Neue Luxusuhren Schönheiten mit Tick

Der Salon International de la Haute Horlogerie, veranstaltet vom Luxuskonzern Richemont, ist eine sehr exklusive Messe. Besucher dürfen nur auf persönliche Einladung eines der Luxusuhren-Ausstellers hinein. Hier ist ein Ausblick auf einige wichtige Messeneuheiten - und andere schöne neue Uhren.
Cartier Panther: Ein Raubtier als elegante Schwungmasse für den Selbstaufzug

Cartier Panther: Ein Raubtier als elegante Schwungmasse für den Selbstaufzug

Foto: Laziz Hamani / Cartier

Hamburg - Im Grunde ist die Uhr sehr schlicht. Keine Datumsanzeige, keine Mondphase, kein übertechnisierter Schnickschnack, schwarzes Zifferblatt. Wäre da nicht der diamantbesetzte Panther, der äußerst geschmeidig um die glitzernde Lünette streicht und damit das Werk mit Schwungenergie versorgt. Die neue Cartier-Uhr Panther, die das Unternehmen im Januar auf der Luxusuhrenmesse SIHH in Genf vorstellen wird, ist nur eine der möglichen Antworten auf die Frage nach Perfektion am Handgelenk.

Andere, wie die mit zwei winzigen Pin-Ups geschmückte HM4 Razzle Dazzle and Double Trouble des eigenwilligen Genfer Uhrmachers Maximilian Büsser, setzen auf maskulineren Schick in einer völlig neuen Interpretation des Pilotenstils. Die Gangreserve wird auf einem zweiten Zifferblatt angezeigt, das, wie das erste, in einem konischen Gehäuse in Form eines Flugzeugtriebwerks sitzt - geschmückt mit winzigen, handgemalten Pin-Up-Girls.

Aber auch wer seinen Reichtum dann doch lieber etwas diskreter zur Schau stellen möchte, wird bei den Uhrenneuheiten fündig. Hier ist eine Vorschau auf einige der interessantesten neuen Zeitmesser.

MB&F: Horological Machine No 4 Razzle Dazzle & Double Trouble

Für Individualisten, die Wert darauf legen, dass man sie sofort als solche erkennt: HM4 Razzle Dazzle and Double Trouble von MB & F mit handgemaltem Mini-Pin-Up

Für Individualisten, die Wert darauf legen, dass man sie sofort als solche erkennt: HM4 Razzle Dazzle and Double Trouble von MB & F mit handgemaltem Mini-Pin-Up

Die Marke Maximilian Büsser and Friends (MB & F) ist nicht bei der SIHH vertreten. Aber es gibt auch aus dem Hause des eigenwilligen Uhrmachers, der 1998 mit erst 31 Jahren Managing Director bei Harry Winston Rare Timepieces geworden war, eine spektakuläre Neuheit. Die Marke MB & F ist erst sechs Jahre alt, kann aber schon auf eine Reihe ideensprühender Werke zurückblicken. Die Uhr mit dem schönen Namen HM4 Razzle Dazzle & Double Trouble fällt durch ihr eigenwilliges Design ins Auge. HM steht dabei für "horological machine", eine Serie sehr spezieller Uhren, die auf besondere Inspirationen außerhalb des engen Uhren-Kosmos zurückgehen.

Im Falle dieser Uhr waren es Flugzeuge aus dem Zweiten Weltkrieg, die es Büsser als modellbauendem Jugendlichen angetan hatten. Deren Triebwerke waren oft mit Malereien geschmückt, die der Bezeichnung "Triebwerk" alle Ehre machten, und so trägt auch die Uhr zwei winzige handgemalte Pin-Ups auf den triebwerkförmigen Gehäusen.

Das eine Zifferblatt zeigt die Zeit an, das andere die Gangreserve; das Werk ist aus 311 Komponenten gefertigt, die in 185 Stunden Handarbeit gefertigt und zusammengesetzt werden. Die Auflage ist auf acht Exemplare limitiert. Das Armband derUhr wird übrigens aus alten Schweizer Armeeledertaschen gefertigt -edler kann man wohl kaum recyclen.

