Donnerstag, 20. Juni 2019

Architektur in den USA Traumhaus am großen See

Architektur: Traumhaus am Michigan-See
HÄUSER / Undine Pröhl

Es ist eine eindrucksvolle Inszenierung vor einer Traumkulisse. Auf der Michigan-Halbinsel im Norden der USA schuf der Architekt David Salmela ein Wohnhaus, das nicht nur perfekt mit der Natur harmoniert, sondern auch mit einer Gruppe von elegant platzierten Nebengebäuden.

Michigan - Wenn die Leute aus Michigan, Minnesota, Wisconsin und Ohio an die Sommerferien denken, dann haben sie die Großen Seen vor Augen, jene gigantischen Süßwasserreservoirs mit ihren endlosen und abwechslungsreichen Küsten und daran angrenzendem Farmland, das sich über Hunderte von Meilen ausdehnt. Mit ihren idyllischen Farmen und den mit Segelbooten gesprenkelten Buchten ist Amerikas vierte Küste noch ursprünglich und magisch.

Die Michigan-Halbinsel, die wie ein riesiger Fausthandschuh in die Wasserfläche hineinragt, ist das Zentrum dieser Seenlandschaft. Als Doug und Bonnie Yingst, beide Medizinforscher in Detroit, beschlossen hatten, sich ein Feriendomizil zu bauen, das irgendwann auch ihr Alterssitz werden könnte, fanden sie ein bewaldetes Grundstück an einem der vielen Seen auf der Halbinsel.

Ein Haus in dieser unberührten Landschaft zu errichten erfordert ein feines architektonisches Gespür. Als der Architekt David Salmela, der in Duluth, Minnesota, sein Büro hat, zur Besichtigung kam, nahm er den Auftrag sofort an. "Ich wollte nicht", sagt er, "dass jemand diesen Platz verunstaltet." Salmela gehört zu den wenigen Architekten, die ein paar Bretter vom Sägewerk holen und daraus in null Komma nichts einen schönen Tisch oder eine Bank bauen können. Er ist ein sensibler Gestalter, der ungeheuer viel von Materialien versteht und weiß, wie man mit ihnen umgeht.

Obwohl Salmela oft auf lokale Bautraditionen zurückgreift, hat er für das Ehepaar Yingst alle stilistischen Erwägungen beiseitegelassen und die Materialien für sich sprechen lassen. Wie ein guter Komponist, der aus einem kleinen, nur vier Noten umfassenden Motiv ein vielschichtiges Klanggebilde erwachsen lässt, nahm Salmela Leimholzbalken, Schieferplatten, Lindenholz und Beton und entwickelte daraus erstaunlich komplexe Strukturen. Die Wahl der Baustoffe, sagt er, sei bestimmt gewesen von dem Wunsch, den Entwurf harmonisch in die Landschaft einzufügen.

Vier schlichte Kuben bilden eine durchlässige Wand

Neben dem aus Beton, Holz und Schiefer zusammengefügten Haupthaus gestaltete Salmela auch das Grundstück, indem er durch die Anordnung von separaten Gebäuden unterschiedliche räumliche Zonen schuf.

Anstatt durch die Platzierung eines einzelnen Hauses lediglich einen Vorgarten und einen Hinterhof auszubilden, strukturierte er das Areal mit drei Garagen, einem Werkstattgebäude, dem Haupthaus sowie einem hohen Außenkamin, einem offenen Gartenpavillon und einem Saunahäuschen - und zwar so, dass auf dem Gelände geschützte Außenflächen entstanden, die jeweils einen ganz eigenen räumlichen Charakter besitzen und dazu einladen, draußen zu wohnen. Der Architekt platzierte die einzelnen Bauwerke so genial, dass sie mit der Umgebung zu einer Einheit verschmelzen.

Das Ensemble empfängt den Besucher keineswegs mit einer grandiosen, auf den Haupteingang zentrierten Fassade. Die Erkundung beginnt mit einem langen Fahrweg, der schnurgerade durch den Wald führt und auf einem Parkplatz endet, auf dessen Ostseite sich drei kleine Garagen und ein zweigeschossiges Gebäude aneinanderreihen, in dem unten eine Werkstatt und oben die Gästezimmer untergebracht sind.

Die vier schlichten Kuben - verkleidet mit dem gleichen Material, aus dem die Rampen in Skate-Parks hergestellt sind - bilden eine durchlässige Wand; vis-à-vis erstreckt sich ein rechteckiges Schieferkiesfeld, aus dem das Haus emporragt.

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