Dienstag, 16. Juli 2019

Kein Chauffeur, keine Lounge Emirates führt die Business Class "Light" ein

Fluglinie Emirates: So sehen Economy, Business und First Class aus
Duncan Chard/Emirates

Die Luftfahrtindustrie ist von einem hohen Konkurrenzdruck geprägt, welcher sich mit dem Aufkommen von Billigfliegern in vielen Regionen noch weiter intensiviert hat. Einer der Grundpfeiler des Low Cost Carrier (LCC) Konzeptes der Billigflieger ist das so genannte "unbundling", sprich: Dienstleistungen werden einzeln und nicht gebündelt verkauft.

Das "unbundling"-Konzept

Enthielten Economy Class Flüge in der Vergangenheit immer standardmäßig Verpflegung und Gepäck, so erwirbt man bei Billigairlines wie Ryanair Börsen-Chart zeigen oder Easyjet Börsen-Chart zeigen nur den reinen Transport von A nach B. Sitzplatzreservierungen, Gepäck oder Getränke werden separat berechnet. Die etablierten Airlines schauten zu Beginn eher herablassend auf die neue "Low Cost" Konkurrenz herab, allerdings zeigte sich schnell, dass das neue Konzept bei den Passagieren gut aufgenommen wurde.

Zum Autor
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    First Class & More
    Alexander Koenig ist Gründer von First Class & More (www.first-class-and-more.de), dem größten deutschsprachigen Beratungsportal für günstige Business und First Class Flüge sowie die optimale Nutzung von Vielflieger- und Hotelprogrammen. Zuvor war er viele Jahre als Unternehmensberater bei McKinsey und BCG tätig. In seiner Kolumne "Koenigs Klasse" greift er regelmäßig Themen auf, die für Vielflieger und -reisende interessant sind.

Während mancher Passagier durch einen niedrigeren Startpreis gelockt wurde, waren auch viele Passagiere bereit, einen Abstrich im Komfort für einen niedrigeren Flugpreis in Kauf zu nehmen. Da immer mehr Passagiere im direkten Vergleich lieber den günstigeren Startpreis der Billigairlines vorzogen und die etablierten Airlines mit Ihrem umfangreicheren Serviceangebot diesen nur schwer imitieren konnten, musste auch hier ein neues Produkt her, geboren waren die sogenannten "branded fares".

Die "branded fares"

Wer heutzutage etwa bei Lufthansa Börsen-Chart zeigen nach einem Flug innerhalb Europas sucht, kann sich zwischen dem günstigen "Light" Tarif, dem "Classic" Tarif und dem "Flex" Tarif entscheiden. Der Light Tarif beinhaltet dabei ähnlich den Low Cost Airlines kein Gepäck und keine Sitzplatzreservierungen, welche auf Wunsch separat dazu gebucht und extra bezahlt werden müssen. Somit stellen diese Tarife auch eine Form des Unbundlings dar, welches es den Linienairlines ermöglicht, am unteren Ende des Preisspektrums die Margen etwas zu erhöhen und den preislichen Abstand zu den Billigairlines zu reduzieren. Während diese Tarife ursprünglich nur im europäischen Markt angeboten wurden, werden diese aufgrund der starken Konkurrenz durch Billigairlines wie Norwegian seit letztem Jahr auch auf den Nordamerika Strecken angeboten.

Emirates führt "unbundling" Konzept erstmalig in Business Class ein

Bisher wurde "Unbundling" in der genannten Form nur in der Economy Class praktiziert, da hier der Preisdruck am höchsten ist. Zudem gibt es wenige Billigairlines, welche eine Premiumklasse anbieten. Nun bietet mit Emirates erstmals eine Fluggesellschaft einen Business Class "Special" Tarif an, bei welchem viele der üblichen Business Class Leistungen exkludiert sind. So erhalten Passagiere bei Buchung des neuen Emirates "Special" Business Class Tarifs keinen Loungezugang, keinen Chauffeur-Service, keine Sitzplatzreservierung und nur die Economy -Class-Flex-Plus-Tarif-Meilen: Praktisch eine Business Class "Light".

Im Gegensatz zu den Economy Class "Light" Tarifen, welche hauptsächlich auf sehr konkurrenzstarken Routen angeboten werden, bietet Emirates den Tarif bisher nur auf Abflügen aus ihrem Heimatmarkt Dubai an, auf denen es in vielen Fällen eher wenig Konkurrenz gibt. Auch waren die Preise auf diesen Strecken schon bisher gerade in der Business Class vergleichsweise hoch. In dem Sinne hätte Emirates eigentlich eher wenig Interesse, die Preise auf diesen Strecken zu senken. Dazu passt dann auch, dass die neuen Business Class "Special" Tarife preislich zu den bisherigen Business Class "Saver" Tarifen identisch sind. Die Business Class "Saver" Tarife, welche weiterhin über alle Vorteile verfügen, wurden preislich etwa 100 bis 400 Euro je Richtung angehoben.

Eher versteckte Preiserhöhung als günstigeres Produkt

Somit handelt es sich eher um eine versteckte Preiserhöhung als um ein neues günstigeres Produkt, welches die Produktpalette positiv erweitert. Kunden die weiterhin alle Vorteile wie Loungezugang genießen möchten, müssen nämlich von nun an tiefer in die Tasche greifen. Es scheint so, als wenn Emirates durch Einführung dieser neuen Tarife nicht, wie etwa die europäischen oder amerikanischen Airlines, auf eine Zunahme der Konkurrenz reagiert, sondern stattdessen probiert, die Margen in dem von ihr dominierten Heimatmarkt weiter zu erhöhen. Viele dort ansässigen Kunden werden Flüge mit Emirates auf vielen Strecken nicht vermeiden können und müssen somit entweder zum teureren Saver Tarif greifen oder sich gleichzeitig von nun an mit einem abgespeckten Produkt zufrieden geben.

Fazit

Ob das neue Business-"Light"-Konzept auch noch außerhalb der Vereinigten Arabischen Emirate eingeführt wird, wird sich zeigen. Damit das Konzept dort erfolgreich sein wird, müsste Emirates allerdings den neuen Tarif dann preislich auch in der Realität merklich reduzieren. Denn die Konkurrenz bietet weiterhin ausnahmelos alle von Kunden geschätzten Vorteile wie etwa kostenfreien Loungezugang. Allerdings ist Emirates nicht irgendeine Fluggesellschaft. Es kann daher durchaus sein, dass Emirates bald schon Nachahmer finden wird und wir tatsächlich vor einem neuen Business Class "Light" Zeitalter stehen.

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