Dienstag, 25. Februar 2020

Wie deutsche Uhrenhersteller der Krise trotzen 25 deutsche Uhrenmarken und ihre Neuheiten

Deutsche Uhrenmarken: Die schönsten Neuheiten des Jahres 2016
Biegert & Funk

Die Uhrenbranche steckt tief in der Misere. Wie tief, belegen die jüngsten Zahlen: Beim weltweit größten Uhrenhersteller, der Swatch Group (unter anderem Omega, Breguet, Blancpain, Glashütte Original), und beim Luxusgüterkonzern Richemont brachen dieses Jahr die Gewinne um rund 50 Prozent ein. Anfang November, noch während der Bekanntgabe der Halbjahreszahlen, zog Konzernpräsident Johann Rupert die Reißleine: elf Leute aus dem Top-Management verließen ihre Richemont-Posten. Selbst der Chef geht von Bord und wird nicht ersetzt.

Markenspezifische Zahlen gibt Richemont nicht preis, wobei fast alle Nobellabels, darunter Cartier, Jaeger-LeCoultre, Piaget, Vacheron Constantin und Panerai betroffen scheinen. Jedoch haben Montblanc und IWC wohl gut performt - ihre CEOs werden in den Adelstand der Genfer Konzernleitung erhoben. Im April 2017 wird Jérôme Lambert von Montblanc bei Richemont der 'Head of Operations' und Georges Kern von IWC übernimmt die Konzernbereiche 'Uhrenproduktion, Marketing und Digital'.

In all dem Trubel aber schlägt sich eine Truppe besonders tapfer: Die deutschen Uhrmacher. Wirklich erstaunlich ist das nicht, denn wegen des hohen Franken liegen die Produktionskosten in der Euro-Zone wesentlich niedriger. Zwar sind viele deutsche Hersteller von zugelieferten Schweizer Uhrwerken und Komponenten abhängig, deren Einkaufspreise erhöht wurden, allerdings baute man hierzulande eine stetig wachsende Eigenfertigung auf. Mittlerweile haben sich an die 60 deutsche Uhrenmarken und etliche Zulieferbetriebe etabliert.

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Zuversichtlich zeigt sich der deutsche Branchenverband Schmuck und Uhren: "Die statistischen Daten zeigen, dass die Branche - unbeeindruckt von der weltwirtschaftlichen Entwicklung sowie dem Währungsgefälle - ihren Vorwärtsgang beibehalten hat". Der Verband belegt, dass seit 2014 die Einfuhr ausländischer Uhrwerke um etwa 7 Prozent zurückging, während sich in den letzten fünf Jahren der Export deutscher Zeitmesser auf etwa zwei Milliarden Euro verdoppelte.

Das deckt sich mit der Erfahrung bei Bruno Söhnle. "Es scheint, dass Made in Germany sich einer stetig wachsenden Beliebtheit erfreut," erklärt Stephanie Söhnle, Geschäftsführerin der Marke, "derzeit erleben wir ein starkes Wachstum, gerade im Ausland, wohingegen sich der deutsche Markt als stabil erweist." Mit Preisen von 800 bis 2000 Euro bedient sie das Einsteigersegment für mechanische Uhren. Unabhängig von ihrer Preispolitik sieht sie den weiteren Erfolgsgrund in den Kollektionsnamen - es sind deutsche Städte. Söhnle: "Dieses klare Bekenntnis zum Standort Deutschland zahlt sich aus, unsere Uhrenfamilie 'Stuttgart' entwickelte sich seit der Einführung im Februar 2016 zum absoluten Renner".

Etwas überstrapaziert wird jedoch der Begriff Glashütte. Inzwischen taucht er bei fast jeder sächsischen Uhrenmarke im Namen auf, da der Begriff als internationales Qualitätsmerkmal gilt. 2007 beschloss ein Gericht, dass die Herkunftsbezeichnung nur verwendet werden darf, wenn die 'Glashütter Regel' befolgt wird: die Wertschöpfung muss mindestens 50 Prozent an diesem sächsischen Ort betragen.

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