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Baselworld 2016: Die Neuheiten im Überblick

Foto: Patek Philippe

Uhrenmesse in Basel Das sind die ersten Neuheiten

Von Michelle Mussler

Am 17. März beginnt die weltweit größte und wichtigste Messe für Luxusuhren und Schmuck: Die Baselworld, auf der etwa 1500 Marken aus 40 Ländern mit ihren Neuheiten prunken. Sie gilt momentan als Zünglein an der Bilanzwaage - ob die Branche tatsächlich in einer fundamentalen Krise steckt oder sie gerade nur ein leichtes Beben durchschüttelt.

Die Aussteller erzielen hier innerhalb von einer Woche die Aussteller bis zu zwei Drittel ihres Jahresumsatzes. Während andere Veranstaltungen, wie der vom Luxuskonzern Richemont veranstaltete Salon de la Haute Horlogerie (SIHH) in Genf, mit 29 Marken nur einen Bruchteil der Branche widerspiegeln, ist in Basel quasi die gesamte Luxusuhren- und Schmuckwelt vertreten.

Seitdem der Schweizer Franken vor 14 Monaten in die Höhe schoss, die chinesische Kauflaune gedämmt ist, der Rubel nicht mehr so rollt und die Smartwatches-Konkurrenz, muss sich die distinguierte Uhrenbranche immer mehr mit Luxusproblemen auseinandersetzen. Über Umsatzrückgänge von 30 Prozent und mehr war schon auf der SIHH im Januar die Rede. Die Rettungsaktionen der Hersteller reichen von Altbewährtem über Kampfpreise bis hin zu Marketing-Tricks.

Neue Deutsche Uhren-Welle

In einer Sparte jedoch läuft das Uhren-Business wie geschmiert: Made in Germany. Vor allem diejenigen, die nicht in der Highend-Liga der Nobelmanufakturen mitspielen, sondern im Mittelsegment unter 5000 Euro antreten. Zwar verwenden sie meist zugelieferte mechanische Werke aus der hochpreisigen Schweiz, können in Deutschland jedoch günstiger produzieren und häufig unabhängig kalkulieren, da sie keiner Konzernpolitik unterliegen.

Zudem haben die meisten Deutschen ihr altbackenes Spießerdesign abgestreift und sind nicht nur auf dem wirtschaftlich stabilen Heimatmarkt, sondern mit ihren sachlichen Retro-Modellen beim modernen Businessman und den Yuccis (Young Urban Creatives) international angesagt.

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Luxusuhren: Goldene Zeiten für Schnäppchenjäger

Foto: Michelle Mussler

So verkündet Junghans stolz ein Umsatzwachstum für 2015 von knapp 10 Prozent. Mit mehr als 17 Prozent trugen vor allem das Ausland, primär Großbritannien, die Niederlande und Spanien, dazu bei. Auch das Familienunternehmen Mühle Glashütte spricht von "einem sehr positiven Jahr", wuchs besonders international und investiert kräftig in seine Fertigungskapazitäten.

Ködermodelle zu Kampfpreisen

"Wir könnten mehr Uhren verkaufen als bauen", erklärt Nomos-CEO Uwe Ahrendt. Interessenten für die preisfairen Modelle mit eigenem Automatik-Manufakturkaliber und Swing-System mussten zur Weihnachtszeit mit der Bitte um ein paar Monate Geduld vertröstet werden. Solche Ansagen sind sonst eher bei Patek Philippe oder Rolex geläufig. Letztendlich steigerte die Glashütter Manufaktur 2015 ihren Jahresumsatz um sagenhafte 30 Prozent. Damit nicht genug: Nomos verdoppelt sich alle drei Jahre und gilt inzwischen als Deutschlands größter Hersteller mechanischer Uhren.

