Sonntag, 18. August 2019

Geschichte des Bürostuhls Sitze der Macht und der Mühsal

4. Teil: "96 Prozent des Modells 'Mirra' sind wiederverwertbar"

mm: Welche sind das?

Olivares: Bei gutem Wetter im Freien zu arbeiten bedeutet, dass der Stromverbrauch und die damit verbundenen Kosten sich drastisch reduzieren. Heizung, Lüftung, Klimatisierung aber auch Licht gibt es dank der Sonne quasi umsonst. Das Arbeiten im Schatten wird wiederum als angenehmer empfunden als das Arbeiten unter fluoreszierendem Licht.

mm: Bildschirmarbeit bei Sonnenschein ist aber anstrengend, weil Texte und Bilder schlecht zu erkennen sind.

Olivares: Stimmt. Dennoch kann ich mir vorstellen, dass Schulen, Universitäten und kreative Unternehmen auf ihren Dächern oder auf ihrem Rasen potentielle Abnehmer für ein Outdoor-Möbelkonzept sind. Arbeiten im Freien ist eine wirklich intelligente, angenehme und realistische Sache.

mm: Spielt das Thema Nachhaltigkeit bei Bürostühlen eine Rolle?

Olivares: Ja, auf jeden Fall. 2003 stellte Herman Miller den "Mirra" vor. 96 Prozent des Produkts sind wiederverwertbar, 42 Prozent der Materialien sind bereits recycelt. Viele Teile wurden extra so entworfen, dass die verschiedenen Materialien sorgsam getrennt oder ganze Elemente wiederverwendet werden können. Das beinhaltet ganz andere Anforderungen an den Gestalter.

mm: Was bedeutet die Auseinandersetzung mit dem Thema Stühle für Sie als Designer?

Olivares: Anders als Pflanzen und Tiere, wo die Evolution langsam über Tausende von Jahren stattfand, mutieren Gegenstände wie Stühle durch Eingriffe von Designern. Es sind spezielle Arbeitsinstrumente. Ich kann Ihnen aber versichern: Das nächste Projekt wird nichts mit Bürostühlen zu tun haben (lacht). Ich kuratiere aktuell im Rahmen der Experimenta Design Biennial in Lissabon eine Ausstellung zum Thema "Nutzlos", also ein fast gegenteiliges Thema.

© manager magazin 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung