Dienstag, 17. September 2019

Aktivurlaub an der Algarve Auf ins Hinterland!

Wandern an der Algarve: Herrliches Hinterland
Manuel Meyer / dpa-tmn

2. Teil: Mit dem Kajak Flamingo-Kolonien besuchen

Die letzten Kilometer geht es durch das Naturschutzgebiet Cabo de São Vicente zum gleichnamigen weltberühmten Kap, an dem die Steilklippen spektakulär 70 Meter in den tosenden Atlantik abfallen. Im Mittelalter galt das nach dem Schutzpatron der Seefahrer benannte Kap als Ende der Welt. Ein mystischer Ort, auch heute noch. Obwohl der Wurststand mit der "letzten Bratwurst vor Amerika" ein wenig das Ambiente verdirbt.

Wer gerne mit Meerblick wandert, ist an der Algarve richtig. Ganz im Westen lockt im Naturpark Costa Vicentina der 19 Kilometer lange Gezeitenweg um das Dorf Carrapateira herum. Am Fluss Ribeira da Carrapateira geht es zunächst Richtung Meer. Von der Felsküste aus genießen Wanderer immer wieder Ausblicke auf den Atlantik, bevor der Weg erneut landeinwärts vorbei an Zistrosen und Korkeichen zurück nach Carrapateira führt.

Ganz im Osten der Algarve zieht der Naturpark Ria Formosa neben Wanderern und Radfahrer auch Kajakfans an. Auf Paddeltouren kann man in einem Labyrinth aus Lagunen, Dünen und Salinen die einzigartige Vogelvielfalt mit riesigen Flamingo-Kolonien und Weißstörchen bestaunen. Vor dem Feuchtgebiet lohnt es sich, zu den vorgelagerten Inseln im Atlantik überzusetzen. Die Umrundung der Ilha de Tavira ist mit 22,5 Kilometern die längste Strandwanderung der Algarve.

Die bekannten Touristenstrände sind grandios. Doch wer sich dort niederlegt, ahnt oft nicht, welch schöne und gut markierte Wanderrouten zwischen den Stränden liegen. Mehr noch: Wer zwischen Salema und Lagos den rund 20 Kilometer langen Küstenwanderweg nimmt, gelangt an Badebuchten und Strände wie Boca do Rio, wohin sich Badegäste aus den Touristenzentren nicht in Massen verirren.

Ab der Ponta da Piedade ist Schluss mit der Einsamkeit. Die Felsküste ist das unbestrittene Aushängeschild der Algarve. Die meisten schießen das obligatorische Foto von oben. Weitaus spektakulärer ist die Felsenwelt allerdings vom Meer aus. Auf geführten Kajaktouren kann man Tunnel und Höhlen erkunden. An einer kleinen Badebucht, die man nur vom Meer aus erreicht, erholt sich eine Gruppe vom Paddeln und genießt das glasklare Wasser - auch wenn hier zumindest im Sommer ziemlich viele Kajaktouren unterwegs sind. Doch mit dem Sonnenbaden in Sardinendosen-Formation an den Badestränden von Lagos hat das nichts zu tun.

"Den ganzen Tag an einem vollen Strand liegen, wäre für mich nichts", versichert Fritz Schindler. Der Rentner aus Gelsenkirchen ist seit einer Woche mit einer Radgruppe unterwegs. Sie sind von Norden kommend die Küste des Naturparks Costa Vicentina heruntergefahren. Die letzten Tage in Sagres steht ein Surfkurs auf dem Programm. Surflehrer Hugo Figueiredo hilft den Kursteilnehmern, im schäumenden Wasser stehend. "Warten, warten. Jetzt! Lospaddeln!", ruft der Profi zwei Freundinnen aus Lissabon zu. Patricia Fazenda und Susana Antunes treiben ihre Bretter mit kräftigen Armschlägen vor den Wellen her. "Jetzt, langsam aufstehen", ruft Figueiredo.

Die zwei Frauen fallen immer wieder sofort ins Wasser. Nach drei Stunden sind sie erledigt. Es ist ihnen egal. "Das war so toll. Hat richtig Spaß gemacht, und wir haben super nette Leute kennengelernt", sagt Antunes.

Die Wellen rauschen beständig an die langen, unbebauten Sandstrände wie Praia da Cordoama oder Praia do Amado, an denen relativ wenige Badegäste liegen. "Für Surfer, für Anfänger wie für Profis, ist die südliche Westküste der Algarve ideal", sagt Surflehrer Figueiredo, der hier seit Jahren die Kurse der Free Ride Surf School leitet.

"Bei 300 Sonnentagen im Jahr, angenehmen Wintertemperaturen und ständigen Wellen kann man hier das ganze Jahr über surfen, auch wenn die Wellen im Winter für Anfänger etwas zu groß sind", erklärt Figueiredo. Für Fritz Schindler hat er ein paar Balance-Tipps parat. Und tatsächlich, irgendwann steht der Rentner auf dem Brett.

Manuel Meyer, dpa

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