Wohnzimmermöbel Das Verschwinden des Fernsehers

Sie ist riesig, lang und breit. Die klassische TV-Wohnzimmerwand ist der Schrecken aller Einrichter. Das ausladende Regal sollte früher vor allem den Fernseher standesgemäß beherbergen. Doch den wollen heute viele nicht mehr sehen. Hier sind neue Lösungen für das Lieblingszimmer. 

Weißdorf/Bad Honnef - Schatz, versteck den Fernseher! Die Gäste kommen! Ein Druck oder ein Ruck genügt, und das große Gerät verschwindet in einer Kommode oder hinter einer Schrankwand. Zurück bleibt ein Wohnzimmer, in dem nicht der Medienkonsum seiner Nutzer im Mittelpunkt steht. Der Fernseher als Statussymbol hat ausgedient.

Trendanalystin Gabriela Kaiser aus Weißdorf sagt: "Jetzt gehört ein Flachbildschirm zur Normalität im Wohnzimmer, fast jeder hat einen. Deshalb muss ich ihn auch nicht mehr besonders herausstellen." Das wurde auf den Möbelmessen in diesem Jahr klar: Es waren Lösungen gesucht, die Geräte auf Knopfdruck schnell und einfach verstecken.

In den 60er und 70er Jahren war der Fernseher ein Statussymbol. "Damals war das ganze Wohnzimmer auf den Fernseher ausgerichtet, alle Möbel zeigten in diese Richtung", berichtet Ursula Geismann, Möbelexpertin des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie (VDM) in Bad Honnef. Aber irgendwann hatte jeder eines - erst ein dickes, klobiges Gerät in der TV-Regalwand, später ein flacheres und schickeres Gerät wie ein Bild an der Wand.

Als sich fast jeder die großen, ausladenden Geräte leisten konnte, setzte eine Wende ein, erläutert Gabriela Kaiser. "Heute soll das Zuhause ein Rückzugsort sein, hier will man Stress abbauen. Wer den ganzen Tag unterwegs ist, schaltet den Fernseher nur noch bewusst ein - wenn man etwa nur die Nachrichten oder einen Film sehen will." Aber dies sei nicht überall so: Bei manchen flimmere das TV-Gerät den ganzen Tag und zu allem, beim Kochen oder beim Bügeln.

Verschieben, verstecken, geschickt integrieren

Zwischen diesen Gruppen drifteten neuerdings die Wünsche an die Einrichtung auseinander: Die einen möchten ihren Fernseher und die Technik weiterhin möglichst präsent im Raum und immer parat haben. Die anderen - und das sei ein großer Trend - wählten hingegen verstärkt Einrichtungslösungen, die den Fernseher nur bei Bedarf schnell und einfach zum Vorschein bringen.

Die Einrichtungsfirmen Gruber+Schlager oder Tvilum verstecken den Fernseher hinter einer Schiebetür einer offenen Regalwand. Andere Anbieter setzen auf Einzelmöbel, die als Hingucker im Raum stehen. Schnepel versenkt etwa darin das TV-Gerät per Knopfdruck. "Das Möbelstück ist dann wichtiger als die Technik - es muss stilvoll sein", beschreibt das Kaiser. Das TV-Möbel des Unternehmens Hohrizontal 51 ist nur ein fünf Zentimeter dickes Regalbrett. Der Fernseher wird darüber an die Wand montiert und über USB an das Regal angeschlossen. Das war's - weitere Technik, etwa Lautsprecher und Kabel, ist in dem Brett integriert.

Die derzeit noch häufigste Variante ist dennoch eine Schrankwand mit sichtbarem TV. Allerdings hat das Gerät seine dominante Stellung verloren: Wie etwa bei Hülsta zu sehen ist, wirkt er wie ein Bild in einer Komposition aus mehreren Einzelelementen. Oder er fügt sich unauffällig in das Gesamtbild ein. "Früher waren die Regale tief, weil der Fernseher breit war. Heute können sie schmaler und flexibler sein", erläutert Möbelexpertin Geismann. Oder der Fernseher hängt an der Wand, im Regal steht dafür Deko.

Simone Andrea Mayer, dpa
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