Mittwoch, 19. Juni 2019

Wohnen im Zechenloft Denkfabrik statt Dampfmaschine

Loftarchitektur: Wohnen in der alten Maschinenhalle
Andreas Secci

Die Bochumer Maschinenhalle Hasenwinkel ist ein nahezu sakral anmutender, alter Industriebau. Das mächtige Gebäude birgt das großzügige Wohn- und Büroloft für einen Architekten und seine Familie. Hans-Peter Anders hat dafür allerdings ganz schön schuften müssen.

Hasenwinkel am Polterberg - Eine einzige monströse Maschine stand früher in der riesigen Maschinenhalle Hasenwinkel: die Dampfmaschine der Zeche Hasenwinkel, eine der ältesten Steinkohlezechen des Ruhrgebiets. Schon im 17. Jahrhundert wurde hier Kohle abgebaut. Die Maschinenhalle wurde um 1890 errichtet. Aber lange vor dem großen Zechensterben in der Region hatten sich Robinien und Buchen ihren Platz zurückerobert, denn schon 1926 wurde die Zeche stillgelegt.

Heute strahlt die Maschinenhalle wieder den geradezu sakralen Industriecharme des 19. und 20. Jahrhunderts aus. "Die Industriegebäude sind ja die Kathedralen des Ruhrgebiets", findet Architekt Hans-Peter Anders, der mit seiner Frau und den zwei Kindern in der ehemaligen Maschinenhalle lebt und dort auch sein Architekturbüro hat. "In der Region gab es kaum Großbürgertum. Dafür wurden die Industriegebäude mit umso mehr Aufwand und vielen Details errichtet."

Um diesen Charakter wieder herauszuarbeiten, entschied sich der Architekt, der Halle ihre ursprüngliche Gestalt zurückzugeben. Das war nicht einfach, denn es existierten kaum Aufnahmen aus der Zeit, als die Zeche noch in Betrieb war. Anhand von wenigen Fotos begann der Architekt, zu rekonstruieren. Er startete einen Radioaufruf, um nach Zeitzeugen zu suchen. "Es gab zwar einige, deren Großvater noch auf der Zeche gearbeitet hatte. Aber wie das Maschinenhaus genau ausgesehen hatte, wusste keiner mehr."

1929 war das Gebäude zu einem Mehrfamilienhaus mit sieben Mietswohnungen umgebaut und die Fassade mit weißer Latexfarbe bemalt worden. Jegliche Industrieromantik war verloren gegangen. Bis 1997, als Hans-Peter Anders die Halle erwarb, wurden die Wohnungen als Notunterkünfte genutzt. Die Familien, die dort unterkamen, wohnten ohne jeglichen Komfort: Es gab keine Bäder, geheizt wurde mit Kohle. Die Gegend am Polterberg galt als sozialer Brennpunkt.

Die mächtige Halle sah zunächst aus wie ein alter Bunker

Hans-Peter Anders war damals eigentlich auf der Suche nach einer alten Schule, fand aber nichts, was seinen Vorstellungen vom loftähnlichen Leben und Arbeiten unter einem Dach entsprach. "Irgendwann kam die Stadt auf die Maschinenhalle. Ich kannte sie vom Vorbeifahren. Wegen der zugemauerten Fenster sah sie aus wie ein alter Bunker." Als er dann von der Historie der Halle erfuhr, war er begeistert - und kaufte das Objekt. "Das war als Lebensprojekt gedacht. Dann wurde meine Frau schwanger und okay, es musste schneller gehen. 1999 sind wir dann eingezogen." Ob die kalkulierten Umbaukosten von 1000 Euro pro Quadratmeter eingehalten wurden, dazu äußert er sich nicht. "So ungefähr", sagt er.

Denkmalauflagen zumindest gab es nur wenige. Als die letzten Familien aus den Notunterkünften in ihre neuen Wohnungen gezogen waren, konnte es losgehen. "Die alten Zechensteine waren gottseidank für die Mauerwände der Wohnungen eingesetzt worden, daher konnten wie sie wieder für die Fassade verwenden.", erklärt Anders. Beim Abschlagen des Außenputzes stieß er auf fünf symmetrisch angeordnete Steine. Auf einem der wenigen alten Fotos entdeckte er, das dort einmal ein sternförmiges Fenster gewesen war. Heute ist das Fenster das Schmuckstück im Badezimmer und verschönert von außen die Frontansicht über der Eingangstür.

Damit aus den dunklen Notunterkünften wieder eine luftige Halle werden konnte, ließ der Architekt das gesamte statische System gegen Stahlträger und Stahlstützen austauschen und nur leichte Trennwände einziehen. Auf 430 Quadratmetern ist so der offene Wohnbereich für die Familie entstanden. Dank der sechs Meter hohen Decke im Wohn- und Essbereich sieht selbst der wuchtige Bullerjan wie ein zierlicher Heizofen aus.

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