Donnerstag, 14. November 2019

Bauhaus-Möbel Garanten des guten Geschmacks

Bauhaus-Möbel: Die kurze Epoche der Klassiker
TMN

Bauhaus-Möbel sind so etwas wie ein kleinster gemeinsamer Nenner für Freunde gehobenen Designs: Jeder findet sie geschmackvoll, das Attribut zeitlos ist unumstritten. Wer sich einen Breuer-Sessel oder eine Corbusier-Liege hinstellt, gilt ganz sicher als Ästhet.

Berlin - Bauhaus ist ein Schlagwort, zu dem den meisten designinteressierten Menschen etwas einfällt. Gerade Linien, kubische Häuser, Schwarz-Weiß-Kontraste. Oder die mit Kuhfell bespannte Liege "LC 4" von Le Corbusier, Pierre Jeanneret und Charlotte Perriand, Stahlrohrstühle oder die Tischleuchte mit Glasschirm und -fuß von Karl J. Jucker und Wilhelm Wagenfeld. Viele Möbelklassiker, die noch heute gefragt sind, entstanden in dieser Epoche.

Dabei war die Zeitspanne, in der das Staatliche Bauhaus existierte, eher kurz. Von Weimar, Dessau und Berlin gingen zwischen 1919 und 1933 Impulse für die Moderne und den Funktionalismus aus, die bis heute stilprägend geblieben sind. Verglichen mit dem, was zwischen dem Ende des Ersten Weltkrieges und der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten an Mobiliar und Accessoires in deutschen Wohnzimmern stand, waren die Entwürfe radikal und bahnbrechend.

Aber es ging nicht nur um die Form an sich, es ging um Ambitionen von schon politischem Ausmaß: "Am Bauhaus war mehr als sonst der Geist zu spüren, mit dem Design einen neuen Menschen, eine neue Gesellschaft formen zu wollen", erklärt Philipp Oswalt, Direktor der Stiftung Bauhaus Dessau. "Es war das Streben nach Ganzheitlichkeit, ein umfassender Gestaltungsanspruch, bei dem die Gestaltung eines Objektes nicht auf sich bezogen war, sondern Teil eines übergeordneten Gedankens."

Was wir heute als Stilrichtung verstehen, war eigentlich eine Ausbildungsstätte: Walter Gropius gründete 1919 das Staatliche Bauhaus durch die Zusammenlegung einer Kunstakademie und einer Kunstgewerbeschule. Es ging dem Architekten darum, verschiedene Disziplinen wie Bildhauerei, Malerei, Kunstgewerbe und Handwerk wieder miteinander zu vereinen.

Die Aufhebung der Unterscheidung von Kunst und Handwerk

Die gängige Unterscheidung von Künstler und Handwerker sollte aufgehoben werden. "Das Unterrichtskonzept, das die künstlerisch-ästhetische mit einer handwerklich-technischen Ausbildung verband, war im Vergleich zur Ausbildung an Kunstakademien der damaligen Zeit revolutionär", sagt Annemarie Jaeggi, Direktorin des Bauhaus Archiv Berlin.

Auf den eher handwerklichen Charakter zahlreicher Entwürfe in der Anfangszeit folgten unter László Moholy-Nagy ab 1923 die ersten industrietauglichen Ideen. Der Maler und Fotograf empfahl seinen Studenten, auf Materialien wie Holz oder Silber zu verzichten und stattdessen auf Stahlrohr, Sperrholz und Industrieglas zu setzen.

Nach dem Umzug nach Dessau im Jahr 1925 - das Bauhaus in Weimar musste auf politischen Druck hin aufgelöst werden - wurde erstmals eine Architekturabteilung eingerichtet und Marcel Breuer zum Leiter der Möbelwerkstatt ernannt. Dort entstanden dessen erste Stahlrohrstühle wie der berühmte "Wassily-Stuhl", der zunächst mit Stoff oder Eisengarngewebe bespannt wurde. Später kam Leder.

Zahlreiche Möbel aus der Dessauer Zeit gingen in die industrielle Fertigung - denn die Idee war ja, preiswerte Massenprodukte für die breite Bevölkerung zu schaffen. Dieses Konzept weitete Hannes Meyer, ab 1928 neuer Direktor, noch aus. Der intensiveren Zusammenarbeit mit der Industrie lag seine Devise "Volks- statt Luxusbedarf" zugrunde. Später wurde die Kunst immer weiter zurückgedrängt und ab 1930 der Schwerpunkt ganz auf die Architektur verlagert. Es folgte der Umzug nach Berlin 1932, bevor die Schule 1933 schließlich aufgelöst wurde.

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