Montag, 22. April 2019

Zermatts neue Edel-Seilbahn In Glitzerkabinen auf 3821 Meter Höhe

Zermatts neue Seilbahn: Höher geht es nicht
Pedro Rodrigues/Zermatt Bergbahnen AG/dpa-tmn

Der Schweizer Nobel-Skiort Zermatt hat sich die passende Seilbahn zum mondänen Image zugelegt: Entworfen von den Sportwagen-Designern von Pininfarina, haben manche Kabinen einen Glasboden und Kristalle. Doch das Wichtigste in Zermatt bleiben die Pisten.

"Na hör mal!", ruft eine Frau mit kupferroten Haaren. "Das ist ja Luxus pur!" Sie lässt sich auf die beheizte Lederbank fallen und schaut durch die Glaswände. "Guck mal, das Panorama. Und da, das ewige Eis. Überwältigend." Ein Erlebnis soll die Fahrt im Glacier Ride sein, der neuen Edel-Seilbahn aufs Kleine Matterhorn bei Zermatt im Schweizer Kanton Wallis. Entworfen wurden die Kabinen von dem Unternehmen Pininfarina, das sonst italienische Sportwagen designt. Und vier Gondeln sind mit Hunderttausenden Swarovski-Kristallen besetzt.

Zermatt
Zermatt ist autofrei. Aus München fährt man beispielsweise mit dem IC-Bus oder mit dem Eurocity nach Zürich und von dort über Visp nach Zermatt.
Wintersport: Die meisten Pisten sind rot eingestuft, aber breit und selten steil. 21 Kilometer Piste auf dem Gletscher sind das ganze Jahr geöffnet. Der Tagesskipass für den Schweizer Teil des Skigebiets kostet ab 75 Franken (67 Euro). Wer zusätzlich auf der italienischen Seite fahren will, bezahlt ab 87 Franken (77 Euro).

Diese Dekadenz gefällt nicht jedem. "Typisch Zermatt, total übertrieben, die können sich das ja leisten", so bekam es Mathias Imoberdorf zu hören. "Aber gerade Asiaten setzen viel auf Qualität", sagt der 30-jährige Sprecher der Bergbahnen. Besonders der Glasboden der sogenannten Crystal Rides begeistere viele Gäste: "Wie ein Hubschrauberflug, sagen manche."

Das ist übertrieben. Aber wenn nach drei Minuten das Verbundglas aufklart, fällt der Blick entlang der Felswände auf den Gletscher. "Ein Wow-Effekt", sagt Imoberdorf. Beeindruckender aber ist der Blick durch die Glaswände ringsum - und den bekommt man in jeder Kabine, ohne den Aufpreis von zehn Franken. Links schaut man auf das Monte-Rosa-Massiv, rechts auf das Matterhorn, nach hinten auf das Weißhorn. Vorne türmen sich steil die geschichteten Eiswände der Gletscher auf, hellblau leuchtend, braun marmoriert.

60 Millionen Franken, umgerechnet rund 52,9 Millionen Euro, ließen sich die Bergbahnen das neue Gästeerlebnis kosten. "Die Mittelstation Trockener Steg war zuvor ein Flaschenhals", erklärt Imoberdorf. Besonders abends, wenn die Gäste zurück auf die italienische Seite des Skigebiets wollten, stand man hier bis zu eineinhalb Stunden in der Schlange, um sich dann mit 100 anderen Wintersportlern in eine veraltete Gondel zu zwängen.

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Die neue Dreilseilumlaufbahn bringt nun 2000 Skifahrer pro Stunde auf den Gletscher. Die beiden Tragseile halten die Kabinen stabil und ruhig, sie können selbst bei 80 Stundenkilometer Wind noch fahren. Kein unwichtiges Detail, wenn die Stahlseile ab dem zweiten Stützpfeiler 2732 Meter weit frei hängen. Und wenn die Bergstation auf 3821 Metern Höhe liegt - die höchste in Europa, wie die sanfte Frauenstimme aus dem Lautsprecher betont.

"Der Bau der Bergstation war die größte Herausforderung", sagt Imoberdorf. Sie wurde neben der alten Station in den Gipfelgrat betoniert. Die Arbeiter mussten das Material sofort verbauen, oft an einem Seil baumelnd. Dazu schneite es selbst im Juli. Damit der Beton nicht auskühlte, wurde er mit 65 Grad heißem Wasser angemischt und im Helikopter hochgeflogen. Ein irrer Aufwand, der sich allerdings gelohnt hat. Selbst die Stationen sind schick geworden: die Pfeiler aus hellem Holz, die Wände aus Glas, mit Photovoltaik-Quadraten gepunktet. "Warm, fast wie ein Chalet", sagt Imoberdorf.

Draußen freilich pfeift einem weiter der Wind ins Gesicht, vor allem, wenn man die Stahltreppe zur Gipfelplattform hinaufsteigt. Von hier überblickt man an einem Sonnentag 38 Viertausender, hochalpine Herrlichkeit ringsum. Das Matterhorn sieht mit den Wölkchen neben dem Gipfel aus wie der Schornstein eines Ozeandampfers. Aber die Nadelstiche auf den Wangen stören die Muße, und mehr noch das Gewusel der sich Fotografierenden.

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