Sonntag, 26. Mai 2019

Bargeld stilvoll unterbringen Neues von der Börse

2. Teil: Irgendwie ist bezahlen ohnehin vulgär

Bleibt die Frage, was eigentlich die adäquate Form ist, sein Geld diskret und geschmackvoll bei sich zu tragen. Die einfachste Antwort ist sicher: Ein wahrer Gentleman zahlt mit seinem guten Namen und lässt anschreiben. Irgendwie ist bezahlen ohnehin vulgär. Zur Not kann man diese lästige Beschäftigung auch seinem Assistenten, Privatsekretär oder - so vorhanden - Kammerdiener überlassen. Gleichwohl ist die permanente Gegenwart eines solchen Faktotums auch etwas lästig, vollkommen abgesehen davon, dass für den durchschnittlichen Arbeitnehmer die Anschaffung einer ordentlichen Geldbörse ungleich günstiger ist.

Am Anfang aller Geldbörsen stand der Lederbeutel. Dort konnte man seine Muscheln unterbringen, wertvolle Steine oder schließlich Münzen. Die soll der berüchtigte König Krösus das erste Mal in Umlauf gebracht haben. Neben einem Geldbeutel führte man später dann auf Reisen eine Brieftasche mit sich, für Briefe und andere wichtige Papiere.

Die Einführung des Portemonnaies in unserem modernen Sinne hängt mit zwei kulturellen Entwicklungen zusammen: dem Entstehen städtischer, bürgerlicher Kleidungskultur im 19. Jahrhundert und der Einführung der Banknote im selben Zeitraum. Versuche, Papiergeld einzuführen, gab es zwar schon früher, im großen Stil setzte sich die hübsch bedruckten Scheinchen aber erst Anfang des 20. Jahrhunderts durch. Im Deutschen Reich etwa konnten erst ab 1909 Banknoten jederzeit gesetzlich garantiert in Goldmünzen umgetauscht werden.

Einen erheblichen Effekt auf die jeweilige Portemonnaie-Kultur hat die Stückelung der Banknoten. Das beste Beispiel sind die Vereinigten Staaten, die neben Ein-Dollar-Münzen auch den gleichwertigen Schein ausgeben, umgerechnet also Banknoten im Wert von etwa 76 Cent. Naheliegend, dass Münzgeld hier eine geringere Rolle spielt als in Europa.

Das Münzgeld wird gern einfach verschenkt

Hinzu kommt die amerikanische Verliebtheit in die Kreditkarte. Das Ergebnis ist das klassische amerikanische Wallet, in seiner radikalsten Form ausschließlich mit Fächern für Plastikkarten versehen, in der gemäßigten Variante mit einem Fach für Papiergeld oder einer eingebauten Geldklammer. Das Münzgeld lässt man dabei lässig in den Hosentaschen klimpern - oder verschenkt es einfach.

Noch amerikanischer ist die Geldklammer aus Metall. Schließlich soll jeder sehen, wie viel Geld man mit sich herumträgt. Allerdings ist zu bedenken, dass dieser zur Schau getragene Stolz in Europa weniger gut ankommt. Aufgrund ihrer religiösen Traditionen sind Europäer nicht geneigt, Reichtum als Zeichen für göttliche Ausgewähltheit zu interpretieren, sondern als Ergebnis von Arbeit und Glück - mit beidem prahlt man aber nicht.

Wer dennoch Freude daran findet, lässig in aller Öffentlichkeit durch seine 100-Euro-Noten zu blättern, der sollte auch konsequent bleiben: Gucci beispielsweise oder Louis Vuitton bieten Geldklammern an, die auch optisch unterstreichen, dass ihr Besitzer überzeugt ist, dass er seinen Reichtum sehr zu Recht besitzt.

Für den halbwegs zivilisierten Westeuropäer gibt es jedoch zu dem klassischen Portemonnaie keine überzeugende Alternative. Fragt sich nur: welches? Das hängt natürlich von dem bevorzugten Stil ab. Wer es etwas rustikaler mag, ist mit den Produkten der kleinen amerikanischen Ledermanufaktur Billykirk sehr gut bedient. Hinter Billykirk stehen die Brüder Chris und Kirk Bray aus Memphis/Tennessee.

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