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Stilvoll bepackt: Taschen für Männer

Foto: Chapman

Taschen für Männer Angler, Goldgräber, Büromenschen

Wohin nur mit allem? Frauen stecken Stifte, Geldbörse, Handy und Schlüssel einfach in die Handtasche. Männer müssen sich aber ganz schön umschauen, wenn sie ein Transportgefäß finden wollen, das weder nach Student noch nach Schickimicki aussieht. mmo-Autor Alexander Grau hat das getan.
Von Alexander Grau

München - Der Mann von Welt hat ein Problem: er ist keine Dame. Wäre er eine, so hätte er die Lizenz zum Tragen einer Handtasche. Hat er aber nicht. Und so blähen sich dicke Brieftaschen unter Jacketts, Portemonnaies tragen unvorteilhaft am Gesäß auf, Stifte hinterlassen unschöne Farbflecken an Hemden und Innentaschen und Schlüssel sind immer gerade in der falschen Jacketttasche - wenn sie nicht gleich im Innenfutter verschwunden sind.

Das alles ist ziemlich lästig. Dass man seit vielleicht fünfzehn Jahren auch noch sein Telefon mit herumschleppen muss, das früher brav auf dem Schreibtisch stand, macht die Sache nicht einfacher. Immerhin, zumindest Zigarettenpäcken haben nur noch die Wenigsten dabei.

Doch egal ob Smartphone oder Zigarettenpackung, Tablet-Computer oder Filofax, E-Book oder dickleibiger Foliant - untergebracht werden müssen diese schönen Dinge nun einmal auf dem Weg wohin auch immer. Nun ist das Problem nicht neu. Die Inhalte mögen sich geändert haben, nicht aber die Verlegenheit, irgendwelchen Krimskrams mit sich zu führen.

Und so kann man die Geschichte des Mannes auch als eine Geschichte der Tasche lesen: angefangen von Beuteln jeder Art, über Rucksäcke und andere Tragekonstruktionen, bis hin zur Schultertasche oder dem feschen Handgelenktäschchen von Onkel Ernst. Wirklich befriedigend waren die wenigsten Lösungen, was nicht verhindert hat, dass sich der eine oder andere Unsinn als erstaunlich resistent erweist.

Das größte denkbare Übel in der Beutelgeschichte

Das größte denkbare Übel in der Kulturgeschichte des Beutels ist dabei nicht einmal die berüchtigte Handgelenktasche, sondern - der Rucksack. Dabei spricht zunächst gar nichts dagegen, Lasten auf dem Rücken und den Schultern zu transportieren. Das ist sogar ausgesprochen praktisch - für Soldaten, Bergsteiger, Expeditionsteilnehmer und Nomaden.

Für den zivilisierten Großstadtbürger, der sich auf den Weg in die Universität, das Büro oder an den Badesee befindet, ist diese archaische Form des Transportes, insbesondere wenn sie in buntem Polyamid daher kommt, nicht nur ein Zeugnis der Abwesenheit jeder ästhetischer Kultur, sondern vor allem Ausdruck brachialer Rücksichtslosigkeit - wie jeder weiß, der in einer Supermarktschlange oder der U-Bahn schon einmal ein solches Ungetüm aufgrund einer plötzlichen Eingebung seines Trägers ("Schau mal, dort hinten ...!") in die Seite gerammt bekommen hat. Dass davon abgesehen der klassische Mormonen-Look (Rucksack zum Anzug) ohnehin ein absolutes No-go ist, bedarf keiner weiteren Erläuterung.

Doch welche Tasche trägt nun der von Akten, Unterlagen und Notebooks geplagte Büromensch, wenn er die Hände frei haben will oder muss? Auch wenn Orthopäden fluchen werden: an einer Schultertasche führt aus ästhetischen Gründen kein Weg vorbei. Und dass diese Tasche nicht aus Kunststoff gefertigt sein sollte, versteht sich ohnehin. Zudem muss sie Regenschauern standhalten, damit die gehüteten Papiere sich nicht beim nächsten Gewitter in einen Brei aus Cellulose verwandeln.

