Montag, 14. Oktober 2019

Vielflieger-Tipps Innovationen für die Economy Class

Vielflieger-Tipps: Innovationen in der Economy Class
Molon Labe Seating

Zum Autor
  • Copyright: First Class & More
    First Class & More
    Alexander Koenig ist Gründer von First Class & More (www.first-class-and-more.de), dem größten deutschsprachigen Beratungsportal für günstige Business und First Class Flüge sowie die optimale Nutzung von Vielflieger- und Hotelprogrammen. Zuvor war er viele Jahre als Unternehmensberater bei McKinsey und BCG tätig. In seiner Kolumne "Koenigs Klasse" greift er regelmäßig Themen auf, die für Vielflieger und -reisende interessant sind.

Die Werbung der Fluggesellschaften ist voll von Business-Class- und First-Class-Innovationen: Größer, breiter und luxuriöser wie etwa die neue Singapore Airlines A380 First Class Suite, die neue Emirates First Class Suite oder die Qatar Airways Qsuite. Duschen oder Bars über den Wolken sind wie bei Emirates seit vielen Jahren üblich bis hin zum fliegenden Apartment mit Butler wie in der Etihad A380 Residence.

Auch auf der ITB, der weltgrößten Tourismus-Messe, wurden in diesem Jahr in der Regel neue oder bestehende Business-Class-Produkte präsentiert. Es ist zwar schön, in Träumen zu schwelgen, und mit den richtigen Flugbuchungs- und Meilenstrategien sind auch Business-Class-Flüge ab 700 Euro aufwärts machbar, doch die Realität für die meisten Reisenden ist trotzdem (leider) die Holzklasse.

Innovationen auf Kosten der Reisenden

Dort gab es in der Vergangenheit die meisten Innovationen zugunsten der Fluggesellschaften und auf Kosten der Reisenden. Neue Sitze wie die mittlerweile sehr verbreiteten dünnen und harten Slim-Line Sitze, unter Vielfliegern auch gerne "Campingstühle" genannt, zeichnen sich für den Reisenden nicht gerade durch erhöhten Komfort aus, sondern sorgen vielmehr dafür, dass die Airline deutlich mehr Sitze auf demselben Raum unterbringen kann. Durch die dünneren Sitze können auch in manchen Flugzeugtypen mehr Sitze nebeneinander verbaut werden. Viele Fluggesellschaften rüsten ihre Boeings 777 derzeit von 9 auf 10 Sitze in einer Reihe um.

Qatar Airways dagegen überraschte auf der ITB: Anstatt erneut die seit Jahren bei Skytrax bestbewertete Business Class in den Mittelpunkt zu stellen, ging es am Stand nur um die neue Economy Class. Die neue Economy-Class ist zwar nicht revolutionär, bietet aber einen höheren ergonomischen Komfort und größeren Rücklehnenspielraum sowie ein deutlich aufgewertetes Entertainment-System mit 13,3 Zoll Bildschirm.

In Zeiten, in denen viele Fluggesellschaften (etwa American Airlines) in neuen Flugzeugen kein Entertainment System mehr einbauen mit der Begründung, dass die meisten Reisenden über ein eigenes mobiles Gerät verfügen, schon einmal kein Rückschritt. Der Sitz ist zudem in einer Art Schalenprinzip gebaut, so dass man sich innerhalb seines eigenen Raumes zurücklehnt und nicht Hintermann oder -frau beeinträchtigt. Gleichzeitig erhöht die spezielle ergonomische Form die Kniefreiheit und ein auf Wunsch besonders weit ausklappbarer Tisch erleichtert das Arbeiten am Laptop. Ein USB-Port komplettiert das Angebot.

Genug Ideen gibt es - aber sie werden nicht umgesetzt

Dabei wurden in den letzten Jahren schon diverse revolutionäre Sitzkonzepte für die Economy Class vorgestellt, welche allerdings bisher von keiner Fluggesellschaft aufgegriffen wurden. So gibt es zum Beispiel verschiedene Konzepte, bei denen die Sitze auf verschiedenen Höhen gestaffelt werden, um so jedem Passagier mehr Privatsphäre und Platz zu bieten. Andere wollen den ungeliebten Mittelsitz attraktiver machen, indem man diesen etwas hinter den beiden Außensitzen versetzt anordnet.

Während diese Innovationen den Reisekomfort auf den billigen Plätzen noch einmal deutlich erhöhen würden, reduzieren sie aber auch in den meisten Fällen die Anzahl der Plätze. Dies ist auch der Hauptgrund, weshalb diese noch von keiner Fluggesellschaft aufgegriffen wurden.

Preisorientierung stoppt Innovationen

Aber warum wird die Economy Class von den Fluggesellschaften so stiefmütterlich behandelt? In der Industrie hat sich in den letzten Jahren die Meinung durchgesetzt, dass die meisten Passagiere hier sowieso rein nach Preis buchen und andere Faktoren wie der Komfort nur eine untergeordnete Rolle spielen. Das mag zwar in vielen Fällen so sein, aber es hat sich auch gezeigt, dass andere Faktoren wie ein gutes Vielfliegerprogramm oder die Brand Recognition einen Einfluss auf die Buchungsentscheidung hat. Gerade Emirates erfreut sich weltweit einer hohen Beliebtheit; Grund dafür ist neben intensivem Marketing sicherlich auch ein gutes Bordprodukt. Das spiegelt sich in der Regel auch im Preis wider. Für Fluggesellschaften, deren Name nicht die Strahlkraft einer Emirates besitzt, lässt sich dieser Preisaufschlag nur unzureichend an den Kunden vermitteln.

Qatar Airways bietet mit der schon in vielen Flugzeugen vorhandenen Qsuite ein absolutes Top-Produkt in der Business Class an; die neue aufgewertete Economy Class rundet das Angebot nun ab. Ob sich diese Investitionen für die Fluggesellschaft lohnen, hängt primär davon ab, inwieweit Verbraucher bereit sind, mehr für ein Ticket zu bezahlen. In jedem Fall dürfte es aber das Image von Qatar Airways stärken. Da die Fluggesellschaft sowieso komplett dem Emirat Qatar gehört, ist dies vielleicht auch das eigentliche Ziel.

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung