Sonntag, 18. August 2019

Licht im Garten Sonne aus, Spot an

Fotostrecke: Wie man mit Licht den Garten in Szene setzt
TMN

Außenlicht wird oft rein funktional eingesetzt. Helle Lampen sollen Einbrecher entmutigen und willkommene Gäste sicher zur Haustür führen. Aber da geht noch mehr. Klug platzierte Lichtquellen im Garten können aus einem Grundstück gewöhnlicher Größe einen geheimnisvollen kleinen Park machen.

Rottenburg - Zwei Energiesparlampen neben die Haustür geschraubt, vielleicht noch die Hausnummer beleuchtet und im Carport eine bewegungsmeldergesteuerte Funzel hingehängt - fertig ist das Beleuchtungskonzept für den Garten. Damit verschenkt man viel, denn mit dem richtigen Licht kann man Skulpturen und Pflanzen wirkungsvoll in Szene setzen und auf einem gewöhnlichen Grundstück ein stimmungsvolles Ambiente inszenieren. "Mit Licht lässt sich der Eindruck eines Gartens komplett verändern", sagt Annette Sinz-Beerstecher, Landschaftsarchitektin aus Rottenburg am Neckar.

Akzentuiert man die Tiefe des Gartens, erscheinen kleine Grundstücke größer. "Man kann mit Licht Räume anders definieren, Schwerpunkte setzen und Bäume, Pflanzen, Brunnen oder Skulpturen hervorheben", sagt Sinz-Beerstecher. Wichtig sei es, dabei auf fließende Übergänge zu achten, denn bei starken Hell-Dunkel-Kontrasten falle dem Auge die Orientierung schwer. Je nach Zweck der Beleuchtung gibt es für Haus und Garten verschiedenste Arten von Leuchten: Bodenleuchten, kleine Strahler, Leuchtsteine, Stand- oder Schwimmleuchten.

Künstliches Licht lädt zum Experimentieren ein. Normalerweise fällt das Sonnenlicht immer von oben ein, erläutert Sinz-Beerstecher. Diese natürlich vorgegebene Lichtrichtung präge das Erscheinungsbild eines Gartens. "Mit der Hilfe von künstlichem Licht kann dieses Gesetz auch einfach mal umgedreht werden", sagt sie. Ungewöhnlich wirke etwa die weiße Rinde und das lichtdurchlässige Laub einer Birke, wenn diese von unten mit einem Strahler beleuchtet werde.

Aber nicht alle Pflanzen eignen sich hierfür. "Wenn man eine Eibe von unten bestrahlt, sieht sie wie tot aus", sagt die Expertin. Unterschiede ließen sich auch mit der Lichtfarbe erzielen. Das klassische Spektrum reicht von gelblich-warm bis bläulich-kalt. "Licht ist eine sehr subjektive Geschichte, zu der jeder eine ganz eigene Haltung hat", sagt die Expertin. Letztlich müsse man es selbst ausprobieren. Wer die Wirkung sehen möchte, schnappe sich am besten eine Kabeltrommel und Leuchten und mache sich im Dunkeln auf Erkundungstour durch den Garten.

Indirekt angeleuchtetes Sonnensegel als dezente Lichtquelle

Wohlfühlatmosphäre auf der Terrasse schaffen vor allem Leuchten, die nicht zu grell sind. Sinz-Beerstecher bevorzugt hier indirektes Licht. Das wirke weicher als gerichtetes Licht. Ihr Tipp: "Ein indirekt angeleuchtetes Sonnensegel zum Beispiel erzeugt eine Grundhelligkeit, die nicht mit einer Lichtquelle in Verbindung gebracht wird." Als Kontrast dazu passt eine helle Leuchte, die als Notleuchte fungiert: "Die mache ich dann nur an, wenn es ans Aufräumen geht." Wer vor einer Umgestaltung gut plant, könne Leuchtkörper auch unter einer Sitzbank installieren oder in Belag-Fugen einbauen.

Diese schönen Akzente müssen das Portemonnaie nicht allzu sehr strapazieren. "Die Beleuchtung von Zugangswegen lässt sich zum Beispiel über eine Zeitschaltuhr, einen Dämmerungsschalter oder manuell regeln", sagt Jürgen Waldorf, Geschäftsführer des Branchenportals Licht.de in Frankfurt am Main. Noch mehr lasse sich durch Bewegungsmelder sparen. Die Beleuchtung schalte sich dadurch nur ein, wenn sie tatsächlich gebraucht wird. Darüber hinaus spart man mit Halogenlampen, Energiesparlampen oder Leuchten mit LED-Technik.

Welches Leuchtmittel man wählt, hängt vom eigenen Geschmack und der Nutzung ab. "Wenn man mit Bewegungsmeldern arbeitet, möchte man natürlich, dass das Licht sofort in guter Leuchtstärke da ist", sagt Waldorf. Während eine LED-Lampe und eine herkömmliche Glühlampe beim Anknipsen sofort in voller Helligkeit erstrahlen, braucht manche Energiesparlampe vergleichsweise lang, bis sie ihre volle Lichtstärke entwickelt hat. In punkto Energieeffizienz seien die neueren LED mit guten Energiesparlampen längst vergleichbar, sagt Waldorf. Sie haben zudem eine längere Lebensdauer. "Allerdings haben gute LED-Lampen zur Zeit noch einen relativ hohen Preis", sagt Waldorf.

Feuer in Form von Kerzen, Fackeln, Öllampen oder Feuerschalen ist eine günstige Alternative. Anders als das künstliche Licht ist Feuer jedoch keine permanente Beleuchtungslösung. Und: Man kann es nicht alleine lassen. Eine Feuerschale steht am besten auf einer Stein- oder Betonplatte, und Fackelstangen müssen fest in der Erde stecken. Spielen Kinder im Garten, ist besondere Vorsicht geboten.

Hanke Huber, dpa

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