Sonntag, 18. August 2019

Business-Knigge Imagefalle Overload

Getty Images

So manches Persönlichkeitsbild ist schon an einer Überdosis dekorativer Elemente verstorben. Viele meinen, das sei früher gewesen, vor langer - sehr langer Zeit als sich betuchte Damen noch mit Schmuck behängten, um zu zeigen, was sie haben und welchen Kreisen sie angehörten: Der berühmte Christbaum-Effekt.

Wenn wir aber ehrlich mit uns selbst sind, ist er auch heute allgegenwärtig - der große Overload.

Nur schleicht er sich heute auf anderen Pfaden in unseren Alltag.

Die Digitalisierung bietet uns die einmalige Chance, nicht nur breit zu streuen, sondern insbesondere Empfänger zu erreichen, die sich wirklich für ein Angebot interessieren oder interessieren könnten. Das ist das denkbar beste Resultat (und die beste Ausrede) der Datensammlung, die mit Recht kritisch zu sehen ist.

Übertragen auf unser Stil-Thema bedeutet das:

Nicht nur was, sondern auch wie wir etwas tun, trifft eine Aussage und zieht Gesprächspartner und Ereignisse an, die dazu passen. Nur traut sich das heute niemand mehr so richtig, und um allen zu gefallen, passen sich viele einem vermuteten Trend an - auch die Stars der sozialen Medien. Denn einen Shitstorm riskieren, das will keiner.

Katharina Starlay
  • Copyright: Wala Heilmittel / Stephanie Schweigert
    Wala Heilmittel / Stephanie Schweigert
    Katharina Starlay ist Modedesignerin, Imageberaterin und Mitglied im Deutschen Knigge-Rat. In Vorträgen, Seminaren und individuellen Beratungen coacht sie rund um Kleiderstil und Businessknigge. Seit 2002 berät sie auch Unternehmen für deren Außenauftritt und entwickelt Stil-Leitfäden sowie Firmenkleidung. Sie schreibt Bücher (zuletzt als Hörbuch erschienen: Der Stilcoach für Männer) und publiziert über Stilthemen: Starlay.de.

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An vielen Stellen überwiegen daher die diffusen Botschaften, laute und allgemeingültige Rufe in die Wildnis des World Wide Web. In diesem Zuge traut sich kaum jemand, etwas weg zu lassen oder ein Meinungsbild nicht zu bedienen: Trend ist, wenn sich jeder individuell für das entscheidet, was gerade auch alle anderen machen.

Das aber ist der Feind jeder Profilierung, denn mit der zunehmenden Wucht der Bildfluten werden auch Persönlichkeitsbilder überlagert. "Too much" bringt nicht nur Fleißpunkte - es verwässert auch das Markenbild. Die seltene Kunst des Weglassens kann also gerade heute eine Botschaft sein, die verstanden wird. "Mit leichtem Gepäck" sollte nicht nur ein Konsumtrend werden, sondern auch einer, der unsere Aura klärt: Klarheit statt Vernebelung, das Richtige - statt viel.

Wo der Overload lauert, sehen wir nicht nur in Fashion & Beauty und nicht nur im Internet, sondern auch an diesen Beispielen unseres täglichen (Geschäfts-) Alltags. Heute blinkt die Styling-Fracht nicht mehr, das ist alles.

Aber nehmen Sie doch einmal allein die letzte Veranstaltung, die Sie privat oder beruflich besucht haben und reflektieren Sie deren Elemente:

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