Hingegen bei den meisten Schweizer Kollegen stocken die Geschäfte. Also sind Ködermodelle zu Kampfpreisen ein probates Mittel um sie wieder anzukurbeln. Schon vor dem Basler Messestart wedelt Tag Heuer mit einem Leckerbissen: Ein Tourbillon mit Chronograph, die Tag Heuer Carrera Heuer-02T, kommt für 14.200 Euro auf den Markt.

Chronoswiss belebt seit den 80er Jahren Regulatoren wieder, setzt damit einen Trend und kommt dieses Jahr mit lässigen Varianten samt eigenem Kaliber sogar für unter 7000 Euro. Auch ein ansehnlicher Purist mit massivem Goldgehäuse, der knapp unter der 5000-Euro-Grenze liegt, wird von der Swatch Group Marke Hamilton vorgestellt. Sowieso ist der Uhren-Gigant auf der Messe omnipräsent vertreten. Geschickt locken hier seine Mittelsegment-Labels Mido, Tissot, Certina und Clavin Klein mit attraktiven Mechanikmodellen für unter 1000 Euro, die die meisten Stil-Trends verkörpern.

Fast alle Uhrmacher machen in Retro

Retro, Old School oder Vintage-Look - es wird fleißig aus den 40er, 50er bis hin zu den 70er Jahren zitiert. Und das von nahezu allen Uhrmachern. Graue, aber auch braune und beige Töne beherrschen die reduzierte Optik, die nur noch von unzähligen blauen Farbvarianten getoppt werden. Laute Shocking-Farben, die noch vor wenigen Jahren vertreten waren, sind nicht mehr opportun.

Die Branche agiert kleinlauter, auch bei den Gehäusegrößen und -höhen, und verrät so ihre Strategie: Bloß kein Risiko eingehen, sondern den globalen Mainstream-Geschmack bedienen, um die Produktionskapazitäten auszulasten. Also werden keine Trends mehr gesetzt, sondern es wird auf fahrende Züge aufgesprungen.

Boyfriend-Uhren für die Damen

Um die Gunst der Damen buhlt man schon seit vielen Jahren mit romantischen Motiven, Gravuren, Perlmutt oder blendet mit Blingbling. Quarz- und Mechanikmodelle halten sich inzwischen die Waage, so auch 2016.

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Uhren mit Wow-Faktor: Die exzessivsten Egoverstärker von der Baselworld 2015

Foto: PR / Breguet

Neu entdeckt werden jetzt Business Women, die sich nicht mit glitzerndem Diamantbesatz oder hysterischen Bonbon-Farben die Zeit ansagen lassen möchten. Viele mussten bisher häufig auf diskretere Herrenuhren mit Mechanik ausweichen. Androgyne Uhren sind ein neuer Trend. Bei Rolex und Nomos sind sie schon längst im Programm, jetzt tauchen sie eben auch bei Hermès, Junghans, Mido und sogar bei Hublot auf.

Testosteron-Verstärkung für Herren

Für Herren gibt es klassische Eleganz, zum Anzug tragbare Sport-Modelle oder militärische Details mit Testosteron-Verstärkung. Kombinationen in Bi-Color sind ebenso zu sehen wie Golduhren - und sei es auch nur mit günstigerer PVD-Beschichtung.

Nur vereinzelte Hersteller sorgen mit verrückten Spleens für Gesprächsstoff: Armin Strom kommt mit der Schnapsidee einer Cognac-Uhr, in deren Kaliber ein feiner Tropfen eingearbeitet ist. Omega zieht die Blicke auf sich, indem auf einer Mondphase sogar ein Astronauten-Fußabdruck zu erkennen sein soll. Hublot lanciert eine Neuauflage seiner Fußball-Uhren, die Halbzeiten und Spielverlängerungen misst.

Und Meccaniche Veloci stellt die selbstbewusste Business Uhr für Börsianer vor - ihr Name ist nicht nur ehrlich gewähnt, sondern verdeutlicht auch den aktuellen Zeitgeist der Branche: Money Maker.

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