Montag, 15. Juli 2019

Meilenprogramme Dolchstoß für Vielflieger

Delta Airlines stellt auf ein neues Meilensystem um - wenn das Schule macht, gucken preisbewusste Vielflieger in die Röhre

Wenn das Beispiel Schule macht, müssen Vielflieger bangen: Mit einem neuen Meilensystem zielt die drittgrößte US-Fluggesellschaft Delta auf zahlungskräftige Topkunden und ignoriert die preisbewusstere Basis. Nicht Vielflieger werden belohnt, sondern Teuerflieger. Kann das Konzept aufgehen?

Künftig soll nur noch der Preis zählen, nicht mehr die Strecke: Ende Februar hat Delta verkündet, dass zu Beginn des kommenden Jahres die Meilenvergabe auf Delta-Flügen auf ein flugpreisbasiertes System umgestellt wird. Das heißt: Meilen werden nicht mehr basierend auf Distanz und Buchungsklasse oder fixen Meilenwerten für bestimmte Strecken vergeben - entscheidend ist nur noch der gezahlte Preis abzüglich Steuern und Gebühren. So gibt es zukünftig für Kunden ohne Vielfliegerstatus für jeden ausgegebenen Dollar fünf Delta Skymiles. Je nach Statusstufe kann dieser Wert bis auf elf Delta Skymiles je Dollar (beim Diamond Medallion Status) steigen.

Mit dieser Regelung folgt Delta anderen amerikanischen Airlines wie Southwest, Jetblue und Virgin America. Diese vergeben bereits länger Meilen auf Umsätze. Auch in der Hotelbranche ist ein umsatzbasiertes System gang und gäbe. Gewinner dieser Umstellung sollen die Kunden sein, die am meisten Geld bei der Airline ausgeben, denn laut Eigenaussage macht Delta mit 4 Prozent seiner Kunden mehr als ein Viertel der Umsätze.

Doch auf der Strecke bleibt der bei weitem größte Teil der Kunden. Denn für die meisten Reisenden sinken die Meilengutschriften dramatisch. Delta bietet einen Meilenrechner an, mit dem man die Effekte der Änderungen für unterschiedliche Routen berechnen kann. Doch der Rechner ist, entweder bewusst oder unbewusst, fehlerhaft programmiert, so dass die Änderungen in den meisten Fällen weniger dramatisch aussehen, als sie eigentlich sind: Der Rechner berücksichtigt weder Steuern und Gebühren, die im neuen System nicht mit Meilen prämiert werden, noch Buchungsklassen, die im alten System bisweilen zu bis zu 50 Prozent höheren Meilengutschriften als den angezeigten führen würden.

Ein einfacher Economy Class Flug von Frankfurt nach New York für 700 Dollar bringt laut Rechner aktuell 7720 Meilen und in 2015 nur noch 3500 Meilen. Wenn man die rund 170 Dollar Steuern und Gebühren für diese Strecke abzieht, sind es sogar nur noch 2650 Skymiles. Das sind zwei Drittel weniger. Auf einzelnen Routen können es bis zu 80 Prozent weniger Meilen sein.

"Smart Travellers" könnten sich abwenden

Profiteure sind Statuskunden, die kurzfristig mit "überteuerten" Tickets fliegen: Wenn man einen hohen Status bei Skymiles besitzt und keine Sonderangebote bucht, sondern Vollzahlertickets, dann kann man in vielen Fällen von den neuen Regelungen profitieren. Doch eine große Gefahr dieser neuen Regelung ist, dass sich die preisbewusste Kundschaft sowie die "Smart Travellers", die nach Value for Money suchen, von Delta abwenden.

Eigentlich sollen Vielfliegerprogramme ja Vielfliegende belohnen. Doch mit diesen Änderungen stellt sich die Frage: Was ist eigentlich Loyalität? Ist Person A, die einmal pro Jahr für 10.000 Dollar fliegt, loyaler als Person B, die zehnmal im Jahr für jeweils 300 Dollar fliegt?

In einem umsatzbasierten Programm wird die Häufigkeit der Nutzung nicht mehr zwangsläufig belohnt. Doch in der Airline-Branche, in der die Profitabilität sehr stark von der Auslastung der Flieger abhängt, könnte dies der falsche Ansatz sein.

Gewinnt Delta Airlines durch diese Umstellung Kunden? Wohl eher nicht. Wird Delta Kunden verlieren? Ganz bestimmt, insbesondere die preis- und meilenbewusste Kundschaft, denn diese hat in diesem wettbewerbsorientierten Markt genug Ausweichmöglichkeiten. Werden Kunden bereit sein, mehr für Tickets zu bezahlen? Auf Firmenlevel sicherlich ja, denn es wird durch dieses neue Programm kein Anreiz für die Mitarbeiter von Unternehmen gesetzt, preisbewusst zu reisen. Bei Privatreisen in Einzelfällen sicherlich auch.

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