Bewährte Materialien, zeitgemäße Designs

Abhilfe schaffen hier die wunderschönen Taschen des britischen Herstellers Chapman. Deren Ursprünge liegen, wie so häufig bei Produkten der britischen Mode, in der Ausrüstung für die Jagd und das Angeln. Das macht sie überaus belastbar und langlebig. Sollten nach Jahren intensiver Benutzung dennoch unschöne Gebrauchsspuren die Tasche verunstalten, kann man das gute Stück bei Chapman wieder renovieren lassen. Chapman lässt seine Taschen in England von Hand fertigen.

Hergestellt werden die verschiedenen Modelle auch aus Leder und Tweed, doch mit dem Namen Chapman verbindet man vor allem Taschen aus Leinengewebe (engl. Canvas). Die gibt es in den unterschiedlichsten Formaten und Aufteilungen, entweder in klassischem Khaki und Oliv, oder auch in Blau, Schwarz oder Lila, immer geschmackvoll mit Leder abgesetzt und Messingverschlüssen.

Ein weiterer Hersteller klassischer britischer Canvas-Schultertaschen ist das Traditionsunternehmen Brady, das von John und Albert Brady 1887 in Birmingham gegründet wurde. Selbstredend von Hand gefertigt werden die Brady-Taschen in Walsall in den West-Midlands, einem ehemaligen Zentrum der englischen Lederwarenindustrie. Die Söhne der Gründer, Albert und Leonard Brady, konzentrierten sich in den 1930er Jahren ganz auf Taschen für Jäger und Angler - einige Entwürfe stammen mehr oder minder unverändert aus dieser Zeit. Etwa die berühmen Modelle Dart und Severn. Seit 2002 setzt jedoch Lesley Taylor, zuvor Designerin bei dem Modellabel Mulberry, auch dezent modische Akzente.

Taschen für Goldgräber und Büromenschen

Wer seine Akten und sein Notebook ebenso sicher wie stilsicher unterbringen möchte, ist auch mit den Taschen des amerikanischen Herstellers Filson gut beraten. Gegründet wurde das Unternehmen 1897 von C.C. Filson in Seattle - gerade rechtzeitig, um Ausrüstungsgegenstände für die zahlreichen Abenteurer bereitzustellen, die während des letzten großen Goldrausches am Klondike in den Jahren 1897 bis 1899 ihr Glück zu machen versuchten. Nach wie vor sind Filson-Taschen für ihre außergewöhnliche Robustheit bekannt. Gefertigt werden sie nach wie vor in Seattle aus extra schweren Twill, mit Leder abgenäht und Messing beschlagen.

Etwas feiner und eleganter als die Taschen der Angler, Jäger und Goldsucher kommen die Produkte des norditalienischen Herstellers Bric's daher. Ursprünglich eine kleiner Lederwarenbetrieb aus der Region um den Comer See, hat sich Bric's in den letzten Jahrzehnten zu dem gemausert, was man eine "international Brand" nennt - mit allen Nachteilen, die eine solche Entwicklung mit sich bringen kann. So sind Bric's Modelle nach wie vor hübsch anzusehen, aus echtem Leder sind jedoch zumeist nur noch die Besätze und natürlich das Logo.

Da lobt man sich doch Hersteller, die an alt bewährten Materialien festhalten und dabei zugleich versuchen, ein zeitgemäßes Design zu entwickeln. Nicht nur für jene, die mit dem Rad ins Büro fahren, hat der englische Hersteller Brooks - eigentlich bekannt für seine großartigen Fahrradsättel - eine sehr elegante, optisch auf das Wesentliche reduzierte Schultertasche aus imprägnierter schwerer Baumwolle im Programm. Für die Radfahrer unter den Büromenschen ist die Barbican Shoulder Bac mit einem Hüftgurt versehen, der sie während der Fahrt fixiert, ohne dass man dabei aussieht wie ein Inter-Rail-Tourist. Ohne Fahrrad macht sie aber auch was her.

Und schließlich gibt es noch Interessantes von einem alten Bekannten zu vermelden: Die Firma Barbour stellt nicht nur Wachsjacken für Jurastudenten her, sondern hält auch Lösungen für den nach einer ebenso praktischen wie stilvollen Tasche suchenden Großstadtmenschen parat. Die sandfarbene Canvas Taras Bag macht nicht nur äußerlich was her, sondern überrascht beim Aufmachen mit einer Union Jack als Innenfutter. Und für all jene, denen das zu dezent ist, hat Barbour auch Tasche im Angebot, bei der der Union Jack gleich außen drauf gedruckt ist. Eigentlich Pflicht im 61. Dienstjahr der Queen.

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