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Baselworld 2019: Die Neuheiten der Luxusuhren-Messe

Foto: Patek Philippe

Luxusuhrenmesse Baselworld eröffnet Flucht in die Nostalgie

Von Michelle Mussler

Zwei Aspekte fallen bei der Schmuck- und Uhrenmesse Baselworld 2019, die am heutigen Donnerstag offiziell in Basel eröffnet, sofort ins Auge. Zum einen der gravierende Aussteller-Schwund. Statt über 600, wie noch letztes Jahr, sind es dieses Mal nur noch 500. Wenn überhaupt. Hektisch wurden Lücken mit Imbiß-Ständen, Sitzgruppen und Pflanzentrögen gefüllt. Zum anderen die unverkennbaren Uhrentrends.

Omnipräsent vertreten wird der Retro-Look. Als ob sich die Uhrmacher im Kreise drehen, bejubeln sie die Wirtschaftswunderjahre der Ende 1940er und 50er aber auch die farbenfrohen 1960er und 70er Jahre. Ob Breitling, Patek Philippe, Bell & Ross oder Carl F. Bucherer, nahezu alle Marken scheinen sich dem Diktat ihrer Vergangenheit verschieben zu haben. Besonders neue Chronographen ähneln sich immer mehr. Jeder Hersteller, der etwas auf sich hält und Trendgespür besitzt, lanciert sie im Panda-Stil. Soll heißen, Stoppuhren mit dunklen Totalisatoren auf hellem Zifferblatt oder umgekehrt dann als Reverse-Panda.

Für Uhrenfans bietet der Nostalgie-Hype einen entscheidenden Vorteil: mehr Farbenfreude taucht am Handgelenk auf. Knalliges Blau, Quietsch-Orange, sattes Gelb oder tiefes Grün erfrischen die Szenerie. Rolex und Chopard gehen bei femininen Schmuckuhren noch der Zeit voraus. Sie haben Edelsteine als massive Zifferblätter wiederentdeckt - Türkis, Lapislazuli oder Opal. Vor allem aber Gelbgold. In Europa zählt das Edelmetall meist noch als protzig. Den Takt und Geschmack geben aber inzwischen die weltgrößten Uhrenmärkte China und USA vor. Hier steht Gelbgold über allem, was Rolex, Tudor und teilweise Patek Philippe bedienen.

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Vom historischen Einerlei sticht eine Manufaktur futuristisch hervor - Zenith. Zwar feiert sie das 50-jährige Jubiläum ihres schnellschwingendes Kalibers El Primero und lanciert appetitanregende Heritage-Versionen. Mit dem Inventor jedoch schreitet die Marke am schnellsten in die Zukunft. Die Hightech-Uhr schwingt mit 18 Hz rasend schnell und klingt fast wie Techno-Beat. On top wirkt ihr Design spacig und ist mit Materialien hochgerüstet, die selbst wilde Abenteuer überstehen.

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Auch Patek Philippe war in der Eigen-Entwicklung fleißig. Die Genfer Nobelmanufaktur tritt mit 18 Neuheiten an, darunter zwei sehr komplexe Kaliber, an denen teils sechs Jahre getüftelt wurde. Das Ergebnis sind clever durchdachte Funktionen: Eine Business Watch namens 'Calatrava Weekly Calendar' mit Datums-, Wochentags- und Monatsanzeige und erstmals mit einer Kalenderwoche. Oder der Begleiter für Globe Trotter im Fliegeruhren-Design mit zweiter Zeitzone und Alarm-Funktion. Sammler können sich jedoch schon mal hinten anstellen.

Viele Marken entwickeln eigene Online-Shops

Zudem wird fleißig hinter den Kulissen getüftelt. Viele Marken wollen in diesem Jahr eigene Online-Shops launchen, aber keine genauen Termine bekannt geben - man weiß ja nie. Zumal man seine Händler ins Boot holen möchte, um sie nicht zu vergrätzen. Meistersinger versucht seit letzten Oktober die Retailer mit immerhin 80 Prozent ihrer üblichen Marge an den Online-Verkäufen zu beteiligen. Dafür muss der Kunde jedoch entweder einen als Abholungsort benennen, oder die Postleitzahl seiner Lieferadresse gilt als Zuschlag für den nächstgelegenen Händler. Nicht alle Marken sehen das als Nonplusultra-Lösung. Aber es ist immerhin ein Weg der Fairness.

Höchstens fünf Prozent der Neuheitenverkäufe gehen über virtuelle Ladentheken. Sowieso "ist der Markt im Ganzen seit Ende 2018 und besonders in diesem Jahr schwieriger geworden", meint Julien Tornare, CEO von Zenith. Als Gründe sieht er den Brexit und besonders den Handelskrieg zwischen China und den USA, der die globale Kauflaune schwächt. Thilo Mühle denkt darüber ähnlich. "Außerdem wurde eine Überproduktion in den Markt gedrückt, die erst abverkauft werden muss", so der Eigentümer von Mühle-Glashütte. Hinzu kommen höhere Anforderungen der Kunden, die mehr Events, Social Media und Promotions verlangen.

Zumindest räumt man bei der Frankfurter Marke Sinn ein, 2018 im mittleren einstelligen Prozentbereich beim Umsatz zugelegt zu haben. Doch selbst das deutsche Zugpferd Nomos, als größter Hersteller mechanischer Uhren, hat von Galopp auf Trab abgebremst: "Der Hype hat sich normalisiert. Wir sind in der Realität angekommen", erklärt die Markenchefin Judith Borowski. Statt über 30 Prozent Wachstum ist man bei etwa 15 bis 20 Prozent im Umsatzwachstum angelangt.

Rückzieher bis zur Vollbremsung

Eine Vollbremsung legte ja die Swatch Group hin. Sie distanziert sich seit diesem Jahr nicht nur von der Baselworld. Auch die Tochtermarke Eta, wichtigster Schweizer Werkezulieferer, wird sich von anderen, konkurrierenden Uhrenkonzernen zurückziehen. Hart trifft das vor allem den Konzern Richemont, zu dem unter anderen IWC, Panerai, Baume & Mercier und Montblanc zählen. LVMH hingegen scheint gewappnet, da er sich die letzten Jahre mit vermehrter Eigenproduktion bei Hublot, Zenith und teilweise Tag Heuer rüstete. Allerdings macht Eta, und somit Nick Hayek, Ausnahmen. Unabhängige Marken und Familienunternehmen wie Chopard oder Carl F. Bucherer, zumal hinter ihm mit Bucherer einer der weltweit größten Uhrenhändler steckt, werden weiter beliefert.

Insider überrascht dieser Rückzug kaum. Schließlich wurde dieser schon vor sechs Jahren gemeinsam mit der Wettbewerbskommission Weko vereinbart. Selbst Chanel machte rechtzeitig seine Hausaufgaben und kaufte sich dieses Jahr mit 20 Prozent beim Werkehersteller Kenissi ein. An ihm ist auch die Rolex-Tochter Tudor beteiligt. Das erste Produkt dieser Liaison ist das Automatikkaliber 12.01, der exklusiv in Chanels neuen J12 Modellen erscheint. "Und das ist erst der Anfang", erklärt Chanels Uhrendirektor Nicolas Beau. Man plane größere Entwicklungen auch mit Komplikationen für die nächsten Jahre. Für Uhrenfreunde tickt die Zeit zwar irgendwie langsamer, jedoch stetig weiter.

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