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Sammlerstücke: Designermesse als Möbelmarkt

Foto: James Harris

Designmesse Miami/Basel "Wer nicht schnell kauft, geht leer aus"

Parallel zur Art Basel lockt die Messe Design Miami/Basel derzeit Kunstsammler in die Schweiz. Im Gespräch mit dem manager magazin sagt die neue Messechefin Marianne Goebl, warum dort täglich ein Haus für Flüchtlinge auf- und abgebaut wird - und es sich lohnt, in Design zu investieren.
Von Hannah Bauhoff

mm: Seit vier Monaten sind Sie nun die neue Direktorin des Messe Design Miami - nun gibt es mit der Eröffnung der Design Miami/Basel den ersten Höhepunkt in Ihrer neuen Funktion. Wie lautet Ihr Auftrag?

Goebl: Diese Messe ist recht jung, es ist die zwölfte Messe insgesamt, die sechste Messe in Basel. Im Vergleich dazu - die Art Basel findet zum 42. Mal statt. Die Frage, die mich beschäftigt, lautet: Wie muss Design für Sammler positioniert werden? Wir als Design Miami sind eine Schwestermesse der Art Basel. Deswegen ist es gerade wichtig zu sagen: Hier geht es nicht um Kunst, sondern um das funktionale Design, das viele verschiedene Ausformungen haben kann.

mm: Was umfasst Ihr Designbegriff?

Goebl: Es ist eine eigenständige Disziplin, die uns umgibt und die unsere Welt in Form bringt. Design reicht sowohl von der Einzelstücken, die in Handarbeit hergestellt werden bis hin zu Objekten, die Maschinen in Massen produzieren. Design Miami repräsentiert all die Gegenstände, die zu der Sammlerwelt gehören. Daher haben wir hier einen edukativen Auftrag, weil diese Ausrichtung noch nicht bei einem breiteren Publikum angekommen ist.

mm: Welche Bedeutung hat diese Messe für den Markt?

Goebl: Es gibt hier unglaubliche kommunikative Kraft, denn hier kommen wirklich alle zusammen: Vom Sammler, den Galeristen über die Journalisten, die Designer, die Kritiker und die Kuratoren aus den Museen sowie Menschen, die sich einfach nur für Design begeistern. Es ist natürlich auch ein Datum, auf das alle hinarbeiten: Sowohl im zeitgenössischen Bereich, wo Ausstellungen nur extra zu diesem Event fertig gestellt werden als auch im historischen Bereich, bei dem es darum geht, die Geschichte zu erzählen, die man im Laufe der Jahre zusammen getragen hat. Die Messe ist also immer ein Höhepunkt - und zugleich ein Multiplikator wie auch ein Markplatz. Der willige Käufer muss der erste sein, sonst sind die Stücke weg. Es herrscht eine Konkurrenzsituation - sowohl für die Aussteller als auch für die Sammler.

mm: Wo liegt im Vergleich zu einer Möbelmesse wie der imm cologne oder der Salone Internazionale del Mobile bei der Design Miami/ Basel der Fokus?

Goebl: Die beiden genannten Messen sind "Trade Shows", an denen die Möbelindustrie ihre Neuheiten zeigt. Bei der Design Miami hingegen richten sich Galerien an private und institutionelle Sammler. Hier geht es darum, ein Programm zu präsentieren und damit zu überlegen, wo welcher Teil des Programms am besten gezeigt werden kann.

mm: Und welche Formen bieten sich an?

Goebl: Ein Beispiel: Die Pariser Galerie Patrick Sequin hat letztes Jahr in Miami eine Installation von Jean Royére gezeigt. Die gesamte Präsentation glich einem Period Room, also einem spezieller Ausstellungsraum, in dem verschiedene Werke in einem Ambiente präsentiert werden. Der Raum war mit Tapete ausdekoriert. Es gab ein Bett, Sofas, Wandapliquen. Es war ein Blick in die Vergangenheit - perfekt gemacht.Jetzt stellt Patrick Sequin ein Architekturprojekt vor, das er in Miami vielleicht nicht gezeigt hätte. Es ist ein Haus von Jean Prouvé, das dieser im Jahr 1944 für Kriegsflüchtlinge in der Lorraine entworfen hat. Das Haus wird täglich vor den Besuchern auf- und wieder abgebaut, um die Intelligenz und Schönheit des Projekts zu demonstrieren.

mm: Wer stellt aus?

Goebl: Die Aussteller sind alle Galeristen. Nur die "Designer of the Future", in diesem Jahr Asif Khan Mischer'Traxler und Studio Juju, sind während der ganzen Zeit vor Ort. Aber zur Eröffnung kommen auch die Designer, deren Objekte ausgestellt werden - oder aber die Erben von bereits verstorbenen Gestaltern. Ich sah Frau Panton flanieren…

"Design als Massenphänomen beginnt gerade erst"

mm: Wie schätzen Sie die aktuelle Bedeutung von Design ein? Welche Indikatoren gibt es?

Goebl: Design als Massenphänomen beginnt gerade erst - das hat man inzwischen verstanden. Ich glaube, dass es in der allgemeinen Wahrnehmung als kulturelle Disziplin in den letzten Jahren immer stärker geworden ist - generell ist die Aufmerksamkeit für Design größer, wenn man sich die steigende Anzahl der Designpublikationen ansieht.

mm: Gibt es weitere Indikatoren?

