Mittwoch, 13. November 2019

Uhrenmarke "Pop-Pilot" Kaum im Handel, schon kopiert

Seit Dezember vertreibt die Zeitgeber GmbH bunte Fliegeruhren. Nur sechs Monate nach Verkaufsstart liegen bereits erste Fälschungen aus Fernost vor. Die Entdeckung verdankt Zeitgeber-Chef Axel Kmonitzek einer Unachtsamkeit der Fälscher - ausgerechnet ihm wollten sie die Plagiate andrehen.

Hamburg - Axel Kmonitzek ist zwiegespalten: "Auf der einen Seite fühlt sich das schon ein bisschen wie ein Ritterschlag an. Auf der anderen Seite ärgere ich mich aber auch sehr." Nur ein halbes Jahr, nachdem die Zeitgeber GmbH eine bunte Neuinterpretation klassischer Fliegeruhren an den Start gebracht hat, liegen fast exakte Kopien der Uhren aus China vor. Die Fälscher waren gründlich: "Das Einzige, was sie geändert haben, ist das Logo."

Kmonitzek führt "Fischer & Cie.", eine Hamburger Maßuhrenmanufaktur. Das Unternehmen stellt vor allem Unikate und Kleinserien her, hat mit der Zeitgeber GmbH seit kurzem aber auch ein Team mit einer eigenen Uhrenmarke. "Pop-Pilot" heißen die bunten Fliegeruhren, die es seit diesem Monat etwa im Bordshop der Lufthansa zu kaufen gibt. Unterschiedliche Farbkombinationen der Chronometer stehen für einzelne Flughäfen - darunter ist auch etwa eine Sonderedition für den noch im Bau befindlichen Hauptstadtflughafen BER.

Wenig juristische Chancen gegen Fälscher

Jede Uhr führt das dreistellige Kürzel des repräsentierten Flughafens auf dem Ziffernblatt. Selbst diese Buchstabenkombinationen seinen übernommen worden, sagt Kmonitzek. Einziger Unterschied: Wo beim Original das Pop-Pilot-Logo prangt, findet sich auf der Fälschung der Schriftzug "time2u". Hinter diesem Unternehmen stehe ein größerer chinesischer Konzern. "Das ist nicht gerade der kleine Bastler, der mal eben was ausprobiert."

Auch deshalb rechnet sich Kmonitzek wenig Chancen für ein rechtliches Vorgehen gegen die Plagiate aus. Natürlich habe sein Unternehmen eine Unterlassungserklärung nach China geschickt, viel mehr werde man juristisch aber nicht tun. Im Gegensatz zu großen Konzernen, die Patent- und Markenverfahren mit einer Horde Anwälte führten, könne sich ein kleinerer Betrieb wie die Hamburger eine solche Schlacht nicht leisten.

Hologramme sollen Fälschungen erschweren

Stattdessen versuche man nun, potenzielle Kunden vor den Plagiaten zu warnen: "Wir versuchen, den Wettbewerber medial bloßzustellen. Der Konsument möchte in der Regel keine Fälschungen kaufen." Auch verkauften sie die Pop-Pilot-Uhren mittlerweile mit Echtheitszertifikaten und Hologrammen, die eine Fälschung erschwerten. In einem globalisierten Markt muss Kmonitzek aber auch eingestehen: "Viel mehr kann man in unserer Position nicht machen." Für den europäischen Markt machte sich das Unternehmen aber auch relativ wenig Sorgen vor der Konkurrenz.

Entdeckt haben Kmonitzek und Pop-Pilot-Projektleiter Robert Müller die Plagiate Ende vergangener Woche übrigens durch eine Unachtsamkeit der Fälscher: Per E-Mail hatten die ihre "unique color-calibrated timepieces" - auch das ist eigentlich ein Pop-Pilot-Slogan - Kmonitzek in seiner Funktion als Geschäftsführer von "Fischer & Cie." zum Kauf angeboten. Schon eine kurze Recherche hätte ergeben, dass der Manufaktur-Chef auch hinter der frisch von ihnen gefälschten Marke steht.

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