Audemars Piguet: Royal Oak Skelettuhr extraflach

Meisterstück zum 40. Geburtstag: Die Royal Oak von Audemars Piguet erscheint 2012 in limitierter Neuauflage

Meisterstück zum 40. Geburtstag: Die Royal Oak von Audemars Piguet erscheint 2012 in limitierter Neuauflage

Mit 40 kann man sich schon mal eine gepflegte Midlife-Crisis gönnen. Audemars Piguet feiert den 40. Geburtstag der legendären Royal Oak bei der SIHH mit einer auf 40 Exemplare limitierten Neuauflage.

1972 war die Royal Oak die erste Luxusuhr, die ein Stahlgehäuse hatte - entworfen von Gérald Genta. 2012 gibt es das Modell erstmals in einer extraflachen Skelettversion mit Saphirglas auf beiden Seiten - und einem Gehäuse aus Platin. Das lediglich 3,05 Millimeter dicke Uhrwerk wurde komplett skelettiert, inklusive des nur einseitig gelagerten Federhauses.

Die Schwungmasse des Aufzugsrotors ist aus Gold gefertigt und trägt die Prägung "AP Royal Oak 1972-2012". Die äußere Wange ist mit einem "Tapisserie"-Motiv dekoriert, der charakteristischen Struktur aller Royal-Oak-Zifferblätter seit 1972. Und gleich geblieben ist auch die achteckige Form mit den markanten Schrauben.

Piaget: Altiplano Skeleton

Ultradünn ist die neue Skelettuhr von Piaget: Das flachste Automatik-Uhrwelt der Welt ist nur 2,4 Millimeter hoch

Ultradünn ist die neue Skelettuhr von Piaget: Das flachste Automatik-Uhrwelt der Welt ist nur 2,4 Millimeter hoch

Piaget stellt auf der SIHH im Januar eine Rekord-Uhr vor. Nur 2,4 Millimeter ist das nach Herstellerangaben flachste Automatik-Uhrwerk der Welt hoch - und die ganze Uhr kommt auf eine Dicke von exakt 5,34 Millimetern. Damit ist die Altiplano-Kollektion auf ihrem vorläufigen Höhepunkt angekommen.

Ein solches Werk möchte man natürlich schon ganz gerne sehen, weshalb die Uhr komplett skelettiert ist. Drei Jahre brauchten die Entwickler für die Feinabstimmung des neuen Kalibers 1200S. Und auch stilistisch haben sie sich einiges einfallen lassen - im Inneren der Uhr wechseln matte Oberflächen mit polierten Winkeln, silberweißen Rhodiumflächen und schwarzen Akzenten.

Vacheron Constantin: Patrimony Traditionnelle 14-day Tourbillon

Ausgezeichnet mit der Genfer Punze: Die Patrimony Traditionelle

Ausgezeichnet mit der Genfer Punze: Die Patrimony Traditionelle

14 Tage Gangreserve und ein wirklich außergewöhnliches Zifferblatt besitzt die Patrimony Traditionnelle 14-day Tourbillon. Das neue Modell der Patrimony-Linie besitzt das neu entwickelte mechanische Handaufzugskaliber 2260. Die zweiwöchige Gangreserve kommt durch vier jeweils paarweise angeordnete Federhäuser zustande, deren Zugfedern eine Gesamtlänge von 2,20 Meter besitzen. Das aus 231 Komponenten gefertigte Kaliber hat nur noch zwei (statt bisher drei) große Brücken, die die Finissierung besser zur Geltung bringen.

Das Gehäuse ist aus Roségold gefertigt, es gibt eine kleine Sekunde bei sechs Uhr auf dem Tourbillonkäfig und eine Anzeige der Gangreserve.

Parmigiani Fleurier: Tonda

Beruhigend: Die Anzeige der Mondphase muss man bei der neuen Tonda nur alle 120 Jahre mal korrigieren

Beruhigend: Die Anzeige der Mondphase muss man bei der neuen Tonda nur alle 120 Jahre mal korrigieren

Parmigiani Fleurier zeigen mittlerweile schon das 17. selbst entwickelte Kaliber. Das PF 339 Jahreskalender baut auf dem Automatikwerk PF 331 auf und ist mit einem neuen Zusatzmodul versehen. Der Jahreskalender läuft im umgekehrten Uhrzeigersinn - das heißt bei den Uhrmachern retrograd. Der Mechanismus berücksichtigt automatisch die verschiedenen Monatslängen mit 30 oder 31 Tagen. Einmal im Jahr muss man sie allerdings korrigieren - es sei denn, es ist gerade ein Schaltjahr, dann wird am Monatsende des Februar der 29. Februar und am darauffolgenden Tag automatisch der 1. März angezeigt.

