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Neuaufstellung von Air Berlin Wie Vielflieger noch punkten können

Von Alexander Koenig
Alexander Koenig

Alexander Koenig ist Gründer von First Class & More (www.first-class-and-more.de ), dem größten deutsch-sprachigen Beratungsportal für günstige Business und First Class Flüge sowie die optimale Nutzung von Vielflieger- und Hotelprogrammen. Zuvor war er viele Jahre als Unternehmensberater bei McKinsey und BCG tätig. In seiner Kolumne "Koenigs Klasse" greift er regelmäßig Themen auf, die für Vielflieger und -reisende interessant sind.

Air Berlin  kommt aus den Schlagzeilen nicht heraus: Mit Stefan Pichler geht jetzt der vierte Vorstandschef in fünf Jahren bei der chronisch klammen zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft, die seit 2008 (bis auf ein kleines Plus in 2012) rote Zahlen schreibt. Air Berlin steht vor großen Umstrukturierungen: Die Flotte soll auf 75 Maschinen halbiert werden, 1200 Stellen sollen gestrichen werden.. Den Rest des Unternehmens will Etihad mit Tuifly zu einer neuen Fluggesellschaft zusammenführen.

Aber was bedeutet das alles für Vielflieger, die die Airline mit den roten Schokoherzchen dem übermächtigen Kranich vorziehen? Mit der kompletten Streichung des Caterings auf Europastrecken vergrault man die treuen Stammkunden. Ferienflüge nach Palma de Mallorca haben die Airline großgemacht, und nun werden sie eingestellt. Ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis der bisherige Geldgeber Etihad das Unternehmen fallen lässt? Und vor allem: was bedeutet der aktuelle Umbau für das Meilenprogramm Topbonus?

Rund 40 Maschinen werden mitsamt der Crews an die Lufthansa  verleast, die damit die dezentralen Strecken betreibt. Dies wurde bereits Ende September beschlossen. Ein erster Schritt zur Entflechtung des Konzerns. Für 300 Millionen Euro gehen die Anteile der österreichischen Tochter Niki an Etihad Airways. Das Niki-Hub in Wien fällt damit zwar für Air Berlin weg, jedoch bringt der Verkauf erst einmal Geld in die Kasse und entlastet Air Berlin zusätzlich noch um die Mittelmeerflüge.

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Niki operiert zukünftig gemeinsam mit Tuifly unter der neuen Dachgesellschaft Blue Sky. Neben den profitablen Langstreckenverbindungen kann sich Air Berlin somit auf die europäischen Verbindungen konzentrieren, die für Geschäftskunden wichtig sind und deshalb saisonal nur geringfügig schwanken.

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Aber die Flotte wird nicht nur zerlegt, es ist auch Zuwachs geplant. Erst kürzlich kündigte Air Berlin an, insbesondere auf der Langstrecke expandieren zu wollen: Ab Berlin-Tegel werden San Francisco und Los Angeles im Sommer 2017 neu aufgenommen, nach New York, Chicago und Miami werden die Frequenzen erhöht.

Ab Düsseldorf wird Orlando neben Miami und Fort Myers als drittes Florida-Ziel in den Flugplan aufgenommen, die bestehenden Flüge nach Boston und San Francisco werden häufiger stattfinden. Insgesamt werden dafür drei neue Langstreckenjets vom Typ Airbus A330 die Flotte ergänzen. Auch wenn die amerikanischen Airlines dies als weiteren Vorstoß der Golf-Airlines in den amerikanischen Markt werten, kann davon ausgegangen werden, dass die Expansion durchgeführt wird.

Das Ende des Spagats zwischen Billigflieger und Netzwerk-Carrier

Air Berlin ist Teil von Etihad Airways Partners, eine Allianz, die Etihad innerhalb kurzer Zeit aus dem Boden stampfte. Die Mutter Etihad bewertet den Erfolg der Allianzairlines in erster Linie durch die Anzahl der Passagiere, die nach Abu Dhabi gebracht werden. Entweder um das Wachstum vor Ort zu fördern oder um über Abu Dhabi mit Etihad in die ganze Welt zu fliegen. Die Mutter hat also weiterhin ein großes Interesse daran, dass Air Berlin in der Luft bleibt. Und der Wegfall der touristischen Strecken kommt Etihad sehr gelegen, denn diese Strecken trugen noch nie zum Verkehr nach Abu Dhabi bei.

