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Deutsche Uhrenmarken: Die schönsten Neuheiten des Jahres 2016

Foto: Nomos Glashütte

Wie deutsche Uhrenhersteller der Krise trotzen 25 deutsche Uhrenmarken und ihre Neuheiten

Von Michelle Mussler

Die Uhrenbranche steckt tief in der Misere. Wie tief, belegen die jüngsten Zahlen: Beim weltweit größten Uhrenhersteller, der Swatch Group (unter anderem Omega, Breguet, Blancpain, Glashütte Original), und beim Luxusgüterkonzern Richemont brachen dieses Jahr die Gewinne um rund 50 Prozent ein. Anfang November, noch während der Bekanntgabe der Halbjahreszahlen, zog Konzernpräsident Johann Rupert die Reißleine: elf Leute aus dem Top-Management verließen ihre Richemont-Posten. Selbst der Chef geht von Bord und wird nicht ersetzt.

Markenspezifische Zahlen gibt Richemont nicht preis, wobei fast alle Nobellabels, darunter Cartier, Jaeger-LeCoultre, Piaget, Vacheron Constantin und Panerai betroffen scheinen. Jedoch haben Montblanc und IWC wohl gut performt - ihre CEOs werden in den Adelstand der Genfer Konzernleitung erhoben. Im April 2017 wird Jérôme Lambert von Montblanc bei Richemont der 'Head of Operations' und Georges Kern von IWC übernimmt die Konzernbereiche 'Uhrenproduktion, Marketing und Digital'.

In all dem Trubel aber schlägt sich eine Truppe besonders tapfer: Die deutschen Uhrmacher. Wirklich erstaunlich ist das nicht, denn wegen des hohen Franken liegen die Produktionskosten in der Euro-Zone wesentlich niedriger. Zwar sind viele deutsche Hersteller von zugelieferten Schweizer Uhrwerken und Komponenten abhängig, deren Einkaufspreise erhöht wurden, allerdings baute man hierzulande eine stetig wachsende Eigenfertigung auf. Mittlerweile haben sich an die 60 deutsche Uhrenmarken und etliche Zulieferbetriebe etabliert.

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Zuversichtlich zeigt sich der deutsche Branchenverband Schmuck und Uhren: "Die statistischen Daten zeigen, dass die Branche - unbeeindruckt von der weltwirtschaftlichen Entwicklung sowie dem Währungsgefälle - ihren Vorwärtsgang beibehalten hat". Der Verband belegt, dass seit 2014 die Einfuhr ausländischer Uhrwerke um etwa 7 Prozent zurückging, während sich in den letzten fünf Jahren der Export deutscher Zeitmesser auf etwa zwei Milliarden Euro verdoppelte.

Das deckt sich mit der Erfahrung bei Bruno Söhnle. "Es scheint, dass Made in Germany sich einer stetig wachsenden Beliebtheit erfreut," erklärt Stephanie Söhnle, Geschäftsführerin der Marke, "derzeit erleben wir ein starkes Wachstum, gerade im Ausland, wohingegen sich der deutsche Markt als stabil erweist." Mit Preisen von 800 bis 2000 Euro bedient sie das Einsteigersegment für mechanische Uhren. Unabhängig von ihrer Preispolitik sieht sie den weiteren Erfolgsgrund in den Kollektionsnamen - es sind deutsche Städte. Söhnle: "Dieses klare Bekenntnis zum Standort Deutschland zahlt sich aus, unsere Uhrenfamilie 'Stuttgart' entwickelte sich seit der Einführung im Februar 2016 zum absoluten Renner".

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Luxus-Uhren und die Zeitenwende: Die neuen Uhren aus Glashütte

Foto: A. Lange & Söhne

Etwas überstrapaziert wird jedoch der Begriff Glashütte. Inzwischen taucht er bei fast jeder sächsischen Uhrenmarke im Namen auf, da der Begriff als internationales Qualitätsmerkmal gilt. 2007 beschloss ein Gericht, dass die Herkunftsbezeichnung nur verwendet werden darf, wenn die 'Glashütter Regel' befolgt wird: die Wertschöpfung muss mindestens 50 Prozent an diesem sächsischen Ort betragen.

Deutsche Namen und Tugenden als Verkaufsförderer

Ob schwäbische oder sächsische Uhren, Thilo Mühle sieht für den Erfolg deutscher Zeitmesser einen weiteren Faktor: "Weltweit sind Verbraucher über das Preis-Leistungs-Verhältnis top informiert. Sie suchen Ehrlichkeit und faire Gegenwerte und das hilft uns sehr." Seit neun Jahren führt er das Familienunternehmen Mühle-Glashütte, deren jährliche Uhrenproduktion auf über 15.000 Stück geschätzt wird, und baut kontinuierlich die Firma samt Fertigungstiefe aus.