Dafür kann man die Mondphasenanzeige getrost vernachlässigen, um die können sich dann die Erben in nächster oder übernächster Generation kümmern - die Anzeige muss nur alle 120 Jahre nachjustiert werden. und zeigt gleichzeitig den Mondstand für die nördliche und südliche Hemisphere an. Die besondere Bauweise dieser Mondphase minimiert die Abweichung zwischen dem klassischen üblicherweise eingesetzten Mondzyklus (29 Tage und 12 Stunden) und dem tatsächlichen Mondzyklus (29 Tage, 12 Stunden, 44 Minuten und 2,8 Sekunden).

Gehäuse und Ziffer gibt es in verschiedenen Varianten.

Cartier: Rotonde de Cartier Cadran Lové Tourbillon

Ungewöhnliche Optik: Die Rotonde de Cartier mit fliegendem Tourbillon saugt den Blick nach innen

Ungewöhnliche Optik: Die Rotonde de Cartier mit fliegendem Tourbillon saugt den Blick nach innen

Foto: Laziz Hamani / Cartier

Das ist mal eine ungewöhnliche Optik: Die schräg angeordneten und sich zur Krone hin verjüngenden römischen Ziffern saugen den Blick nach innen, in die Uhr hinein. Das Gehäuse aus Weißgold hat einen Durchmesser von 46,4 Millimetern und beherbergt das bewährte Kaliber 9458 MC mit fliegendem Tourbillon.

Das Kaliber besteht aus 167 Teilen und hat eine Gangreserve von 50 Stunden. Die Krone wird, wie bei Cartier üblich, von einem im Cabochon-Schliff gerundeten Saphir geschmückt. Die bis 30 Meter wasserdichte Uhr ist auf 100 numerierter Exemplare limitiert. Aber wer geht schon mit seiner Cartier ins salzige Meer oder ins verchlorte Hallenbad?

Cartier: Masse Secrète panther décor

Raubtier am Handgelenk: Eleganter und zugleich verspielter kann man Technik wohl kaum verpacken.

Raubtier am Handgelenk: Eleganter und zugleich verspielter kann man Technik wohl kaum verpacken.

Foto: Laziz Hamani / Cartier

"Schwungmasse" ist ein sehr unelegantes Wort. Cartier hat eine sehr elegante Form für diese Komponente des automatischen Aufzugs gefunden - einen diamantenbesetzten Panther, der sich geschmeidig vor schwarzem Perlmutt dreht.

Die Schmuckuhr Masse Secrète panther besitzt das Kaliber 9603 MC und sitzt in einem Weißgoldgehäuse von 42 Millimetern Durchmesser. 633 Diamanten schmücken das zeitmessende Kunstwerk, das eine Gangreserve von 48 Stunden hat.

Baume & Mercier: Capeland

Inspiriert von einer Uhr aus dem Jahr 1948: Die Capeland von Baume und Mercier

Inspiriert von einer Uhr aus dem Jahr 1948: Die Capeland von Baume und Mercier

Mit der Neuauflage der Capeland, die auf einen Chronometer aus dem Jahr 1948 zurückgeht, setzt Baume & Mercier auf maskuline Eleganz. Die Formensprache der Uhr reicht allerdings noch weiter zurück - das runde Glas erinnert an Taschenuhren aus dem frühen 19. Jahrhundert. Die Uhr besitzt einen Selbstaufzug und ein Bi-compax-Kaliber von La Joux Perret. Das Werk ist durch eine Saphirglasabdeckung auf der Rückseite sichtbar. Erstmalig hat sich Baume & Mercier bei einer Capeland für ein schwarzes Zifferblatt entschieden.

Jeanrichard: Highlands Big Life

Unverwüstlich: Die Highlands Big Life ist eine harte Uhr für harte Burschen

Unverwüstlich: Die Highlands Big Life ist eine harte Uhr für harte Burschen

Auch Jeanrichard besinnt sich auf vergangene Erfolgsmodelle und legt die Highlands wieder auf, die Mitte der 1990er viel Aufmerksamkeit auf sich zog - vor allem durch die Naturfotografien von Peter Beard, mit denen die damalige Kampagne für die Outdoor-Abenteurer-Uhr illustriert war.

