Samstag, 24. August 2019

Möbel Sitzen auf Versace, Schlafen in Joop

Das Bett von Joop, den Ohrensessel von Versace und dazu ein Kuhfellteppich von Ralph Lauren. Modedesigner nutzen die Strahlkraft ihrer Marke, um neues Terrain zu erobern. Der bekannte Name macht Möbel manchmal nur teurer. Aber manche Entwürfe zeigen, dass ein guter Designer alles gestalten kann.

Köln/Rostock - Wolfgang Joop fischt in einem fremden Teich: Für die Neuen Wiener Werkstätten entwarf er jüngst eine Möbelkollektion mit Hochlehner, Bett und Paravent. Für Galeria Kaufhof reicht er von Oktober an ein Porzellanservice, Bettwäsche in japanischem Stil und Handtücher nach. Wer Sinn und Mittel dafür hat, kann sich daheim eine Joopsche Einrichtungswelt zusammenstellen.

Auch der Kleidungshersteller Esprit hat sein Sortiment auf Möbel und Wohnaccessoires ausgeweitet: Die Streifenoptik der Herbstdecken und Winterbettwäsche von "Esprit Home" lässt an Verkehrsnetze oder Testbilder denken - und natürlich ist sie an die Mode angelehnt, die das Unternehmen im Kerngeschäft anbietet.

"Marketing ist ja nichts Schlimmes", sagt Gerd Müller-Thomkins, Geschäftsführer des Deutschen Mode-Instituts (DMI) in Köln. Er findet es selbstverständlich, dass Hersteller die Reichweite ihrer Marken ausreizen wollen. "Mode ist ebenso Lifestyle wie Inneneinrichtung, und wenn eine ganze Palette von Lifestyles bedient werden kann, ist das natürlich ideal."

Und so findet man auch in den Läden der Modekette H&M Wohnaccessoires wie Gardinen, Kissen und Decken, deren Streifen-, Blumen- oder Blättermuster zu den aktuellen Modekollektionen passen. Vom Duschvorhang bis zum Retrowäschesack bleibt kaum etwas außen vor. "Wenn man die Kunden bereits zum Kleiderkauf im Laden hat, wird man auch versuchen, ihnen andere Dinge zu verkaufen", sagt Peggy Kastl, Innenarchitektin in Rostock.

Stil muss glaubwürdig vertreten werden

Die Anzahl der Modelabels, die für dieses Zweitgeschäft überhaupt infrage kommen, sei aber beschränkt, meint Müller-Thomkins. Speziell der deutsche Markt hinke hinterher, und nur wenige besäßen ein so klares Profil, dass sie einen Stil glaubwürdig und authentisch vertreten könnten. "Die Fashionmarke muss sich in diesem Lifestyle spiegeln, nur dann lässt sich ihre DNA auch auf den Möbelbereich übertragen - in Form, Farbe und Silhouette."

Dort können dann jene abgeholt werden, die auf Bewährtes setzen. "Marken sind ein Vertrauensanker", sagt Ursula Geismann vom Verband der Deutschen Möbelindustrie (VDM). "Gerade Männer sind beim Möbelkauf daher sehr markenorientiert", hat sie beobachtet.

Die großen Designer aus Italien, Frankreich oder den USA bedienen das schon lange. Ein Blick in deren aktuelle Kollektionen zeigt, wie aufeinader abgestimmt ihre Mode- und Einrichtungslinien sind: Die strenge Geometrie von Armanis schwarzem Overall mit V-Ausschnitt korrespondiert mit den harten Faltenkanten eines Paravents, Versaces neuer retro-futuristischer Lederohrensessel mit einer Chiffonbluse und Plateaupumps. Etro bringt einen funkelnden Seidenrock mit einem floral bedruckten Hocker zusammen und Hermès hat Möbel und Kleidung gleichermaßen aus Leder in warmen Brauntönen.

Ralph Lauren, Pionier der möbelmachenden Modedesigner, setzt sich mit uramerikanischen Themen auseinander: Er kreierte eine schick angefetzte Flickenjeans zum Baumwollhemd. Passend dazu bietet er einen Kuhfellteppich und einen Fledermausstuhl aus Leder und Leinen an, die an Cowboy-Pferdesättel und Rinderfarmen denken lassen.

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