Donnerstag, 27. Juni 2019

Ikeas Regal Billy, Stühle von Panton und Eames Wie Möbel zu Klassikern werden

Billy und seine Freunde: Berühmte Möbel und ihre Geschichte
Louis Schnakenburg/Panton Design, Basel/dpa-tmn

Ikeas Billy-Regal steht in Millionen Wohnzimmern. Der Klassiker ist jetzt 40 Jahre alt. Warum Billy so heißt und wie andere Möbel zu Klassikern wurden.

Billy kennt jeder. Aber warum heißt das allgegenwärtige Ikea-Regal so? Namenspate war Billy Liljedahl. Dessen Kollege Gillis Lundgren hat das heute weltberühmte Möbel 1979 für ihn entworfen, da sich Billy nach einem "richtigen" Bücherregal sehnte. Heute ist Billy, das Regal, 40 Jahre alt und wird circa 4,5 Millionen Mal pro Jahr im schwedischen Dorf Kättilstorp produziert. Dort leben nur 400 Einwohner - die meisten davon sind an der Herstellung des Regals beteiligt.

Mit der Zeit ist es so beliebt geworden, dass 1992 ein wahrer Shitstorm auf Ikea niederging, als es das Regal Billy abgeschafft hatte. "Sie haben uns beschimpft. Sie haben uns geschmeichelt. Sie haben uns bestochen. Sie haben es geschafft. Billy ist zurück", hieß es daraufhin in einer Anzeige von Ikea. Bereits in den 1980er Jahren gab es Proteste, als Ikea die Breite schmälerte, um die Böden nicht zu überladen. Auch diese Veränderungen wollten die Fans nicht. Ikea berichtet, dass in einer Stockholmer Filiale Kunden T-Shirts mit dem Aufdruck "Hände weg von unserem BILLY" trugen.

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Zu vielen berühmten Möbel gibt es solche Geschichten. Ihre Entstehung ist häufig auch ein Zeugnis der Zeit. Sie sind so häufig gekauft worden, weil es neue Möglichkeiten der Materialverwendung oder der Produktion gab.

Ein gutes Beispiel dafür aus dem 19. Jahrhundert - der Stuhl 214 der Firma Thonet. Allein bis 1930 wurde er im Original 50 Millionen mal verkauft - und natürlich unzählige Male kopiert. Auch heute kennt man den 214 noch gut - den typischen Kaffeehausstuhl mit schlichtem Gestell und einer Sitzfläche aus Flechtwerk. Er stand in hunderten Cafés und auch im Restaurant des Pariser Eiffelturms. Von dem soll einer Legende nach, die Thonet selbst weitergibt, 1889 einer dieser Stühle aus 57 Metern nach unten gestürzt und unbeschadet angekommen sein.

Der Stuhl 214 wurde 1859 von Tischlermeister Michael Thonet entworfen. Er schaffte es, mit Hilfe von Druck und Dampf, lange Holzstäbe elastisch zu machen - ein Grundstein für die serielle Massenproduktion und arbeitsteilige Fertigung. Bis heute wird der Stuhl auf die gleiche Weise produziert wie früher. Originale haben auf der Unterseite des Sitzes ein Zeichen - einen Brandstempel oder einen Frästeller des Unternehmens Thonet.

Das Möbel wurde auch "Drei-Gulden-Stuhl" genannt, da es sich viele Menschen leisten konnten. Der Stuhl besteht aus sechs Bauteilen, zehn Schrauben und zwei Muttern, und konnte zerlegt in einer Kiste von einem Kubikmeter weltweit verschickt werden - eine geniale Vertriebsidee zu seiner Entstehungszeit und Grundlage für seinen Erfolg. Die schlichte Form machte den 214 darüber hinaus zum gestalterischen Klassiker: Er passt fast überall hin, bis heute.

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