Freitag, 19. April 2019

Brillenmanufakturen Neue Durchblicke

2. Teil: Mykita wurde Hollywoods Darling

Mit der Sonnenbrille "Jack" fing alles an. Heute besteht die Kollektion zu 70 Prozent aus Korrekturbrillen. Für die Finanzierung der Produktion konnten Interessenten Anteilscheine erwerben, dazu gaben Schauspieler wie Corinna Harfouch und Peter Lohmeyer sowohl ideelle Unterstützung als Testimonials als auch finanzielle als Investoren.

Die Tatsache, in Berlin in Handarbeit zu fertigen, hat sich laut Anderl fast zwangsläufig ergeben, aufgrund der Liefersituation für bestimmte Einzelteile und der Gefahren, mit denen man in Asien konfrontiert sei: Markenpiraterie, lange Wege und Missverständnisse in der Kommunikation. Außerdem sei Berlin mittlerweile ein wichtiger Marketing-Faktor: Weil sich in Berlin alles bewegt, fühle man sich als "Beweger" automatisch heimisch.

Die Asien-Assoziation ist den Mykita-Machern nicht unangenehm

Exemplarisch dafür ist auch das Mykita-Haus in der Brunnenstrasse. Auf vier Etagen einer alten Hinterhoffabrik hat man hier 2006 eine "modern manufactory" etabliert. Im Erdgeschoss werden die Rahmen gestanzt und gebogen, auf drei weiteren verteilen sich die Azetatrahmenproduktion, die Designabteilung; Marketing und Vertrieb. Mittlerweile ist die Belegschaft auf 220 Köpfe angewachsen, davon sitzen rund 150 in Berlin.

Im September 2003 befand sich der erste Firmensitz noch in einer Kindertagesstätte in der Leipziger Strasse. So erklärt sich auch der Name: "my Kita", auch wenn die meisten Menschen eher an etwas Asiatisches denken. Die Assoziation ist den Machern nicht unangenehm, da es den Hipness-Faktor Berlin noch einmal potenziert.

2004 kam Mykita auf den Markt, zunächst mit einer Metallbrillenkollektion, die sich durch das schraubenfreie Scharnier auszeichnete. 2010 hatte die Firma ein eigenes Material entwickelt: Ein Polyamid namens Mylon, auf dessen Oberflächenveredlung sie ein Patent hält. Der endgültige Durchbruch kam mit "Sex and the City". Im zweiten Kinofilm sieht man Sarah Jessica Parker mit einer goldenen Sonnenbrille von Mykita auf der Nase. "Franz" aus der Kollektion von Mykita und Bernhard Wilhelm war selbst auf dem Filmplakat abgebildet.

Es dauerte nicht lang, dann sah man auch Hollywood-Hipster Brad Pitt mit einem "Rolf" auf der Nase spazieren gehen. Für 2012 setzt Mykita auf das Thema "Oversize". Modelle wie Devendra, Phoebe, Lidia, Milena und Shana sollen dazu beitragen, den Siegeszug der Brillenmanufaktur aus Mitte weiter voranzutreiben. Die Konkurrenz sitzt schließlich jeweils nur einen Steinwurf entfernt.

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