Freitag, 13. Dezember 2019

Design in 3D Schmucker Druck

Design: Der 3D-Drucker als Gestaltungswunderkiste
Shapeways

Bis vor Kurzem wurden Ketten ausschließlich gelötet, Ringe geschmiedet, Handyschutzhüllen gegossen. Der 3D-Druck eröffnet dem Kunsthandwerk nun ungeahnte Möglichkeiten: Schmuck und Design lassen sich einfach ausdrucken - doch die Preise drückt das nicht.

Hamburg - Schwarze Ornamente schlingen sich um das iPhone, Display und Knöpfe sind ausgespart. Man sieht, dass es sich hier um eine Schutzhülle handelt - aber keine von der Stange. Entworfen hat sie Christina Westbrook. "Einer meiner prägenden Einflüsse ist das viktorianische Zeitalter", sagt die US-Designerin.

Damals, zur Zeit von Königin Victoria, wäre wohl nicht nur das iPhone undenkbar gewesen - geschweige denn eine Schutzhülle. Heute hingegen klingt nur noch die Art und Weise, wie Westbrook ihre Hüllen produzieren lässt, nach Zukunftsvision. Obwohl auch sie längst Wirklichkeit ist. Das Plastik wird weder geformt noch gefräst, weder gebogen noch gestanzt. Es wird ausgedruckt.

In der Industrie hat der 3D-Druck - die maschinelle Fertigung dreidimensionaler Produkte Schicht für Schicht - längst Einzug gehalten. Unternehmen wie der US-Flugzeugbauer Boeing, der Gartengeräte-Hersteller Black & Decker oder die Computerfirma Cisco nutzen 3D-Drucker, um günstig und schnell Prototypen und Ersatzteile in kleinen Stückzahlen zu fertigen. Doch der dreidimensionale Druck ist nicht mehr ausschließlich Firmen vorbehalten.

Die Maschinen gibt es ab 500 Euro aufwärts zu kaufen. Doch sind die Druckergebnisse in dieser Preisklasse meist verhalten, erinnern mitunter an Modellbau. "Es ist vielleicht so etwas wie die Demokratisierung des Designs", sagt Andrej Kupetz, Hauptgeschäftsführer des German Design Council in Frankfurt am Main. Er sieht Chancen und Risiken im 3D-Druck.

Künstler und Kunden profitieren

So könnten Unternehmen dank der sich entwickelnden Technologie zwar Designer einsparen. "Im besten Fall könnten Designer aber nicht mehr auf die Industrie angewiesen sein, um mit Kunden in Verbindung zu treten", so Kupetz. Künstler wie Westbrook sind bereits soweit. Sie nutzen Dienstleister wie Fabberhouse, Sculteo oder i.materialise zur Fertigung. Auch das US-Unternehmen Shapeways druckt dreidimensional - und vertreibt die Produkte gleich im Netz.

Auf der Plattform Shapeways.com bietet Westbrook ihre iPhone-Hüllen an, das Stück ab 58 Euro. Bestellt ein Kunde, druckt Shapeways das Produkt in der gewünschten Ausführung und schickt es per Post. Der Vorteil: Die Designerin muss keine großen Stückzahlen produzieren lassen, auf denen sie schlimmsten Fall sogar sitzenbleibt. Sie muss weder einen Webshop programmieren noch sich um die Zustellung kümmern. Vom Verkaufspreis erhält sie einen vorher festgelegten Anteil. Und der Kunde bekommt ein individuelles Produkt, das nicht jeder hat - und das nicht zwangsläufig aus Plastik sein muss.

Mit Glas, Stahl, Silber oder Gold lässt sich ebenfalls dreidimensional drucken. Gemein haben die verschiedenen Techniken, dass das jeweilige Objekt Schicht für Schicht auf eine Unterlage gedruckt wird. Dazu werden feinkörnige Stoffe bis knapp unterhalb ihrer Schmelztemperatur erhitzt und mittels einer Düse zusammengefügt. Selektives Lasersintern oder -schmelzen nennt sich das. Daneben gibt es noch andere Techniken, je nach Werkstoff.

Die US-Künstlerin Bathsheba Grossman bietet bei Shapeways und i.materialise Objekte aus Metall an. Es sind Polyeder, geometrische Körper mit mehreren Flächen. "Ich denke viel über Formen nach, und für gewöhnlich sind sie symmetrisch", sagt die passionierte Mathematikerin. Aus den gleichmäßigen Gebilden designt Grossman Seesterne und Korallen, aber auch Abstraktes.

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