Dienstag, 12. November 2019

Home-Staging Welch' Glanz in der Hütte

Home-Staging: Wie man Häuser für den Verkauf aufhübscht
TMN

Ein bisschen Farbe, ein heller Vorhang, ein Blumenstrauß auf dem Esstisch: Es ist erstaunlich, wie viel ein paar Schönheitstricks beim Verkauf gebrauchter Immobilien bewirken können. Home-Staging nennt sich das professionelle Aufhübschen für Kaufinteressenten. Profis erklären, wie man es macht.

Witten - Der Duft von Kaffee und frisch gebackenem Kuchen weht durch das Haus, die Räume sind sauber, lichtdurchflutet und aufgeräumt: So kann eine Immobilie die potenziellen Käufer am Besichtigungstag überzeugen. Aber auch schwer verkäufliche Objekte, wie altmodisch eingerichtete Häuser aus einem Erbnachlass, können einladend wirken, sagt Wiebke Rieck. Die Innenarchitektin aus Witten ist auf Home-Staging spezialisiert, eine Marketing-Strategie für Häuser und Wohnungen.

Der Trend aus den USA soll verkaufsfördernd wirken und findet in Deutschland vor allem in Gegenden Anklang, in denen es ein großes Immobilienangebot und nur wenig Nachfrage gibt. Hier werden die Häuser kurzum für den Verkauf hergerichtet. Wenn Home-Stager möblierte Immobilien auf Vordermann bringen, steht als allererstes Aufräumen auf dem Programm. "Die Räume wirken sofort heller und luftiger", sagt Joseph Johnson, Home-Stager aus Düsseldorf. Dabei sollte man alles, was keinen Zweck erfüllt, entfernen.

Das gilt auch für Gerümpel in der Abstellkammer, so dass dort zusätzliche Nutzflächen, wie ein Arbeits- oder Gästezimmer, entstehen. "Der Platz muss optimal genutzt werden", erklärt Johnson sein Vorgehen. Danach sei es wichtig, sämtliche Räume gründlich zu reinigen und dafür zu sorgen, dass es keine kaputten Glühbirnen gebe.

Entscheidend sei auch die Entpersonalisierung, sagt Brigitte Graf-Farin, Home-Stagerin aus Köln. Denn der potenzielle Käufer soll in der Lage sein, sich selbst in dem Haus zu sehen und nicht durch Bilder und allzu persönliche Gegenstände des Noch-Besitzers abgelenkt werden. Zudem dürfe der Interessent nicht das Gefühl bekommen, in die Privatsphäre des anderen einzudringen.

Haustiere und Zahnbürsten müssen verschwinden

Es sei deshalb von Vorteil, wenn der Verkäufer vor der Hausbesichtigung die Betten mache, Zahnbürsten und Bürsten aus dem Bad räume und mindestens die Hälfte der Mäntel und Jacken aus der Garderobe entferne, rät Graf-Farin. "Dadurch wird signalisiert, dass auch Platz ist für den Neuen, der da einzieht." Ein No-Go seien Haustiere, die bei der Besichtigung anwesend sind. Genauso sollten deren Futternäpfe und Utensilien weggeräumt werden.

Neben diesen Arbeitsschritten ordnen die Verkaufsprofis gegebenenfalls die bereits vorhandenen Möbel einer Immobilie neu an oder entfernen überflüssiges Mobiliar. "Auf zu knallige Farben an Kissen oder Vorhängen sollte verzichtet werden. Gut sind Weiß und Beige", empfiehlt Graf-Farin. Insgesamt sei es wichtig, die Einrichtung möglichst neutral zu halten. "Dabei geht es nicht darum, den Geschmack eines bestimmten Kunden zu treffen. Im Gegenteil: Eine möglichst große Zielgruppe soll angesprochen werden", sagt Rieck. Dabei könnten auch Wohnaccessoires und Blumen helfen.

Doch Home-Stager müssen sich nicht nur um das in Szene setzen bewohnter Immobilien kümmern. Auch leere Häuser können für den Verkauf aufgepeppt werden. "Normalerweise sind Interessenten bei der Besichtigung sehr auf ihre Fantasie angewiesen", erklärt Rieck. Der Nachteil sei aber, dass in leeren Räumen die Proportionen schwer erfasst werden könnten. Deshalb stellen Home-Stager gemietete Möbel auf und geben so jedem Zimmer eine Funktion. "Erst so zeigen die Räume ihre Wertigkeit und ihr Potenzial."

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