Mittwoch, 29. Januar 2020

Design-Diebstahl Mogelmöbel

Mogelmöbel: Original oder Fälschung?
Aktion Plagiarius

Parfüms vom Basar, billige Designertaschen und vermeintliche Markenschuhe: Vor solchen Plagiaten ist inzwischen jeder häufig gewarnt worden. Aber auch auf dem Möbelmarkt gibt es Fälschungen. Ihr Nachweis ist schwierig.

Bad Honnef - Fälschungen zu kaufen, ist immer eine schlechte Idee. Denn Verbraucher können mit dem vermeintlichen Schnäppchen ganz schön auf die Nase fallen. Trotzdem gibt es immer mehr billig nachgemachte Designermöbel auf dem Markt. Sie sind kaum von den Originalen zu unterscheiden.

Zu Hause kann das dann so ausgehen: Der eine Kunde wird hereingelegt. Er stellt sich sein vermeintliches Designermöbel nach dem Kauf stolz ins Wohnzimmer - und muss später erfahren, dass es doch nicht echt ist. Wie peinlich. Der andere Verbraucher meint, die billigere Kopie sei nicht schlechter als das Original - bis ihm der schicke Stuhl auseinanderfällt. Er war eben doch nicht so gut verarbeitet wie gedacht.

"Plagiate sind ein wachsendes Problem", sagt Ursula Geismann, Sprecherin des Verbandes der deutschen Möbelindustrie (VDM) in Bad Honnef bei Bonn. Besonders aus Asien komme immer mehr kopierte Ware nach Deutschland. Schamlos nachgemacht werden besonders gerne die Design-Klassiker, etwa die heute in Lizenz hergestellten Bauhausmöbel von Marcel Breuer oder Charles Eames.

Wer bewusst oder unbewusst Plagiate kauft, wird meist nicht belangt. "Der Erwerb zu rein privatem Gebrauch gilt in der Regel nicht als Straftat", erläutert Christoph Graf von der Groeben, Rechtsanwalt aus Düsseldorf. "Weiterverkaufen oder mit Verkaufsabsicht ausstellen darf man diese Möbel aber nicht."

"Schützen lassen sich meist nur Klassiker"

Geschützt werden die Originale in Deutschland durch verschiedene Gesetze und Regelungen. "Der Geschmacksmusterschutz erfasst die ästhetische Gestaltungsform eines Möbelstücks", erklärt von der Groeben. Dafür können sich Designer mit Entwürfen bewerben, von denen laut Deutschem Patent- und Markenamt vor dem Anmeldetag kein identisches oder nur in unwesentlichen Merkmalen abweichendes Design veröffentlicht, ausgestellt oder auf andere Weise vermarktet wurde. Im Wettbewerbsrecht sind Fälschungen ebenfalls festgehalten.

Einige Designmöbel genießen darüber hinaus den besonderen Schutz des Urheberrechts. "Schützen lassen sich meist nur die Klassiker", sagt Ursula Geismann. Das seien Möbelstücke, die sich durch ein hohes Maß an gestalterischer Originalität vom Gros der Masse abheben.

Allerdings gibt es selbst in Europa keine einheitliche Rechtsauffassung. So sind Bauhaus-Stahlrohrmöbel in Italien nicht urheberrechtlich geschützt. "Da können Kopien straflos produziert werden", sagt von der Groeben. In Deutschland dürften sie aber nicht zum Verkauf angeboten werden. Trotzdem finden Plagiate aus verschiedenen Ländern immer wieder ihren Weg hierher. "Oft landen sie dann im niedrigpreisigen Handel - dort, wo sonst der Gelsenkirchener Barock verkauft wird", sagt der Anwalt.

Das Fälschungsangebot hat sich inzwischen jedoch erweitert. "Es finden sich längst nicht mehr nur billigere Kopien von Wagenfeld-Leuchten und Le-Corbusier-Stahlrohrstühlen, sondern auch von neueren Designs", sagt Christine Lacroix, Pressesprecherin der Aktion Plagiarius in Elchingen (Bayern). Neuheiten auf dem Markt werden im Nu kopiert. Der Verein zeichnet jedes Jahr auf der Konsumgütermesse Ambiente in Frankfurt besonders dreiste Produktplagiate aus. Möbel sind fast jedes Jahr darunter.

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