Fotofestival Blicke auf die Menschheit

Der Anspruch ist hoch gesteckt. Ein "Portrait der Menschheit im Jahr 2011" will das große Fotofestival "The Eye is a Lonely Hunter" sein. Es versammelt 56 internationale Fotografen und Künstler an sieben Ausstellungsorten in drei Städten und ist eine spannende Bestandsaufnahme der Gegenwart.

Hamburg - Ein nacktes Mädchen fliegt, scheinbar schwerelos, durch die Luft. Eine würdige Dame sitzt, gekleidet in festliches Königsblau, vor ihrer Frisierkommode auf einer staubigen Straße. Zwei Männer schauen hinter ihren Schreibmaschinen hervor. Es sind starke Bilder, die den darauf abgebildeten Menschen sehr nahe kommen und doch weit über das Individuelle hinausweisen.

"The Eye is a Lonely Hunter" ist das 4. große Fotofestival übertitelt, das die Kuratorinnen Katharina Gregos und Solvej Helweg Ovesen unter das Thema eines neuen fotografischen Humanismus gestellt haben. 56 Künstler versammeln die an diesem Wochenende beginnenden sieben Ausstellungen in Mannheim, Ludwigshafen und Heidelberg, etwa 700 Arbeiten sind bis zum 6. November zu sehen. Das ist eine gewaltige Menge, und es ist spannend zu sehen, wie sehr sich die Herangehensweisen der Fotografen unterscheiden. Das Auge des Fotografen mag ein einsamer Jäger sein, aber jeder Fotograf jagt auf seine eigene Weise.

Am interessantesten sind die Abweichungen von dem, was man erwartet, die Brüche und Überraschungen, die manchmal nur in Nuancen, einer Geste, einer Haltung, einer Farbe, hervortreten. Erst in der Verdichtung des Augenblicks, manchmal in dessen Inszenierung, tritt das Einzigartige hervor.

Die Menschheit war schon immer ein großer Plural, aber erst seit wenigen Jahrzehnten kann der Blick auf sie so umfassend sein, so grenzübergreifend. Das Festival blickt mit Bedacht weit über Europa hinaus und zeigt Fotografen und Fotografien von allen Kontinenten. Man bekommt selten so geballlte künstlerische Vielfalt auf so überschaubarem Raum geboten.

mh
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