Dienstag, 16. Juli 2019

Luxusdüfte aus Oman Arabiens edelste Aromen

2. Teil: Schwer, süß und sinnlich - typisch arabisch

Mit "Gold" begann 1983 die Geschichte neu. Seitdem sind die meisten der Düfte von Amouage wie Gold, Reflection, Memoir, Dia, Lyric oder Epic so reich, opulent und sinnlich, wie man es von arabischen Parfums erwartet. Die großzügige Verwendung kostbarer Rohstoffe lässt immer wieder Düfte entstehen, die mit ihrer Stärke, Süße und Schwere für europäische Nasen oft gewöhnungsbedürftig sind.

"Manche mögen sagen, dass unsere Düfte sehr stark sind", sagt der britische Geschäftsführer David Crickmore, "und das ist auch so. Dafür entschuldigen wir uns aber nicht. Wir sind eben ein arabisches Haus." Das bemerkt man auch in den Verkaufsstätten von Amouage. Dort werde man ganz in der Tradition der arabischen Gastfreundschaft auf das Wärmste willkommen geheißen - so die Lokalpresse anlässlich der Eröffnung des Flagship Store in Muscat, neben der Boutique in Dubai der zurzeit einzige Amouage-Shop.

Auch das Verpackungsdesign steckt voller Anspielungen auf die reiche Tradition der Region: So ziert die Flakons der Damendüfte ein Verschluss, der an die Kuppel der neuen Moschee in Muscat erinnert. Die Flakons der Herrendüfte werden mit einem Aufsatz verschlossen, der dem Griff des Khanjar, des traditionellen omanischen Krummdolchs, ähnelt.

Immer wieder beziehen sich die Themen der Parfums auf arabische Legenden. So belebt der Duft "Ubar" die Erinnerung an eine antike, versunkene Weihrauchhandelsstadt, die der Legende nach durch den Handel zwischen den Küstenregionen der arabischen Halbinsel und den Handelszentren des Mittleren Ostens und Europa zu sagenhaftem Reichtum kam. Erst vor rund 25 Jahren wurden die Überreste der Stadt im Süden des Omans tatsächlich wiederentdeckt. Sie war fast vollständig im Wüstensand versunken.

Harz für 50.000 Euro pro Kilogramm

Für den Duft "Epic" verwendeten die Parfumeure Oud, das fermentierte Holz des Adlerholzbaums. Der Baum produziert bei Schädlingsbefall ein schützendes, intensiv duftendes Harz, das mit Preisen von bis zu 50.000 Euro für das Kilogramm gereinigten Harzes aus gut fermentierten Stücken zu den teuersten Naturharzen überhaupt gehört. Das kostspielige Oud-Holz findet in der arabischen Alltagskultur auch als Räucherwerk und Attar-Öl großzügige Verwendung. Damit werden Gäste geehrt, Räume und Kleider beduftet und die Luft gereinigt.

So gehört bei jedem Wochenendeinkauf in den Emiraten auch der Besuch einer Oud-Boutique zum Pflichtprogramm. In Geschäften, die aussehen wie eine Mischung aus orientalischer Apotheke und Juweliergeschäft, kauft man zum Beispiel Attar. Aus großen bauchigen Glasflakons werden winzige Mengen an Duftölen in kleinere Fläschchen für den persönlichen Gebrauch abgefüllt. Dabei kann man aus diversen Oud-Ölen wählen, manchmal angereichert mit Blumendüften oder weißem Moschus. Nach zwei bis drei Geruchsproben wird dem Kunden eine Holzbox, gefüllt mit frisch gemahlenem Kaffeepulver, unter die Nase gehalten. Das soll den Geruchssinn wieder neutralisieren und frei machen für weitere Dufterlebnisse.

Mittlerweile hat sich "Amouage" von einem Luxusprodukt für den arabischen Markt zu einem international begehrten Nischenprodukt entwickelt. Es ist das einzige Produkt, das weder aus den USA noch aus Europa oder Japan stammt und dennoch den prestigeträchtigen Titel "Star-Produkt des Jahres" gewonnen hat. Diese Auszeichnung, die jährlich in Cannes verliehen wird, gilt als "Oscar" der Luxusgüterindustrie und untermauert den Anspruch des Parfumhauses, die "einzige internationale Luxusmarke aus Arabien" zu sein.

In rund 30 Ländern kann man die Düfte des Hauses, das seinen minimalistisch-modernen Hauptsitz in Sib nahe der omanischen Hauptstadt Muskat errichtet hat, mittlerweile erwerben, zum Beispiel bei Harrods in London, dem KaDeWe in Berlin und Bergdorf Goodman in New York. In jedem Karton findet der Kunde zum Flakon ein Zettelchen mit einem handgeschriebenen Gruß. In Deutschland bietet das orientalische Unternehmen rund elf verschiedene Düfte an. 50 Milliliter kosten zwischen 130 und 420 Euro.

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