Donnerstag, 27. Juni 2019

Designer Peter Schmidt Der Ikonenmacher

Auch mit 73 Jahren gilt Peter Schmidt als Ikonenmacher unter den Designern. Doch der Wahlhamburger gibt nicht nur Produkten und Firmen ein Gesicht. Auch Bühnenbilder und Konzerthäuser gehören zu seinem Repertoire. In seinem neuen Projekt gestaltet Schmidt sogar die Zukunft.

Hamburg - Wenn Peter Schmidt am Flughafen warten muss und seine Mitreisenden betrachtet, dann ist das für ihn nicht unbedingt ein Vergnügen. Denn als Designer erkennt er sowohl in Bauwerken als auch im Kleidungsstil seiner Mitmenschen viele große und kleine ästhetische Sünden. "Doch ich habe mich mittlerweile total davon freigemacht", sagt Schmidt, der seinen geschulten Blick lieber für seinen Job aufbewahrt. Und für das Innenleben seiner Stadtvilla in Hamburg-Harvestehude.

"Die ist tatsächlich komplett durchdesignt", berichtet Schmidt. Und genauso schaut es auch in seinem Atelier nahe der Außenalster aus. Umgeben von den vielen Verpackungen, die Schmidt in seinem Arbeitsleben entworfen hat und die durch ihn zumeist eine große Bekanntheit erlangt haben. Dazu gehören Parfüm-Flakons wie "Davidoff Cool Water", die Apollinaris-Mineralwasserflasche sowie die Logos diverser Unternehmen, der Bundeswehr oder der Stadt Hamburg. Hinzu kommt die Gestaltung zahlreicher Bühnenbilder, zum Beispiel für das Opernhaus Zürich und das Schleswig-Holstein Musik-Festival, oder gar einer ganzen Konzerthalle wie in Bamberg.

Sein Flakon für Jil Sander stand sogar schon im Museum of Modern Art - eine Auszeichnung, die nur wenige Designer vorweisen können. Derart erfolgreich, plante der gebürtige Bayreuther daher vor fünf Jahren auch einen großen Einschnitt. Schmidt verkaufte 2006 sein Anfang der 70er Jahre gegründetes und seitdem stark gewachsenes Unternehmen "Peter Schmidt Studios" an die Werbeagentur BBDO, wo es nun als "Peter Schmidt Group" firmiert.

Mit einer kleineren Truppe und mit deutlich weniger Verwaltungsarbeit wagte der begeisterte Maserati-Fahrer damals einen Neustart. "Nach dem Ausstieg aus der Welt des Produktdesigns war ich mir sicher, mich in Zukunft nur noch mit Theater- und Bühnenbildern sowie Ausstellungen zu beschäftigen." Doch für viele seiner Stammkunden war das nicht ganz einfach zu verstehen. Und der Erfolg hat den Sammler asiatischer Kunst dann auch schnell wieder eingeholt.

Lieber drei als fünf Signale

"Ich gelte wohl noch immer als ein Liebling der Industrie", sagt der ansonsten eher zurückhaltend auftretende Schmidt selbstbewusst. Und er gilt auch als Mann für die besonderen Aufgaben, wie beim Parfümhersteller Mäurer & Wirtz, für den er zum gelungenen Relaunch des berühmten Kölnisch Wasser "4711" beigetragen hat.

"Für die meisten Menschen hatte '4711' den Ruf eines Omi-Parfüms, doch es ist uns gelungen, die Marke mit dem neu geschaffenen Duft '4711 Nouveau Cologne' wieder aufzupolieren", berichtet Schmidt. Das neue Eau de Cologne kam im Sommer - passend zum Namen natürlich am 4. Juli 2011 - in einem neuen Gewand auf den Markt: "Seitdem erlebt es einen kleinen Boom und wird auch stark von jungen Frauen nachgefragt", sagt Schmidt, dessen Produktdesgin maßgeblich dazu beigetragen haben dürfte, die schon arg verstaubte Marke wiederzubeleben.

Strenge gehört für Schmidt zu den wichtigsten Prinzipien eines attraktiven Designs. Und damit verbunden die Reduzierung: "Wir leben im Zeitalter der Reizüberflutung und nehmen daher vieles nicht mehr wahr. Um den Verbraucher dennoch zu erreichen, biete ich ihm daher lieber drei statt fünf Signale an", sagt Schmidt. Ein von ihm konsequent gelebter Grundsatz, den man allen seinen Produkten ansieht - und der sie wohl so erfolgreich macht.

"Wichtig ist es zudem, stets neu entstehende Vorurteile immer wieder zu kippen. Das gelingt jedoch nur durch die Bereitschaft zu einem permanenten Blickwechsel im Beruf", so der Designer. Auch seine jüngst erschienene Biografie "Inszenierte Welten - der Gestalter Peter Schmidt", in dem auf knapp 400 Seiten sein Lebenswerk ausgebreitet wird, ist für ihn kein Grund zum Zurücklehnen.

"Ich stecke voller Pläne, gerade habe ich mich mit dem Aktionskünstler André Heller getroffen, um dessen neues Buch zu gestalten", so Schmidt. Für ein Theaterstück der österreichischen Schriftstellerin und Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek entwirft er das Bühnenbild. Darüber hinaus ist er auch am Konzept eines Museums beteiligt, dem "Museum der Zukunft". Dieses soll in drei Jahren in Frankfurt am Main eröffnen, in Zusammenarbeit mit dem Senckenberg-Museum. "Wir möchten den Besuchern dort vor allem interaktiv zeigen, wie sich die Welt in den kommenden Jahrzehnten verändern wird", sagt Schmidt.

Ein klassischer Ruhestand scheint also undenkbar. Das sieht Peter Schmidt selbst genauso: "In zwei Jahren werde ich 75 Jahre alt", sagt der sportlich schlanke Designer. Dann werde er neu entscheiden, ob er sich die vielen langen Reisen im Flugzeug noch weiter zumuten möchte. Doch wenn die Gesundheit mitspielt, dürfte die Entscheidung eindeutig ausfallen. Denn die Vorstellung, mit seiner Arbeit einfach aufzuhören, bereitet dem Meister des guten Geschmacks sichtlich Unbehagen.

© manager magazin 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung