Samstag, 14. Dezember 2019

Businessmode Plankton am Dekolletee

Seidentücher: Die Musts der Businessmode
vonschwanenfluegelpupke

Buntes Seidentücher sind ein Must weiblicher Businessmode. Das klassische Hermès-Carré bekommt Konkurrenz: Zwei Ex-"Wunderkind"-Mitarbeiterinnen machen Furore mit Foulards. Ihre Motive: Plankton, Gemüse und Gartenarchitektur. Ein Atelierbesuch von mmo-Autorin Kirsten Schiekiera.

Berlin - Unbekannte Geschöpfe, bizarr und gesichtslos, schweben auf heller Seide. Runde Wesen mit Tentakeln sind dabei, dreieckige Tierchen und Gestalten, die an Kaulquappen oder Flaschenreiniger erinnern. Die Wesen formieren sich auf dem Stoff zu einem harmonischen blau-grünen Muster. Was ist das? Plankton?

"Richtig! Es gibt viele Menschen, die das nicht auf Anhieb erkennen", sagt Stephanie Pupke und streicht ein großzügiges Foulard aus einem edlen Wolle-Seiden-Gemisch glatt. Auf den ersten Blick sind die Tücher des Labels "Vonschwanenflügelpupke" ganz farbige Eleganz.

Erst wenn man näher hinschaut, erkennt man, dass sie weder Blumen noch abstrakte Muster zeigen, sondern Rüben, Bohnenschoten, Mikroorganismen, Zahlenkolonnen oder architektonische Grundrisse. An den Rändern von Tüchern mit buntem Kohlkopf-Design erkennt man Spaten - und Kohlfliegen, die natürlichen Feinde der Gemüsebauern.

Es ist ein Spiel mit dem Unerwarteten, dass die beiden Designerinnen Eleonore von Schwanenflügel und Stephanie Pupke auf ihren klassischen Carrés auf die Spitze treiben. Halstücher mit ungewöhnlichen Motiven sind das das Aushängeschild des Berliner Mode-Labels "Vonschwanenflügelpupke", das im Januar 2011 an den Start ging und auch eine Prêt-à-porter-Linie auf den Markt bringt.

Inspiration aus wissenschaftlichen Fachbüchern

"Wir möchten mit Accessoires Aufmerksamkeit generieren, um so schneller auf dem Markt bekannt zu werden", gibt Eleonore von Schwanenflügel zu. Bisher geht der Plan auf. Die Designerinnen konnten den Umsatz der Foulards von Kollektion zu Kollektion um 100 Prozent steigern. Mode und Accessoires werden bereits in Japan und Hongkong verkauft.

Die Zeiten, in denen Accessoires ein Nebengeschäft der Designer waren, sind längst vorbei - in diesem Punkt sind sich die beiden Modeschöpferinnen sicher. "Accessoires haben insgesamt an Bedeutung gewonnen. Mit ihnen lässt sich eine Garderobe komplett verändern", findet Stephanie Pupke. "Schuhe und Handtaschen sind schon seit Längerem enorm wichtig. In den letzten Jahren hat auch das Halstuch eine ganz neue Produktidentität entwickelt."

Die Prêt-à-porter-Linie des Labels mit Kleidern, Jacken, Mänteln und bedruckten Blusen kommt modern und eher schlicht daher. Klare Linien und die Farben Schwarz und Weiß prägen die sachlichen Kleidungsstücke. Die Entwürfe lassen Raum für Tücher, auffällige Schmuckstücke und andere Accessoires.

"Foulards waren früher oftmals eine Art Abfallprodukt für Designer", sagt Stephanie Pupke. "Man nahm einfach die Reste einer Stoffrolle, fasste sie mit Säumen ein - und fertig war das Tuch. Unsere Carrés sind sicherlich auch deshalb erfolgreich, weil die Muster für sich alleine bestehen."

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