Schöne Energiesparhäuser Von Haus aus warm

Das Geheimnis nachhaltiger Häuser ist ihre Bauweise. Wände und Dächer sind dick verpackt, Umweltenergie aus der Erde, der Luft, dem Grundwasser oder direkt von der Sonne wärmt Heizung und Brauchwasser. Dass so viel Technik auch noch richtig gut aussehen kann, beweisen diese fünf neuen Häuser.
Von Thomas Eichhorn
Foto: Christian Burmester


Zur Sonne, zur Freizeit!

Eine durchgehende Glasfront, die intime Terrasse und der glasklare Schwimmteich geben diesem Bungalow im ostfriesischen Varel das Flair eines Ferienhauses. Seine sommerliche Note ist auch dem modernen Energiekonzept zu verdanken: Es muss kaum geheizt werden

Peter Kurzhals ist einer jener Bauherren, bei denen Architekten heute mitunter ins Schleudern geraten: Sie sind bestens informiert. U- und K-Werte sind ihnen so geläufig wie der Unterschied zwischen Flach und Röhrenkollektoren. Wer heute baut, muss sich intensiv mit Energiefragen beschäftigen. Die Art des Heizkessels, der Fenster und der Dämmung bedingen die Ökowerte eines Hauses, und die sind dafür entscheidend, ob und wie viele öffentliche Fördergelder in die Finanzierung fließen.

Am liebsten hätte Peter Kurzhals eine Erdwärmepumpe für die Fußbodenheizung eingesetzt. Ihre Effektivität ist imposant: Sie macht aus 25 Prozent Antriebsenergie (Strom) 75 Prozent kostenlose Wärme, indem sie durch Druck (Pumpe) ein Kältemittel zum Vergasen bringt und die dabei frei werdende Wärme gewinnt. Weil Varel Grundwasserschutzgebiet ist, durfte Kurzhals allerdings keine Tiefbohrung machen und entschied sich für einen Energiemix aus Solar-Röhrenkollektoren und Gas-Brennwerttherme. Die 15 Quadratmeter große Solaranlage auf dem Dach ist exakt nach Süden ausgerichtet und so ertragreich, dass die Therme überhaupt nur zwischen Oktober und April in Betrieb ist. Kurzhals freut sich, dass er seinen Warmwasserbedarf inklusive Fußbodenheizung zu zwei Dritteln allein mit Sonnenenergie deckt. Die Anlage arbeitet sogar bei bewölktem Himmel oder wenn es regnet, denn sie nutzt nicht nur die kurzwelligen UVStrahlen, sondern auch langwellige Reflexionsstrahlen.

Es sind genau diese langwelligen Strahlen, die Bärbel Eden und Peter Kurzhals auch in anderer Hinsicht genießen - auf ihrer Terrasse. Ein lang gestrecktes, breites Vordach aus Beton überspannt das hauslange Holzdeck und winkelt sich seitlich als Wand zu Boden. Im Sommer strahlt die massive Hülle so viel absorbierte Wärme ab, dass man sich kuschelig wie in einer Wolldecke fühlt. Überhaupt lebt das Paar im Sommer hauptsächlich in diesem Raumkontinuum zwischen Haus und Schwimmteich, einem fließenden Freiraum ohne Wände mit Blick ins weite Grün der ostfriesischen Natur. Auch das ist kein Zufall: Das Haus wurde mitsamt der Terrasse in die Mitte des Grundstücks gestellt, sodass die Nachbarhäuser nach hinten rücken und unsichtbar bleiben.

Alles ganz klar

Foto: Christian Burmester


Alles ganz klar

Einem Braunschweiger Paar waren pure Architektur und solide Bauweise am wichtigsen - mit dem Einrichten lässt es sich noch Zeit

Mittlerweile hat sich Karsten Müller daran gewöhnt, dass Fremde neugierig sein Haus beäugen. Er versteht dass Fremde neugierig sein Haus beäugen. Er versteht potenzielle Bauherren, keine zwei Jahre her, da war er selbst noch einer. Und wenn sein Haus nun Vorbild ist, dann hat er ja alles richtig gemacht.

