Neue Wellnessduschen Perlen, Nebel, Wasserfälle

Regenbrausen im Tropenstil und bunte Lichter zu aromatisiertem Nebel fand man bis vor wenigen Jahren fast nur in den Wellnesszonen von Luxushotels. Allmählich setzen sich verschwenderische Wasserspielereien aber auch in Privathaushalten durch. Die Branche frohlockt.

Bonn - Noch nie war das Badezimmer mit so viel Aufwand ausgestattet wie heute. "Die Leute richten sich inzwischen ihre Badezimmer so ein, wie es eigentlich Wellnesshotels tun. Das reicht von der Regenbrause im Tropenstil über Champagner-Perleffekt in Whirlpools bis hin zu Hochdruckmassagen und Nebel in Duschkabinen", sagt Simone Struve, Sprecherin des Herstellers Villeroy & Boch.

Auch nimmt das Badezimmer heute mehr Platz im Wohnbereich ein. "Früher waren es durchschnittlich sechs Quadratmeter, heute sind es bereits acht", weiß Struve. Paul Flowers, Chefdesigner bei Grohe, dessen Team jüngst den red dot Award "design team of the year 2011" erhielt, erläutert: "Das Badezimmer ist das letzte Refugium für Entspannung. Es ist ein emotionaler Raum, der nicht nur der Reinigung dient, sondern auch ein Ort, um dem Tempo des Alltags zu entkommen."

Duschen können daher nun mehr als nur reinigen, sie verwöhnen auch: "Die medizinische und heilende Wirkung von Wasser wird bei den technischen Entwicklungen zunehmen", sagt Jens Wischmann von der Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft in Bonn. Die neuesten Multifunktionsduschen können etwa Rücken, Nacken und Fußreflexzonen massieren. Wasser kommt nicht nur von oben, sondern in verschiedenen Höhen von der Seite. Außerdem lassen sich manche Duschen in ein Dampfbad umwandeln. Ein Generator, der alle 20 bis 30 Anwendungen entkalkt werden muss, sorgt bei Temperaturen von bis zu knapp 50 Grad für Nebel.

Wer will, kann das fließende Wasser beleuchten und beduften. Auch das Wasser in vielen Badewannen und Whirlpools kann in Farbe getaucht werden. Musik über Lautsprecher sorgt für Entspannung oder ist Begleitung zum Gesang unter der Dusche. Kompliziert soll die Bedienung nicht sein: Bei einem System von Villeroy & Boch kann etwa die Befüllung der Badewanne dank Zeitschaltuhr 24 Stunden im Voraus programmiert werden. Es werden drei Kombinationen aus Wassermenge und Temperatur gespeichert.

Choreographien für individuelle Badrituale

"Erstmals lassen sich durch unsere Technik verschiedene Strahlarten zu programmierten Choreographien aus Wassertemperatur und -menge kombinieren, die die individuellen Badrituale bereichern", erläutert Andreas Dornbracht, Geschäftsführer des gleichnamigen Herstellers. Und Paul Flowers von Grohe meint: "Themen wie Beleuchtung, Unterhaltung und die Einstellung auf die jeweilige Tageszeit werden zunehmen. So kann am Morgen vitalisierend geduscht werden, am Abend wird dann die Dusche auf Entspannung programmiert."

Multifunktionsduschen gibt es auch als geschlossene Kabinen in verschiedenen Größen, als Eck- oder Vorwandeinbau und als Einbau in Wandnischen. Oft bieten sie Platz für zwei Personen. Vermehrt gibt es Ausstattungen für Senioren: Ebenerdige Duschen, leicht zu reinigende Oberflächen und leicht bedienbare Armaturen. "Das generationengerechte Bad und die Sicherheit in der Dusche sind aktuelle Themen", sagt die Kölner Innenarchitektin Birgit Hansen. Senioren sollten im Handel danach fragen - denn die Einrichtungen werden oftmals aus Marketinggründen nicht extra für Senioren ausgezeichnet, wie Simone Struve erläutert. "Die Leute wollen sich mit dem Thema nicht beschäftigen, aber die Industrie ist trotzdem gefordert, altersgerechte Kollektionen anzubieten."

Bei allem Komfort ist auch Sparsamkeit ein Thema im Bad. "Neue Verwirbelungstechniken und die Zufuhr von Luft senken den Wasserverbrauch deutlich ohne Komfortverlust", berichtet Jens Wischmann. Hansgrohe etwa bietet ein Ecosmartsystem an: Die Duschstrahlen richten sich nach den durchschnittlichen Körperformen aus, und das reduziert den Wasserverbrauch. Den Unternehmensangaben zufolge wird so bis zu 50 Prozent weniger Wasser verbraucht. Und durch einen geringeren Energieverbrauch zum Wasseraufheizen reduziere sich auch der CO2-Ausstoß.

Kritiker der Luxus-Duschen halten aber dagegen: "Der Verbrauch bei Multifunktionsduschen ist natürlich höher. Es wird mehr Wasser und Energie für die verschiedenen elektronischen Komponenten benötigt", sagt Birgit Hansen.

Carsten Grün, dpa

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