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Doch was ändert sich bei der neuen Strategie für die Kunden von Topbonus, dem Meilenprogramm von Air Berlin? Etihad hält bereits 70 Prozent der Anteile an Topbonus. Das Programm ist noch lange kein Auslaufmodell. Seit neuestem werden die Statusvorteile bei Etihad Airways Partners anerkannt.

Ein Statuskunde bei Topbonus bekommt Vorteile wie etwa Loungezugang (als Topbonus Platinum auch in First Class Lounges) jetzt nicht nur bei allen oneworld Airlines, sondern auch bei den acht Fluggesellschaften der Allianz von Etihad. Besonders im Vergleich zu Lufthansa Miles & More bietet es nach wie vor sehr gute Meilengutschriften, vor allem dann, wenn man mit Air Berlin selbst unterwegs ist.

Sogar für Flüge mit anderen Fluggesellschaften wie Etihad oder American Airlines lassen sich diese guten Gutschriften erzielen, wenn sie über die Air Berlin-Seite gebucht werden. Hinzu kommt, dass Statuskunden sehr hohe Boni von bis zu 75 Prozent erhalten, während es bei Lufthansa Miles & More nur 25 Prozent sind.

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Neben dem vergleichsweise günstigen Meilenkauf (der ist bei Miles & More gar nicht mehr möglich) ist die Kreditkarte von Air Berlin einzigartig. Mit ihr kann man nicht nur Prämienmeilen, sondern auch Statusmeilen für jeden ausgegebenen Euro sammeln. Wer es auf die Spitze treiben will, kann man damit sogar den höchsten Status bei Topbonus erreichen, ohne auch nur einmal einen Fuß in ein Flugzeug gesetzt zu haben.

All das führt dazu, dass Topbonus in der großen First Class & More Vielfliegerprogrammstudie des manager magazin den ersten Platz im Bereich "Meilen sammeln" belegt hat. Auch die von vielen als negativ aufgefassten Änderungen der Meilengutschriften im Juli 2016 ändern daran nichts. Diese waren zwar für Mitglieder ohne Status ärgerlich, für Kunden mit Gold und insbesondere Platinum Status jedoch ergaben sich aufgrund der jetzt signifikant höheren Statusboni fast gar keine Verschlechterungen, oft sogar Verbesserungen.

Die Werte zum Einlösen von Meilen für Air Berlin Prämienflüge und Business Class Upgrades auf der Langstrecke sind zudem vergleichsweise niedrig, insbesondere in die USA. Und genau dorthin dürften die Verfügbarkeiten wegen der angekündigten Expansion mittelfristig auch deutlich ansteigen. Negativ ist, dass Flüge mit anderen Fluggesellschaften als Air Berlin sehr viele Meilen kosten, und dass man keine Meilen für First Class-Flüge einlösen kann. Das allerdings war bei Topbonus schon immer so.

Am Ende sind die schmerzhaften Streichungen bei Air Berlin der lang diskutierte und nun endlich vollzogene Schritt, um den Spagat zwischen Billigflieger und Netzwerk-Carrier weitestgehend zu beenden. Die Langstrecke wird mit klarem Fokus auf die USA ausgebaut, der Deutschland- und Europaverkehr wird auf die beiden Drehkreuze Düsseldorf und Berlin konzentriert.

Deutschland bekommt somit vier vollwertige Langstrecken-Drehkreuze: Frankfurt und München bei der Lufthansa sowie Düsseldorf und Berlin bei Air Berlin. Das ist in Europa einmalig und bietet Reisenden sehr viele Möglichkeiten. Ob der nun eingeschlagene Weg eine Startbahn in die Profitabilität ist, bleibt natürlich abzuwarten.