Das Gehäuse wurde modernisiert, ist aber nach wie vor auf möglichst maskuline Wirkung hin gestaltet. Wasserdicht ist es bis zu 100 Metern, Globetrotter können sich über die Anzeige einer zweiten Zeitzone freuen, und auch unter Afrikas Sternenhimmel kann man dank luminiszierender Zeiger und Ziffern noch ablesen, welche Stunde geschlagen hat. Die Gangreserve beträgt mindestens 48 Stunden, und das Stahlgehäuse ist nahezu unverwüstlich.

Girard-Perregaux: 1966

Mit auffälligem Ruthenium-Zifferblatt: Die 1966 von Girard-Perregaux

Mit auffälligem Ruthenium-Zifferblatt: Die 1966 von Girard-Perregaux

Im Jahr 1966 wurde die Uhrenmanufaktur Girard-Perregaux vom Observatorium Neuenburg mit dem "Prix du Centenaire" ausgezeichnet. Die Kollektion Girard-Perregaux 1966 soll an dieses ruhmvolle Ereignis anknüpfen und zeigen, was die Uhrmacher heute auf dem Gebiet der präzisen Zeitmessung leisten können. Das aus 287 Elementen bestehende Kaliber GP033M0 mit Automatikaufzug wurde vollständig in der Manufaktur Girard-Perregaux entwickelt und gefertigt.

Mit ihrem Zeiger zwischen der Drei und der Vier weist die Zeitgleichung auf die Abweichung zwischen der wahren und der mittleren Sonnenzeit beziehungsweise der bürgerlichen Zeit hin. Die Dauer eines Sonnentages variiert jeden Tag aufgrund der elliptischen Form der Erdumlaufbahn. Diese astronomische Komplikation beruht auf einem ausgefeilten Mechanismus, bestehend aus einer Jahresscheibe mit elliptischer Nocke, die die Bewegung der Erde um die Sonne nachahmt.

Jaeger-LeCoultre: Duomètre à Quantième Lunaire 40,5

Klassischer Look in Roségold: Die feine Uhr besticht durch eine ausgeklügelte Technik mit zwei separaten Energiequellen

Klassischer Look in Roségold: Die feine Uhr besticht durch eine ausgeklügelte Technik mit zwei separaten Energiequellen

Die Duomètre à Quantième Lunaire 40,5 ist eigentlich ein Hybrid. Die Uhr besitzt zwei unabhängig voneinander arbeitende Energiequellen: Die erste wird durch die Hemmung und die Unruh geregelt und dient ausschließlich der Zeitmessung. Die zweite wird durch den Zeigermechanismus der Blitzsekunde synchronisiert und ist für die Funktionen zuständig: Stunden, Minuten, Sekunden, Jahreskalender und Mondphasen für beide Hemisphären.

Das ist keine reine Spielerei, sondern hat einen handfesten Hintergrund: Eine Komplikation wie ein Jahreskalender zieht gemeinhin in einer klassischen Uhr Beeinträchtigungen hinsichtlich der Präzision der Zeitanzeige nach sich. Bei getrennten Energiequellen passiert das nicht.

Das Kaliber 381 läuft, teilweise verborgen, in dem ganz auf schlichte Eleganz getrimmten Gehäuse. Die Blitzsekunde bewegt sich in Sechstelsekunden-Sprüngen fort.

Richard Mille: RM 037

Etwas unübersichtlich, aber schön: Richard Milles RM 037

Etwas unübersichtlich, aber schön: Richard Milles RM 037

Eingebettet in Titanium geht das Automatikkaliber CRMA1 seiner Arbeit nach. Das Datum ist groß an der XII angesiedelt; acht auffällige Schrauben zieren das elegant geschwungene Gehäuse. Der Clou der Uhr ist der neue Kronenmechanismus, auf den Richard Mille ein Patent hält.

Man sieht der Uhr ihre Herkunft aus dem Geist des Motorsports auf den ersten Blick an. Mille spielt gerne mit High-Tech-Materialien und Funktionen. Zwei dezente Knöpfe, einer bei IV, einer bei X, dienen der Wahl des Aufzugs und der Änderung des Datums. Schon das leere Gehäuse wird in 255 Einzelschritten hergestellt. Die Uhr ist bis 50 Meter wasserdicht.

Uhrenmarken-Quiz: Wie gut kennen Sie die Welt der Chronographen?

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