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Maßkoffer: Handarbeit für Individualisten

Foto: Steckel

Maßgefertigte Koffer Zebrano und Krokodil

Streichelweiches Krokodilbauchleder, Zebranoholz und Inlineskate-Rollen. Im beschaulichen niederrheinischen Kempen fertigt Marc-Christoph Steckel ungewöhnliche Koffer aus ungewöhnlichen Materialien. Die kosten viel Geld, sehen aber sehr stilvoll aus.

Kempen - Manchmal kann man auf der Suche nach der besten Komponente auch für ein Luxusprodukt des Guten zuviel tun. Seinen maßgefertigten Koffern wollte Marc-Christoph Steckel die geschmeidigsten Rollen angedeihen lassen. Also wählte er solche, die Inline-Skater bei Rennen verwenden. Die Kugellager erwiesen sich indes als überqualifiziert: "Ich habe den Koffer angestupst, und der ist drei Kilometer weit gerollt", übertreibt Steckel den drastischen Effekt. Jetzt verwendet er lieber Stunt-Rollen. Die sind nicht ganz so lauffreudig, dafür aber extrem belastbar.

Ungewöhnliche Materialien verbaut Steckel gerne. An sein Architekturstudium hatte der 32jährige eine Tischlerlehre angeschlossen und sich dann entschieden, aus einem alten Kindheitstraum ein Unternehmen zu machen: Mit seinem Vater hatte er den Marilyn-Monroe-Film "Manche mögen's heiß" gesehen, in dem ein Schrankkoffer als Requisit auftaucht. "Ich habe damals schon gesagt: Den bau ich nach, und zwar in gut."

Seit 2009 produziert Steckel seine Luxuskoffer, zusammen mit einem Tischler, einem Aluminiumfachmann und einem Sattler. Ein maßgefertigter Aktenkoffer etwa kostet ab 3500 Euro aufwärts, je nach verwendetem Material kann es auch deutlich teurer werden - auf 12.500 Euro kam das bisher teuerste Stück im Kundenauftrag.

Ein Arbeitsmodell zum Testen

Jeder Koffer ist ein Unikat. Auch eine mobile Cocktailbar im Stile historischer Schrankkoffer hat Steckel schon gebaut, ebenso wie einen tragbaren Schreibtisch. "Ein Koffer ist wie ein Haus", findet Steckel. Beim Entwurf geht er deshalb auch vor wie ein Architekt: Er entwirft seine Stücke am digitalen Reißbrett und fertigt dann vor dem eigentlichen Koffer mit der CNC-Fräse ein Arbeitsmodell aus Spanplatten.

So kann der Kunde noch Veränderungen vornehmen. Erst dann geht es an die Bemusterung. Für die Außenverkleidung und die Innenausstattung gibt es vor allem edle Hölzer - Zebrano, Nussbaum-Maserholz, Ahorn-Wurzelholz - und feine Leder, streichelweiches Krokodilbauchleder aus Malawi, Saffianleder in allen Farben, exzentrische Strukturprägungen, Rochenhaut.

Selbst allerdings schätzt der Kofferbauer eher das Schlichte. "Je weniger Farbunterschiede, desto schöner wird es", findet er. Am liebsten sei ihm der Mafia-Stil der amerikanischen 1930er Jahre: "Die Grundidee dabei ist es, sich schick zu machen." Sein prominentester Kunde ist die Sportwagenmanufaktur Wiesmann. Für die Dülmener baute er einen eleganten Koffer aus beigem Leder, den man schmückend aufs Heck der Edelflitzer schnallen kann.

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