Goebl: Immer mehr Museen, die nicht als Designmuseen angelegt waren, beginnen Design zu sammeln. Und es eröffnen sehr viele neue Galerien für Design. Das bedeutet, dass es sich lohnt, sich Design zu widmen und in dieses Thema zu investieren. Man merkt, es ist eine sehr positive Stimmung im Moment. Jedoch ist das Thema Design als Sammlerobjekt noch nicht überall angekommen.

mm: Woran liegt das?

Goebl: Es gibt diesen Diskurs nicht. Ich würde gerne erreichen, dass Design eine eigenständige Rolle spielt. Und dass die Bereite und Tiefe dieses Feldes hier dargestellt werden kann - und dass wir ein breiteres Publikum erreichen. Es geht darum, dass Design als eigenständiger Teil der Kultur wahrgenommen wird.

mm: Welche Erwartungen gibt an die Messe?

Goebl: Die Stimmung unter den Galeristen und Besuchern ist extrem positiv, denn die Galeristen zeigen hervorragendes Material in gut durchdachten Präsentationen. Ein weiterer Grund könnte die Änderung des Layouts sein. Im letzten Jahr gab es in der Halle drei Gänge - wenn man so will, glich die räumliche Aufteilung in der Halle dem Straßennetz von New York.

mm: Und jetzt?

Nun haben wir eine mittelalterliche Stadt mit Plätzen, die sich öffnen. Im Vorfeld war die Diskussionen über diese veränderte Wegführung durch die Halle groß und die Reaktionen verhalten - so ist es immer, wenn man etwas ändert. Aber jetzt ist die Stimmung unglaublich gut, denn das Layout ist gut, das Material ist gut - es sind außergewöhnliche Objekte zu sehen. Die Qualität der ausgestellten Gegenstände spielt natürlich die wichtigste Rolle für die Atmosphäre. Galeristen sehen wenn sie aufbauen als erstes, wie das Niveau der Schau wird. Wenn man weiß, die anderen haben auch gute Sachen mit, dann lädt sich die Stimmung natürlich gegenseitig auf - und das wird auch auf die Käufer übertragen.

mm: Woran werden Sie den Erfolg messen?

Goebl: Es gibt sowohl qualitative als auch quantitative Elemente: Ich habe natürlich einen Anspruch an die Präsentationen, wie läuft die Messe und - und quantitativ sind es zum einen die Besucherzahlen, zum anderen wie erfolgreich die Galeristen verkaufen werden.

mm: Die Preise für moderne Kunst sind sehr hoch. Vor zwei Monaten wurde das Triptychon "Ewige Liebe" des zeitgenössischen chinesischen Malers Zhang Xiaogang für sieben Millionen Euro versteigert. Wie schätzen Sie die Entwicklung im Design ein?

Goebl: Dadurch dass dieser Bereich ist noch relativ überschaubar, hat diese Spekulationsblase eigentlich nicht statt gefunden. Man merkt, dass Design wichtiger wird, denn das System gleicht dem der freien Kunst. Es ist ein Galaxiensystem, also es gibt Spezialisten, die sich gewissen Strömungen widmen. Zudem ist es ein Markt der Verknappung und nicht ein Markt des offenen Angebots. Es ist sehr viel Expertenwissen im Spiel, denn die notwendigen Informationen muss man sich erarbeiten, sie liegen nicht auf der Straße. Das ist ja in der Kunst ähnlich. Es findet eine Art von Erhöhung von Inhalten und Themen statt.

mm: Wie findet ein Laie den Preis und damit den Wert der einzelnen Objekte heraus?

Goebl: Indem man sich an den Galeristen seines Vertrauens wendet. Es gibt eine gewisse Transparenz in diesem Bereich, doch sind Preise nicht im Internet innerhalb von zwei Minuten zu finden.

mm: Haben Sie selbst eine Sammlung?

Goebl: Nein, ich sammle nicht. Ich habe ein paar Objekte von befreundeten Designern, aber dadurch, dass ich in den vergangenen zehn Jahren durch meine Tätigkeit immer direkten Zugang zu herausragenden Designobjekten hatte, musste ich sie nicht für mich haben.

mm: Ist es sinnvoll, Industriedesign zu sammeln?

Goebl: Man kann frühe Prototypen sammeln, und man kann natürlich auch historische Stücke sammeln. Das sind ja auch Industriemöbel, die am Anfang einer Entwicklung standen. Der Sammler will ja immer das Besondere und das Rare. Das heißt, er wird nicht unbedingt den hunderttausendsten Stuhl sammeln, sondern den ersten Stuhl.

mm: Wie baut man eine Designsammlung auf?

Goebl: Design ist ja noch relativ erschwinglich. Das heißt, man kann mit einem Budget, mit dem man sich in der Kunst nur sehr bescheiden aktivieren kann, sehr gutes und relevantes Design kaufen.

mm: Ihr Tipp?

Goebl: Nein, das mache ich nicht. Ich gebe keine Tipps (lacht).

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