Samstag, 21. September 2019

Kreditkarten aus Metall werden immer beliebter 27 Gramm Status in der Brieftasche

Die American Express Platinum-Card gibt es nun auch aus Metall (allerdings nicht aus Platin)
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Die American Express Platinum-Card gibt es nun auch aus Metall (allerdings nicht aus Platin)

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    Alexander Koenig ist Gründer von First Class & More (www.first-class-and-more.de), dem größten deutschsprachigen Beratungsportal für günstige Business und First Class Flüge sowie die optimale Nutzung von Vielflieger- und Hotelprogrammen. Zuvor war er viele Jahre als Unternehmensberater bei McKinsey und BCG tätig. In seiner Kolumne "Koenigs Klasse" greift er regelmäßig Themen auf, die für Vielflieger und -reisende interessant sind.

Nur bei jedem 67. Bezahlvorgang kommt in Deutschland eine Kreditkarte zum Einsatz; lediglich ein gutes Drittel der Deutschen besitzt laut einer Erhebung der Bundesbank im vergangenen Jahr überhaupt Kreditkarten. Aber eine Gruppe nutzt sie häufig: Für Vielflieger, Meilenoptimierer und alle, die ihre Reisen komfortabler und, dank inkludierter Versicherungen, sicherer gestalten wollen, sind sie ein Muss.

So bietet Miles & More eine eigene Kreditkarte an, ebenso Eurowings, und es gibt die American Express Kreditkarten. Bei diesen sammelt man sogenannte Membership Rewards Punkte, die man im Verhältnis 5:4 in Meilen unterschiedlichster Vielfliegerprogramme umwandeln kann. Ein neuer Trend sind Karten aus Metall, die mehr Exklusivität bieten sollen. Eine Umfrage unter 593 First Class & More Kunden ergab, dass mehr als die Hälfte (55 Prozent) eine Metallkarte einer Plastikkarte vorziehen würden.

Centurion Card: Show-Effekte beim Bezahlen

Als American Express im Jahre 1999 mit der schwarzen Centurion-Karte eines der teuersten und exklusivsten Kreditkartenprodukte einführte, benötigte man ein Alleinstellungsmerkmal - und entschied sich deshalb dafür, die Karte aus Titan zu fertigen.

Durch die Fertigung aus dem besonders stabilen Metall mit einer lasergravierten Signatur sorgte die neue Luxuskarte ab dem ersten Moment für den nötigen Show-Effekt während alltäglicher Zahlungsvorgänge. Gleichzeitig erwies sich die Karte in der Praxis oft problematisch: Kunden berichteten, dass die schwere Metallkarte regelmäßig in Automaten stecken blieb oder Metalldetektoren an der Flughafensicherheitskontrolle aktivierte. Auch die Zerstörung der Karte im Falle eines Betrugsversuches oder bei Austausch der Karte ist schwierig - man kann sie nicht einfach zerschneiden, sondern muss sie der Bank zurücksenden.

In den USA setzte ein Metallkarten-Hype ein

Lange blieben Metallkarten einem kleinen Kundenkreis vorbehalten, bis 2016 das Konzept mit der Einführung der amerikanischen Chase Sapphire Reserve Karte einer breiten Masse zugänglich gemacht wurde. Die Sapphire Reserve Karte wurde zwar nicht nur aufgrund der Metallkarte ein voller Erfolg, aber das wertige Design wurde von vielen Kunden in höchsten Tönen gelobt.

Mittlerweile gibt es über ein Dutzend Kartenprodukte von verschiedenen Banken in einer solchen Ausführung. Selbst eine Amazon-Prime-Kreditkarte ist seit kurzem in Metall erhältlich. Denn die Ausgabe einer Karte in Metall ist ein einfacher und kostengünstiger Weg für die Banken, die empfundene Wertigkeit einer Kreditkarte zu erhöhen. Die Prägung einer solchen Karte, die als Statussymbol taugt, kostet oft nicht mehr als zehn Euro und somit deutlich weniger als die Einführung anderer handfester Kartenvorteile.

Seit Juli bietet American Express die Platinum Card in Metall an

Somit ist es nicht verwunderlich, dass nun auch in Deutschland seit Anfang Juli die American Express Platinum-Karte in einer Metallversion verfügbar ist. Während Neukunden ab sofort an deutschen Kassen ihre Metallkarte zücken können, müssen sich Bestandskunden noch bis Herbst dieses Jahres gedulden, dann - so laut Aussage von American Express - werden alle bestehenden Plastikkarten gegen die neuen Karten ausgetauscht. Allzulange wird der Neuigkeitsfaktor allerdings wohl nicht anhalten, denn wenn andere Banken nachziehen, wird ähnlich wie in der USA jetzt schon die Metallkarte vom Statussymbol zum Alltagsgegenstand.

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Während sich Metallkarten bisher vor allem auf den Kreditkarten-Bereich beschränkt haben, bietet Qatar Airways nun erstmals auch eine solche für ihre treuesten Vielflieger an. Privilege Club Platinum-Kunden erhalten ab sofort eine Mitgliedskarte aus Metall, laut Aussage der Airline mit einem Gewicht von 27 Gramm die schwerste, die man am Markt finden konnte. Ob das höchste Gewicht allerdings wirklich ein Vorteil ist, bleibt abzuwarten.

Metallkarten werden sich sicher auch noch in anderen Branchen verbreiten, denn der empfundene Mehrwert einer solchen Karte übersteigt die Prägungskosten deutlich. Noch. Denn gleichzeitig nimmt logischerweise die Exklusivität mit jeder neu ausgegebenen Karte ab. Und ob der Hype sich überhaupt hält, ist mehr als fraglich: Denn in Zeiten von Apple Pay, Google Pay und PayPal wird immer mehr das Smartphone zum universalen Zahlungsinstrument. Karten, ob Metall oder Kunststoff, spielen in nicht allzu ferner Zukunft wahrscheinlich keine Rolle mehr.

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