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Möbeltrends: Knautschsessel und Harlekinsofa

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Neue Möbeltrends Blonde Hocker und Harlekinsofas

Mit fröhlichen neuen Ideen geht eine junge Garde von Möbeldesignern an den Start. Über die Frage, ob ein Hocker eine blonde Langhaarperücke braucht, kann man allerdings streiten. Viele Firmen fertigen daher auch lieber den zweiten Aufguss eines erfolgreichen Retrotrends, als ganz Neues zu probieren.

Mailand - Fröhliches Wiedersehen im Wohnzimmer: Das bereits Bekannte ist auch im kommenden Jahr die bestimmende Inspirationsquelle der internationalen Möbelbranche. Auf der als Trendmesse geltenden "Salone Internazionale del Mobile" in Mailand war der Begriff "Recycling" in aller Munde.

Zwar stürzt sich die zuletzt in vielerlei Hinsicht in Not geratene Möbelbranche bereits seit einigen Jahren auf die Wiederverwertung von Designs vergangener Stilepochen und von Materialien. Nun erreicht dies aber einen überstrapazierten Höhepunkt. In Mailand etwa waren Möbel aus allen erdenklichen wiederverwertbaren Materialresten wie Papierschnipseln, PET-Flaschen und Holzspänen zu sehen. Je nach Material ist jedoch der Gedanke der Wiederverwertung nur eingeschränkt bis zum Ende gedacht worden: Zahlreiche kunststoffverarbeitende Hersteller weisen zwar gerne auf die spätere Wiederverwertbarkeit ihrer Stücke hin, nur die wenigsten verwenden zur Herstellung aber bereits recyceltes Plastik.

Allerdings ist Plastik so langlebig und so beliebig formbar wie kaum ein anderes Material - und unter diesem Aspekt betrachtet nachhaltig, sagen Möbelexperten. Plastik-Accessoires und -möbel erleben ein großes Comeback, besonders in an die Natur angelehnten Formen wie Blättern oder Geäst. Daneben flammt die Liebe der Designer zu Aluminium in allen Wohnbereichen neu auf, das ebenfalls als Recyclingwunder gelobt wird.

Weiterhin nimmt Holz im Wohnraum viel Platz ein - speziell dann, wenn es darum geht, der neuen Bescheidenheit Ausdruck zu verleihen. Das Material darf seine natürlichen Macken behalten. Äste, Wurmlöcher und eine nicht ganz so perfekte Maserung sind als individuelle Merkmale gewünscht.

Frisiertische wie zu Omas Zeiten

Riva zeigt etwa einen Stuhl aus einem in Stufen gelegten Holzstamm, und Swedese ein Regal mit starker Maserung. Gerne wird nun wieder Buche, Ahorn und Birke aus nachhaltiger und vor allem europäischer Forstwirtschaft verwendet. Auch Holz wird gerne recycelt, und sogar aus ausrangierten venezianischen Holzpfählen werden echte Designstücke produziert.

Der Begriff "Recycling" stand in Mailand aber auch noch in einem anderen Zusammenhang im Fokus: Es wird intensiver denn je in den alten Kisten nach Brauchbarem gekramt, das man noch einmal neu zum Leben erwecken kann. Diesmal wurden Designs der 1910er und 1920er Jahre wiederentdeckt, ebenso Vorbilder aus den 1950er und 1960er Jahren. Das ist etwa ein Frisiertisch mit Spiegelwänden zum Aufklappen von BD Barcelona und ein Stuhl von Moroso, der als direkter Nachfahre der legendären Sitzmaschine von Josef Hoffmann von 1905 durchgeht.

Darüber hinaus findet sich etwa der Chesterfield-Stil aus dem 18. Jahrhundert in der abgesteppten Knöpfchenpolsterung vieler neuer Polstermöbel wieder. Auch die Gummibandbespannung von Gartenmöbeln oder Metallgeflechte im Retrolook zeugen von der ungebrochenen Affinität zu längst vergangenen Stilepochen.

Eine blonde Langhaarperücke für den Hocker

Unabhängig von Stilepochen suchen andere Designer nach jedem nur brauchbaren Material - die Kreativen von Campeggi zweckentfremden ein Tischtennisnetz, um die Sitzfläche einer Bank zur Hängematte zu machen, und Dejana Kabiljo eine blonde Langhaarperücke als Polster für einen Hocker.

Designer, die ihr Metier ein wenig mit einem Augenzwinkern betrachten, greifen auch gerne zum bewährten Mittel der Persiflage: Bla Station nimmt etwa das "Cocooning" - das Einnisten im Zuhause - mit Stühlen auf die Schippe, denen wärmende Stulpen über die Beine gezogen wurden. Edra stülpt einem Sessel einen viel zu großen, faltigen Lederbezug über, und Meritalia zeigt ein Sofa mit langen, bunten Kaspermützen als Lehne.

Damit führen Designer wie Gaetano Pesce, die Brüder Humberto und Fernando Campana oder Dejana Kabiljo die Gedanken auf das Essenzielle der Formgebung zurück: Design sollte unser Leben schöner, bunter und liebenswerter machen.

Während solche Eskapaden auffällig im Raum stehen - und daneben auch die Sofalandschaften wieder breiter und üppiger werden -, ziehen sich andere Möbel komplett zurück. Es wurden viele filigrane Strukturen und platzsparende Designs kreiert, die quasi in einer Ecke verschwinden können und damit dem enger werdenden Wohnraum in den Städten gerecht werden sollen. Hier gibt sich das Möbeldesign um einige Grade bescheidener und reduzierter als die Jahre zuvor.

Dazu passt die neue Trendfarbe Grau, die im Raum schlicht und einfach nur Farbe sein soll - und damit etwas, das sich nicht in den Vordergrund drängt. "Weniger ist mehr", lautet hier die Devise. Mancher Designer behauptete in Mailand sogar: Seine Möbel sollten im Raum besser nicht wahrgenommen werden.

Barbara Jahn-Rösel, dpa
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