Das Haus steht klar und scharfkantig im Gelände, seine lang gestreckten Fensterbänder, seine Vor- und Rücksprünge und der Kontrast zwischen den Eichenholzelementen und der strahlend weißen Fassade machen es zur Erscheinung. Die Häuser drum herum sprechen die selbe Architektursprache, Sattel- oder Walmdächer, Ziegel oder Sprossenfenster sucht man hier vergebens. Die Vorgabe der Stadt für das Baugebiet der südlichen Schunter Terrassen hieß: weiße Villen im Bauhausstil. Diese schlichte Ästhetik hatte Nadine Bachmann und Karsten Müller schon immer gefallen, doch erst Katja und Sascha Ahad (Ahad Architekten, Braunschweig) ebneten ihnen den Weg dahin.

Besonders sein Postulat, dass modernes Bauen heute ein Synonym für Ressourcenschonung ist, überzeugte die beiden. Was Ahad Architekten schließlich entwarfen, schöpft keineswegs alle Möglichkeiten des Energiesparens aus - das muss man sich eben auch leisten können -, trotzdem hat das Paar das Gefühl, selbst in den vergangenen harten Wintern kaum geheizt zu haben. Und in der Tat: von dem einen Euro pro Quadratmeter im Monat, den die junge Familie für Wasser, Gas und Strom zahlt, können die meisten Hausbesitzer nur träumen.

Das Haus ist energetisch optimal in den Sonnenverlauf gedreht, die großen Fenster schauen allein nach Südwesten. Die Nord- und die Ostseite sind dick gedämmt, 26 Zentimeter, mehr geht kaum. Das Kalksandsteinmauerwerk und die Betonelemente von Stürzen und Decken speichern Sonnen- und Heizwärme und geben sie langsam wieder ab, Bauteilaktivierung heißt das im Fachjargon. Unsichtbar auf dem Flachdach befinden sich Solarkollektoren, die den Energiebedarf für die Warmwasserbereitung übers Jahr zu zwei Dritteln decken.

Ein gutes Gefühl

Foto: Christian Burmester

Ein gutes Gefühl

Immer wenn Familie Hartmann-Wyrwa in Isernhagen ihren Kamin anfeuert, freut sie sich über weniger Energiekosten und mehr Klimaschutz

Keine Ahnung, ob sich das alles mal rechnet", sagt Christian Wyrwa über seinen Heizkamin, die Solarkollektoren und die dicke Wärmedämmung. "Irgendwann", erzählt der Fotograf, "war mir klar, dass die Rechnung anders aufgeht als in Euro und Cent; zum Beispiel in dem guten Gefühl, wenn ich mit dem Kaminholz aus unserem Wald das halbe Haus heize."

Das tun er und seine Frau fast täglich, der Kamin ist so romantisch wie vernünftig, er ist Herz und Kopf ihres Energiekonzepts: Während er brennt, wärmt er nicht nur die Raumluft, sondern erhitzt auch Wasser für Fußbodenheizung, Dusche und zum Abwaschen. "Nur bei Dauerfrost wie im letzten Winter springt die Gastherme ab und an unterstützend ein", sagt Wyrwa.

Es war der Architekt Jens-Uwe Seyfarth aus Wennigsen, der dem Paar aus Isernhagen die Sicherheit gab, das richtige Haus zu errichten. Um wenigstens anderthalbgeschossig bauen zu dürfen, erweiterte er das Erdgeschoss um einen flachen Anbau und tat damit den Vorschriften der Gemeinde Genüge. Seyfarth "komponierte" schließlich den geeigneten Energiemix: Gas, Sonne und Holz. Geeignet heißt in diesem Fall erschwinglich, angemessen und beruhigend.

Christian Wyrwa ist keiner, der auf Endgültigkeit zielende Effektivitätsstudien über sein Haus anstellt. Viel wichtiger ist ihm, dass die Familie das Haus auch in den kommenden 30, 40 Jahren bewohnen kann - im Erdgeschoss ist es schwellenlos, und die Treppe ist lifttauglich geplant. Haupt- und Nebenhaus könnten komplett getrennt von verschiedenen Parteien bewohnt werden. Jetzt hat der umtriebige Reisefotograf hier seinen Heimathafen, sein Archiv, Büro und Besprechungszimmer.

Seit Seyfarth mit seinem eigenen Haus in Wennigsen wichtige Preise gewonnen hat, wird sein Baustil im Großraum Hannover immer beliebter: ästhetische Baukörper, saubere Details, luftige Räume, niedrige Bau- und Energiekosten. Wie in Isernhagen.

