herstellen von sinnvollen Kontakten umsetzen? Und was macht einen guten Netzwerker eigentlich aus? Hier einige Anregungen:

Selbst-Check: Wer hat eigentlich welche Interessen?

Den Ruhm anderen überlassen: Vernetzung ist keine gute Bühne für Selbstinszenierung

Den Ruhm anderen überlassen: Vernetzung ist keine gute Bühne für Selbstinszenierung

Foto: Christian Charisius/ dpa

Möchte ich den Kontakt überhaupt herstellen oder fühle ich mich dazu verpflichtet? Und welches Interesse verfolge ich dabei? Wie würde ich damit umgehen, wenn sich die beiden untereinander besser verstehen als ich mich mit jedem einzelnen von ihnen? Die besten Vernetzungen können entstehen, wenn man selbst dabei angstfrei und selbstbewusst ist und den Vorteil der beiden Personen im Kopf hat. Denn Vernetzung ist keine gute Bühne für Selbstinszenierung.

Die Quelle: Vertrauen, wem Vertrauen gebührt

Wer empfiehlt wen? Es kommt, wie immer, auf die Quelle an

Wer empfiehlt wen? Es kommt, wie immer, auf die Quelle an

Foto: Corbis

Bei jeder Kontaktaufnahme ist die Quelle wirklich wichtig. Ein Kontakt, der von einer vertrauenswürdigen Person kommt, ist meistens auch selbst vertrauenswürdig.

Interesse zeigen: Nicht erst kommen, wenn der Erfolg schon da ist

Echtes Interesse toppt Opportunismus

Echtes Interesse toppt Opportunismus

Foto: Corbis

Ein guter Netzwerker pflegt einen weiten Horizont und interessiert sich für Menschen und deren Leidenschaften, bevor sie große Erfolge haben. So stellt er sicher, dass sein Interesse ehrlich beim anderen ankommt und gewinnt Vertrauen.

Übereinstimmungen klären: Es muss schon ein bisschen menscheln

Es muss nicht nur inhaltlich passen, sondern auch menschlich

Es muss nicht nur inhaltlich passen, sondern auch menschlich

Foto: Lehtikuva Jussi Nukari/ picture alliance / dpa

Außer den inhaltlichen und fachlichen Schnittstellen zweier Menschen sind immer auch ihre menschlichen relevant. So steigt die Chance auf Erfolg, wenn zwei auch in Sachen Verbindlichkeit, Zuverlässigkeit und Kommunikationsverhalten ähnlich gelagert sind.

Bereitschaft und Zeitpunkt klären: Wann passt es denn?

Klären Sie, wann Sie wen mit wem verbinden

Klären Sie, wann Sie wen mit wem verbinden

Foto: Corbis

Als Sinnstifter ruft man den einen am besten selbst an und avisiert den Anruf des anderen, wobei die Richtung der Kommunikation geklärt werden sollte. Einen Experten zu bitten, einen Berufsanfänger anzurufen, macht zum Beispiel wenig Sinn, denn auch die Kontaktaufnahme läuft nach subtilen Spielregeln empfundener Hierarchien.

Bei dieser Gelegenheit lässt sich auch noch einmal klären, was beide Beteiligten davon haben - warum also der Kontakt hergestellt wird und ob auch der Zeitpunkt willkommen ist.

Wertschätzender Aufhänger: Vorbereitung ist alles

Zum Stift greifen: Eine handschriftliche Notiz kommt immer gut an

Zum Stift greifen: Eine handschriftliche Notiz kommt immer gut an

Foto: Corbis

Um einen Kontakt zu bitten, ist an sich eine verständliche Sache - nur sollte der Wunsch auch die Achtung nicht vermissen lassen. Und auch in der Rolle des Vermittlers ist es geschickt, sich die Ansprache in einer ruhigen Minute zurecht zu legen.

Überdies macht es sich gut, wenn man den Namen des Adressaten in der schriftlichen Ansprache richtig schreibt - ein Punkt, der in flüchtiger Eile schnell schief gehen kann.

Nachhaken: Hat's denn geklappt?

Erfolgskontrolle: Erkundigen Sie sich ruhig, ob alles gut gelaufen ist

Erfolgskontrolle: Erkundigen Sie sich ruhig, ob alles gut gelaufen ist

Foto: Corbis

Falls Sie nach einer Weile keine Rückmeldung erhalten haben, verschaffen Sie sich ruhig selbst das Erfolgserlebnis nachzufragen, was aus der Vernetzung und ihrer guten Absicht geworden ist. Wenn Sie Ihren Job gut gemacht haben, werden Sie dankbare Rückmeldungen ernten - und Menschen, die Sie umgekehrt mit Vergnügen weiterempfehlen.

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