Der unabhängige Unternehmer räumt ein: "Im Oktober 2015 gab es für die gesamte Branche einen Einbruch. So etwas kannte ich bisher nicht - ob in China und ganz Asien, in Dubai und Katar, auch in den USA - überall herrschte plötzlich ein Cut. Bis heute kann sich keiner das erklären. Doch seit diesem August zieht weltweit der Umsatz erfreulich an, so dass wir 2016 mit einem Plus abschließen werden".

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Uwe Ahrendt packt noch eine Schippe drauf: "Nomos Glashütte wächst konstant weiter. 2016, das steht schon jetzt fest, ist wiederum das ertragreichste Jahr der Unternehmensgeschichte. Angesichts der aktuellen Situation in der Uhrenbranche, die offiziell ein zweistelliges Gesamtminus verzeichnet, ist dieses Ergebnis enorm," freut sich der CEO: "Wir liegen mehr als 30 Prozent über dem Branchenschnitt". Sein Erfolgsrezept: Puristisches Design mit hohem Wiedererkennungswert und einfühlsame Preise dank selbstentwickelter und industriell gefertigter Mechanikwerke.

Wie keiner anderen Uhrenmarke ist Nomos ein Senkrechtstart gelungen: 1991 als unabhängiger Winzling in Glashütte gegründet, sind derzeit weltweit knapp 300 Mitarbeiter beschäftigt und man ist nach eigener Einschätzung damit die größte deutsche Marke für mechanische Uhren. Das braucht Platz: In Glashütte-Schlottwitz baut Nomos gerade 1000 Quadratmeter für die Fertigung, bevor ein weiterer, noch größerer Neubau im Stadtzentrum entstehen soll.

Ordentlich geht es auch bei Junghans voran. 2015 erzielte die unabhängige Uhrenfabrik aus dem Schwarzwald einen Umsatz von 23,5 Millionen Euro mit 9,9 Prozent Jahreswachstum. "Trotz der aktuellen Situation sind wir froh, dass wir weiterhin auf Wachstumskurs sind", sagt Geschäftsführer Matthias Stotz. Die puristischen Design-Klassiker des Hauses seien vor allem beim jüngeren Publikum sehr gefragt.

Viel Graumarktware aus Asien landet in den USA

Der jüngste Führungswechsel fand bei Glashütte Original statt. Seit Oktober lenkt der 57-jährige Thomas Meier die ehrwürdige Manufaktur, die unter dem Dach der Swatch Group agiert: "2016 war ein interessantes Jahr, mit vielen Herausforderungen für uns. Wir sind sehr froh, dass wir uns sehr gut behauptet und sogar ein schönes Wachstum realisiert haben".

Bei A. Lange & Söhne klingt der CEO Wilhelm Schmid ein wenig vorsichtig - schließlich gehört die Nobelmanufaktur zum börsennotierten Richemont-Konzern: "Konjunktur- und Währungsschwankungen sind unser tägliches Geschäft. Mit einer Präsenz in mehr als 60 Ländern und einer insgesamt starken Nachfrage sind wir gewohnt, damit so umzugehen, dass die Marke A. Lange & Söhne sich weiter erfolgreich entwickeln kann". Doch einer seiner Sätze hat es in sich: "Darüber hinaus haben wir bei der Erschließung neuer Märkte nie unsere traditionellen Märkte vernachlässigt".

Er deutet damit die "Arroganz der Uhrenindustrie" der letzten Jahre an, die sich jetzt rächt. In den Boomzeiten, verursacht durch asiatische und russische Neureiche, bedienten viele Luxusmarken verstärkt deren geltungssüchtigen Geschmack. Zugleich fuhren sie die Verfügbarkeit in Europa herunter und drehten maßlos an der Preisschraube.

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Foto: Patek Philippe

Aktuelle Zugpferde sind vor allem Großbritannien und die USA. Seit dem Brexit sank das britische Pfund gegenüber dem Euro um bis zu 15 Prozent - somit auch die Uhrenpreise. Shoppingwütige Uhrenfans decken sich fleißig in Großbritannien ein. Händler, darunter Wempe als größter in der Euro-Region, spüren einen Rückgang im Hochpreissegment. Stornierungen bestellter Uhren treffen von Kunden ein, da sie die Preziosen für einige Tausend Euro weniger in UK erwerben können.

In den USA hingegen stiegen der Dollar und die wirtschaftliche Stimmung nach der Präsidentenwahl, wodurch vermehrt Uhren über die Ladentheken gehen. Allerdings wird viel Graumarktware, die überwiegend aus Asien stammt, in die USA geschickt. Und Thilo Mühle prognostiziert für 2017: "Dieser Graumarkt wird kollabieren".