Durch und durch geerdet

Foto: Christian Burmester

Durch und durch geerdet

Das Haus von Familie Bergmann-Eisen in Gifhorn zapft in zwei Metern Tiefe die Erdwärme des Gartens an. Heizen und Energiekosten sind kein Thema mehr

Hätte es keine Fußbodenheizung, könnte sich das Haus der Bergmann-Eisens Passivhaus nennen, es verbraucht nämlich für Heizung und Warmwasser keine 19 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr. Aber es hat eine, die läuft allerdings nur mit 30 Grad statt mit 38 und ist "für alle Fälle" gedacht, wie Bauherrin Kerstin Bergmann verrät: "Man weiß ja nie."

Sie, ihr Ehemann Thomas Eisen und die drei Kinder wohnen zum ersten Mal in einem dermaßen sparsamen Haus. Die Fragen an den Architekten waren anfangs ängstlich: Wird man das vermissen, einfach mal einen Heizkörper hochdrehen zu können? Hat man im Winter etwa das Gefühl, sich irgendwie dicker anziehen zu müssen? Ist das Lüftungssystem wirklich so lautlos wie behauptet? Und erzeugt keinerlei Zug? Heute, vier Winter später, haben sich alle Zweifel in Luft aufgelöst - im wahrsten Sinne des Wortes, denn das Geheimnis von Niedrigstenergiehäusern ist ihre kontrollierte Be- und Entlüftung. Das unhörbare und unsichtbare Ventilationssystem verbirgt sich in Decken und Wänden, allein unscheinbare Auslässe deuten es an.

Es ist das Rückgrat eines Heizsystems, das darauf beruht, dass die einmal im Haus enthaltene Wärme nicht wieder entweicht. Nur raumklimatisch Schädliches wie etwa Wasserdampf und Kohlendioxid werden abgeführt. "Wärmerückgewinnung" lautet der Vorgang, der die Wärme der verbrauchten Luft der frischen kühlen zuführt. Siamesischer Zwilling der neuzeitlichen Hausbeatmung sind Wärmepumpen. Häuser mit Lüftung sind so gut isoliert, dass sie mit einer Niedertemperaturheizung auskommen. Bei Bergmann-Eisens nutzt die Wärmepumpe dank sogenannter Energiekörbe die in zwei Metern Tiefe konstant zehn Grad warme Erde.

Auf der Sonnenseite

Foto: Christian Burmester

Auf der Sonnenseite

Mit einer revolutionären Solarheizung hat Familie Horrmann-Brandt aus Peine die Energiekosten für ihr super isoliertes Holzhaus minimiert - für immer

Es sind die Licht- und Schattenspiele in der Wohnhalle und die Ausblicke ins Grüne, die Helge Brandt so liebt an seinem neuen Haus und die ihn überrascht haben. Denn "das kann man kaum planen", verrät der Architekt, "selbst am Modell nicht". Dass sein Familiendomizil so gut wie keine Energie mehr für Warmwasser und fürs Heizen braucht, verwundert ihn dagegen nicht.

Das hat er schließlich von langer Hand geplant. Und deshalb kam als Baustoff auch nur Holz infrage. Mit Holz kann man dünner als mit Stein bauen, die nötige Wärmedämmung (zudem nicht aus fragwürdigem PUR-Schaum, sondern aus Zellulose) steckt nicht auf, sondern in der Wand; genau wie alle Rohrleitungen und Kabel und vor allem die Luftkanäle für die kontrollierte Belüftung, ohne die Passivhäuser nicht funktionieren könnten.

Wie das Licht den Bauherrn, so begeistert die Energieerzeugung jeden, der sich für Spartechnik interessiert: Erstmals durchläuft die durch Solarthermie und Wärmepumpe erzeugte Energie nicht zwei Kreisläufe sondern einen und trifft sich dann im Pufferspeicher - eine Weltneuheit. Die Luftwärmepumpe saugt ihre Luft einfach aus dem Gehäuse der Hybrid-Kollektoren auf dem Dach. Dadurch ist sie vorgewärmt. Den ersten Test hat die Solarheizung im Winter 2010/11 bestanden. Die geschätzten 3050 kWh- Strom für die Wärmepumpe wurden kaum überschritten, und das heißt: keine 50 Euro Energiekosten im Monat.

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