Sonntag, 15. September 2019

Luxusuhren Neuheiten-Vorschau aus Basel - und Patek senkt die Preise

Baselworld: Die neuen Luxusuhren
Tag Heuer

4. Teil: Drei Fragen an den CEO: Jean-Claude Biver über die Lage der Branche

Er gilt als das Enfant terrible der Uhrenbranche. Wie kaum ein Zweiter sagt Jean-Claude Biver, was andere noch nicht einmal zu denken wagen. Er kann es sich auch erlauben. Vor über 30 Jahren stieg er in die Horlogerie ein, baute Blancpain, Omega und Hublot erfolgreich auf. Seit März 2014 lenkt er die Uhrensparte des LVMH Konzerns mit den drei Marken TAG Heuer, Hublot und Zenith. Exklusiv für MMO verrät er seine Prognosen zur Lage der Uhrennation.

mm: Das Marktsegment der Lifestyle-Uhren wird von der Elektronik-Industrie stark angegriffen. Wie reagieren etablierte Uhrenhersteller und welche Smartwatch-Konzepte werden dieses Jahr auf der Baselworld vorgestellt?

Biver: Die Reaktion der Schweizer Uhrenindustrie wird eindeutig unterschätzt. Denn es werden mindestens acht bis zehn Marken auf der nächsten Basler Messe eine Smartwatch ankündigen. Ich glaube, man wird zwei Tendenzen sehen. Smartwatches, die sich vollkommen von denjenigen des heutigen Angebots unterscheiden, weil sie eine Menge von den heutigen Eigenschaften nicht haben werden. Man wird sogar Smart-Uhren finden die keinen Bildschirm besitzen, da die eingebauten Funktionen kein Display benötigen. Man wird aber auch Marken finden, die eine Partnerschaft mit Silicon Valley eingegangen sind und dank dieser Kooperation locker mit traditionellen Smartwatches konkurrieren können. So viel kann ich jetzt schon verraten: TAG Heuer wird eine davon sein.

mm: Sie leiten die drei LVMH-Uhrenmarken Hublot, TAG Heuer und Zenith. Mit welchen Maßnahmen reagieren Sie auf den Franken-Wechselkurs und behandeln sie alle drei Marken gleich?

Biver: Meine erste Reaktion war, nicht zu reagieren. Die Deutschen haben dafür ein gutes Sprichwort: Die Suppe wird nicht so heiß gegessen, wie sie gekocht wird. Wir warten noch bis Mitte März ab, um zu sehen wohin sich der Schweizer Franken gegenüber dem Euro und dem US-Dollar entwickelt. Danach werden wir agieren und probieren, unsere Preise in der ganzen Welt in der Nähe eines internationalen Index von 100 gegenüber des Schweizer Franken zu etablieren. Wegen des weltweiten Travel Business ist es heute immer wichtiger eine Preisharmonie zu besitzen. Wir werden also die Gelegenheit des Wechselkurses in diesem Sinne nutzen. Vergessen dabei aber nicht unsere Hausaufgaben zu erfüllen: Eine noch bessere Produktivität, weniger indirekte Kosten aber auch noch kreativer zu werden, indem wir verschiedene Produkte oder Leistungen in Fremdwährungen zukaufen.

mm: Worüber mussten Sie sich die letzten Wochen am meisten aus der Uhrenbranche amüsieren oder an den Kopf greifen?

Biver: Die letzten Wochen waren für mich die ideale Gelegenheit einmal wieder das Negative ins Positive umzudrehen. Also zu versuchen mit aller Kreativität, Kraft und Willen, diesen Währungswechsel von einer Drohung in eine Opportunität umzuwandeln.

Jean-Claude Biver zählt seit mehr als 30 Jahren zu den Big Playern in der Branche. Seit 2014 lenkt der 64 Jährige die Marken Hublot, TAG Heuer und Zenith, die zum LVMH Konzern gehören

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