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Seidentücher: Die Musts der Businessmode

Foto: vonschwanenfluegelpupke

Businessmode Plankton am Dekolletee

Buntes Seidentücher sind ein Must weiblicher Businessmode. Das klassische Hermès-Carré bekommt Konkurrenz: Zwei Ex-"Wunderkind"-Mitarbeiterinnen machen Furore mit Foulards. Ihre Motive: Plankton, Gemüse und Gartenarchitektur. Ein Atelierbesuch von mmo-Autorin Kirsten Schiekiera.
Von Kirsten Schiekiera

Berlin - Unbekannte Geschöpfe, bizarr und gesichtslos, schweben auf heller Seide. Runde Wesen mit Tentakeln sind dabei, dreieckige Tierchen und Gestalten, die an Kaulquappen oder Flaschenreiniger erinnern. Die Wesen formieren sich auf dem Stoff zu einem harmonischen blau-grünen Muster. Was ist das? Plankton?

"Richtig! Es gibt viele Menschen, die das nicht auf Anhieb erkennen", sagt Stephanie Pupke und streicht ein großzügiges Foulard aus einem edlen Wolle-Seiden-Gemisch glatt. Auf den ersten Blick sind die Tücher des Labels "Vonschwanenflügelpupke" ganz farbige Eleganz.

Erst wenn man näher hinschaut, erkennt man, dass sie weder Blumen noch abstrakte Muster zeigen, sondern Rüben, Bohnenschoten, Mikroorganismen, Zahlenkolonnen oder architektonische Grundrisse. An den Rändern von Tüchern mit buntem Kohlkopf-Design erkennt man Spaten - und Kohlfliegen, die natürlichen Feinde der Gemüsebauern.

Es ist ein Spiel mit dem Unerwarteten, dass die beiden Designerinnen Eleonore von Schwanenflügel und Stephanie Pupke auf ihren klassischen Carrés auf die Spitze treiben. Halstücher mit ungewöhnlichen Motiven sind das das Aushängeschild des Berliner Mode-Labels "Vonschwanenflügelpupke", das im Januar 2011 an den Start ging und auch eine Prêt-à-porter-Linie auf den Markt bringt.

Inspiration aus wissenschaftlichen Fachbüchern

"Wir möchten mit Accessoires Aufmerksamkeit generieren, um so schneller auf dem Markt bekannt zu werden", gibt Eleonore von Schwanenflügel zu. Bisher geht der Plan auf. Die Designerinnen konnten den Umsatz der Foulards von Kollektion zu Kollektion um 100 Prozent steigern. Mode und Accessoires werden bereits in Japan und Hongkong verkauft.

Die Zeiten, in denen Accessoires ein Nebengeschäft der Designer waren, sind längst vorbei - in diesem Punkt sind sich die beiden Modeschöpferinnen sicher. "Accessoires haben insgesamt an Bedeutung gewonnen. Mit ihnen lässt sich eine Garderobe komplett verändern", findet Stephanie Pupke. "Schuhe und Handtaschen sind schon seit Längerem enorm wichtig. In den letzten Jahren hat auch das Halstuch eine ganz neue Produktidentität entwickelt."

Die Prêt-à-porter-Linie des Labels mit Kleidern, Jacken, Mänteln und bedruckten Blusen kommt modern und eher schlicht daher. Klare Linien und die Farben Schwarz und Weiß prägen die sachlichen Kleidungsstücke. Die Entwürfe lassen Raum für Tücher, auffällige Schmuckstücke und andere Accessoires.

"Foulards waren früher oftmals eine Art Abfallprodukt für Designer", sagt Stephanie Pupke. "Man nahm einfach die Reste einer Stoffrolle, fasste sie mit Säumen ein - und fertig war das Tuch. Unsere Carrés sind sicherlich auch deshalb erfolgreich, weil die Muster für sich alleine bestehen."

Rädertiere, Flügelschnecken, Pfeilwürmer

Inspiration für ihre Entwürfe finden die Designerinnen in vor allem in wissenschaftlichen Fachbüchern. "Wir sind bei unserer Arbeit immer wieder erstaunt, was die Natur alles zu bieten hat", sagt Stephanie Pupke. Für die Tücher mit dem Plankton haben sie Rädertiere, Flügelschnecken und Pfeilwürmer akribisch abgezeichnet und per Hand koloriert. Diese Handarbeit gibt den Tüchern einen ganz eigenen, unperfekten Charme. Die Entwürfe werden in Italien gedruckt und dort auch zugeschnitten und eingefasst.

Anfang Juli werden die Designerinnen ihre vierte Kollektion bei der Premium-Messe im Rahmen der Mercedes-Benz-Fashion-Week zeigen. Einkäufer aus aller Welt besuchen die Messe, bei der mehr als 1000 Kollektionen aus dem In- und Ausland präsentiert werden. "Wir hoffen, dass wir bald auch im Benelux-Raum und in London vertreten sein werden", sagt Eleonore von Schwanenflügel.

"Gerade England ist für uns sehr wichtig. Dort gibt es diese schöne Tradition des Interiordesigns, bei denen aufwändig bedruckte Plaids und andere Stoffe eine große Rolle spielen. Auch in diesem Bereich möchten wir gerne einmal arbeiten." In ihrem Atelier zeugen zwei alte Holzstühle, die mit einem Rübenmuster bezogen sind, von diesen Zukunftsplänen.

Mit Gemüse gegen Totenköpfe und Leo-Prints

Kennengelernt haben sich die Designerinnen 2005, als sie beim Potsdamer Label "Wunderkind" als Assistentinnen arbeiteten. Der Umgang mit hochwertigen bunten Drucken und das verspielte, feminine Design des von Wolfgang Joop gegründeten Labels haben Stephanie Pupke und Eleonore von Schwanenflügel ästhetisch geprägt.

"Den Plan, uns gemeinsam selbstständig zu machen, hatten wir schon nach ungefähr einer Woche Bekanntschaft", erinnert sich Stephanie Pupke. Doch ehe sie in die Selbstständigkeit starteten, vergingen noch Jahre: "Wir mussten einen soliden Plan entwickeln, um in den Handel zu kommen und Kontakte zu Produzenten und Händlern knüpfen. Es kam für uns auch nicht in Frage, im Hinterzimmer zu nähen und vorne unsere Mode zu verkaufen. So beginnen zwar viele Designer in Berlin, doch das Risiko, sich dabei zu verzetteln, erschien uns zu groß."

Langsam kristallisierte sich die Idee mit den Tüchern heraus. Ein Teil der Kollektion zeigt konsequent Entwürfe mit Gemüse: Erst wurden Rüben, Bohnen und Kohlköpfe auf Seide gedruckt. Jetzt zieren Gurken, Zucchini und Auberginen die Tücher in der Größe 1,40 mal 1,40 Meter. Der Wiedererkennungswert sei wichtig, um auf dem Markt dauerhaft bestehen zu können. "Die Leo-Prints von Louis Vuitton, die Totenköpfe von Alexander McQueen und jetzt die Rüben von Vonschwanenflügelpupke", sagt Eleonore von Schwanenflügel lachend.

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